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Fünf Striemen an Rücken und Po

Gericht Fünf Striemen an Rücken und Po

Eine Kindesmisshandlung lag vor, dessen war sich Richter Joachim Filmer sicher. Wer sie begangen hatte, blieb jedoch unklar. Daher sprach er eine angeklagte 24-Jährige aus Cölbe frei.

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Stadtallendorf. Über einen längeren Zeitraum hatte die 24-Jährige fast täglich die beiden kleinen Kinder von zwei Frauen aus Stadtallendorf betreut, war regelmäßig mit ihnen spazieren und auf Spielplätze gegangen. Am 11. Juni des vergangenen Jahres, einen Tag nach einer solchen Betreuung, stellte eine Mutter bei ihrer damals zweijährigen Tochter Blutergüsse an Rücken und Po fest. Laut Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte das Kind bei dem Spaziergang mehrfach mit einem Stock geschlagen haben.

Der Mutter war im Nachhinein ein „auffälliges Verhalten“ der jungen Frau bewusst geworden. Sie habe die beiden Kinder nach dem Spaziergang zwar wie immer gebadet und ins Bett gebracht aber dabei die Tür zum Wohnzimmer, in dem sich die beiden Mütter zusammen mit einer weiteren Frau aufhielten, von außen abgeschlossen und so einen Kontakt der Mütter mit den Kindern verhindert.

Während ihrer Vernehmung vor Gericht begründete die 24-Jährige dieses Handeln damit, dass sie an diesem Abend später als sonst zurückgekommen sei und die Kinder nach dem Baden durch die Anwesenheit der Frauen im Wohnzimmer beim Einschlafen nicht gestört werden sollten. Kleinere Verletzungen habe auch sie bei den Kindern gesehen, aber das sei bei ihnen durch den Umgang miteinander eigentlich normal, erklärte sie.

Der Kinderarzt, der die Zweijährige erst vier Tage nach dem angeblichen Vorfall untersucht hatte, bescheinigte dem kleinen Mädchen einen guten Allgemeinzustand und der Mutter ein liebevolles Verhältnis zu ihrem Kind. „Auffällig waren allerdings fünf deutliche Striemen an Rücken und Po“, stellte der Arzt fest.

Dies hatte auch ein Rechtsmediziner aus Gießen betont, der als Gutachter vor Gericht auftrat. Er nannte die Merkmale „deutliche Anzeichen für eine Kindesmisshandlung“. Allerdings konnte auch er nicht mehr feststellen, zu welchem Zeitpunkt dem Kind die Hämatome zugefügt worden waren: „Sie können vor aber auch nach dem 10. Juni zugefügt worden sein.“

Es gibt keine Zeugen der Kindesmisshandlung

Und so beantragte die Staatsanwältin wegen nicht beweisbarer Täterschaft Freispruch für die 24-jährige Angeklagte. Zwar gebe es deutliche Indizien für eine Kindesmisshandlung: „Aber es gibt keine Zeugen der Tat, und im Nachhinein lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen, ob die Misshandlungen durch die Angeklagte oder eine andere oder auch dritte Person zugefügt worden sind. Auch waren die beiden Kinder beim Baden und zu Bett bringen völlig ruhig“, betonte sie. Sehr sonderbar fand die Staatsanwältin derweil, dass die Frauen im Wohnzimmer nicht auf das Abschließen reagiert hätten.

„Eine Kindesmisshandlung liegt sicherlich vor. Aber wer die Schläge ausgeführt hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Es bestehen deutliche Zweifel an der Schuld der Angeklagten, und es bleibt vieles im Nebel“, begründete Richter Joachim Filmer den Freispruch.

von Alfons Wieber

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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