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Frieden herrscht, wo einst Kanonen feuerten

Feierlichkeit in Amöneburg Frieden herrscht, wo einst Kanonen feuerten

Fast genau 250 Jahre ist es her, dass Amöneburg eine grausame Schlacht während des Siebenjährigen Kriegs erlebte. Die Berger wollen den Ereignissen mit einem Gedenkwochenende erinnern.

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Winfried Kaul muss die massive Kanonenkugel mit beiden Händen festhalten.Fotos: Dennis Siepmann

Amöneburg. Amöneburg. Schwere Eisenkugeln schlagen in den sumpfig nassen Boden, die Geräusche der Schlacht hallen durch die Luft: An einem einzigen Tag, dem 21. September 1762, wurden an die 2000 Soldaten schwer verletzt oder starben auf dem Gebiet rund um die Amöneburg.

Winfried Kaul steht an der Brücker-Mühle, dem Ort, an dem die Schlacht zwischen Engländern und Franzosen während des Gefechts vor fast 250 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Kaul erzählt lebhaft von den damaligen Geschehnissen, dabei hält er eine zwölf Pfund schwere Kanonenkugel in seinen Händen. Einschläge von solchen Kugeln sind noch heute im ehemaligen Brücker-Wirtshaus zu erkennen. Kaul ist als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Amöneburg ein echter Spezialist für Fragen zur damaligen Auseinandersetzung. Während des siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) sei die steinerne Ohmbrücke – direkt an der Brücker-Mühle gelegen – zu einem historisch wichtigen Straßenübergang geworden.

Diesen Übergang hatten sich die französischen Truppen für ihren Durchbruchsversuch in Richtung Norden ausgesucht, um gegen das zu England gehörende Königreich Hannover vorzugehen.

Harter Kampf entlang von Ohm und Lahn

Hintergrund des Angriffs war, dass die mit Preußen verbündeten Engländer die Ambitionen der Franzosen in Nordamerika weitestgehend zurückgeschlagen hatten. Die Engländer bereiteten sich ihrerseits mit Unterstützung ihrer Verbündeten Hannoveranern und Hessen auf den Angriff vor und versperrten mit ihren Truppen entlang der Lahn und Ohm den Vormarsch der Franzosen.

Als studierter Sozialwissenschaftler gehe es Winfried Kaul aber immer auch um die menschlichen Schicksale, die hinter diesen Geschichten zu finden sind. Beispielsweise um die Bewohner des Wirtshauses, die während der donnernden Schlacht Zuflucht im eigenen Gewölbekeller fanden und dort warteten, bis die Klänge der Gewehre verhallt waren. So steht denn auch nicht die blutige Auseinandersetzung rund um die Amöneburg im Vordergrund der anstehenden Gedenkfeierlichkeiten, sondern der Friedensschluss der verfeindeten Parteien.

Nachdem der Kampf um die massive Steinbrücke an der Brücker-Mühle nicht entschieden werden konnte, setzten sich die militärischen Führer zusammen und unterzeichneten einen Friedensvertrag. „Da noch Geld in den Kriegskassen vorhanden war, wurden sogar die Zivilpersonen entschädigt – ein bis dato einmaliger Vorgang“, erklärt Kaul. Ein Friedensstein auf dem Grundstück des Brücker-Wirtshauses erinnert noch heute an diesen historischen Moment. Genau dieses Themenfeld wird auch von den Berger Komödianten während der Festlichkeiten am 21. September aufgegriffen.

Mit Hilfe eines eigenen Theaterstücks erzählen die Amöneburger dann die Geschichte zur Schlacht erneut. „An die 30 Laienschauspieler beteiligen sich an dem Stück. Dazu haben wir uns um originalgetreue Kostüme bemüht, die wir aus Hallenberg und von einem professionellen Verleih aus Stuttgart bekommen“, sagt Kaul. Allein diese Anschaffung habe den Heimat- und Verkehrsverein etwa 1000 Euro gekostet.

Konsulate entsenden Repräsentanten zur Feier

Besonders Stolz ist Kaul über den hohen Besuch, der sich für das Festwochenende angekündigt hat. So werden am Eröffnungstag auch Vertreter aus den englischen und französischen Konsulaten zugegen sein. Hinzu kommt Lars Witteck, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Gießen, der ebenfalls zum Festakt sprechen wird.

„Während der Feierlichkeiten steht eindeutig der Friedensgedanke im Vordergrund“, bekräftigt Kaul. So werden die nationalen Repräsentanten auch einen feierlichen Handschlag und eine Urkundenunterzeichnung zelebrieren, in deren Anschluss sich die Festgäste an der Brücker-Mühle zum gemütlichen Beisammensein einfinden werden. Dort wird dann auch die Band „Quest Wind“ englischen und schottischen Folk, aber auch historische Militärmusik präsentieren.

Den Amöneburger Bürgern wird das Leben der Soldaten zur Zeit des Siebenjährigen Krieges durch eine historisch gekleidete Gruppe näher gebracht. Diese Männer biwakieren auf der Amöneburg und zeigen am zweiten Festtag, 22. September, auf dem Marktplatz eine Parade.

von Dennis Siepmann

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