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Ostkreis Rauschenberg will keinen Schuss ins Blaue
Landkreis Ostkreis Rauschenberg will keinen Schuss ins Blaue
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00:19 01.10.2018
Keine moderne Kunst, sondern ein Flicken auf der Folie des Schwimmbeckenbodens. Nach Überzeugung des Fördervereins muss die Folie dringend erneuert werden. Quelle: Privatfoto
Rauschenberg

Die Stadt Rauschenberg wird sich in diesem Jahr nicht um die Aufnahme ihres Freibades in das Förderprogramm Swim des Landes Hessen bemühen. Das ist das Ergebnis der Ausschusssitzung. „Unsere Fraktion hat versucht, Vorbereitungen zu treffen, damit Rauschenberg so schnell wie möglich in das Programm kommen kann. Das wurde von der Mehrheit abgelehnt. Wir hätten uns heute beim Land Hessen anmelden können“, stellte Michael Vaupel für die Grünen mit Blick auf den Sanierungsbedarf fest.

Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) entgegnete in der Kartz‘schen Scheune, dass es unsinnig sei, in die Planungen einzusteigen, ohne zu wissen, was und wie viel überhaupt gefördert werde. „Es hätte für den Haushalt 2018 nicht mehr gereicht“, erklärte der Kämmerer mit Blick auf die Konditionen zu dem Programm, die das Land Hessen erst im Mai offengelegt habe.

Das Programm Swim zur ­Sanierung der Hallen- und Freibäder läuft über fünf Jahre und ist jährlich mit 10 Millionen Euro dotiert. Die Förderquote liegt bei nicht gerade üppigen 30 Prozent. Kritiker bewerten das Programm wegen der zahlreichen Sanierungsfälle in der hessischen Bäderlandschaft als Tropfen auf den heißen Stein.

Manfred Barth, Vorsitzender des vom Ausschuss eingeladenen Fördervereins Freibad Rauschenberg, ignorierte diese Tatsachen nicht, warb trotzdem für einen sofortigen Beitritt zu dem Programm. „Warum sollten wir auf Förderung verzichten?“, sagte er. Zugleich entkräftete er aus seiner Sicht die Ansicht des Magistrats, dass es zuerst einer­ Kostenschätzung und eines ­Sanierungsplan bedürfe.

Manfred Barth sieht kein Risiko für die Stadt

Der Antrag der Stadt zur Teilnahme an dem Programm müsse bis zum 15. Januar beim Kreis eingegangen sein. Es reiche eine Beschreibung des Projekts aus. Ein eng gefasster Investitionsbedarf sei zunächst nicht erforderlich. Das verschaffe der Stadt Zeit. Für die Stadt sah Manfred Barth keinerlei Risiko. Im Bedarfsfall könne Rauschenberg sich mit einem einfachen Satz aus dem Programm abmelden, erklärte der Vorsitzende. Wenn sich die Stadt nicht für das erste Jahr anmelde, würden die Chancen für die Folgejahre schwinden, mutmaßte Barth.

„Ich warne vor einem Schuss ins Blaue“, antwortete Michael Emmerich. Erst müsse die Stadt wissen, welche Arbeiten vordringlich zu erledigen seien. Dann müsse die Gesamtfinanzierung stehen. Der vom Förderverein vorgelegte Zustandsbericht könne eine Grundlage für ein Planungsbüro sein. Er weise aber auch Mängel auf. Es sei falsch, dass das Beckenwasser durch Solarthermie und Nahwärme zu stark aufgeheizt werde. Die Anlagen seien durchaus steuerbar. Der Wärmeverbrauch sei gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gesunken. Das eigentliche Energieproblem des Bades sei die Aufheizphase­ des Beckenwassers am frühen Morgen. Da helfe nur eine Abdeckung des Beckens in den Nachtstunden.

Grundsätzlich ziele der Bericht des Fördervereins auf eine grundhafte Sanierung des Beckens. Es gehe nicht allein um die Folie, die Jahr für Jahr halte – ebenso wie die Technik. In diesem sei Jahr das Bad an 114 Tagen geöffnet gewesen. Es habe keinen Ausfalltag gegeben, erklärte der Bürgermeister, der verdeutlichte, dass eine reine Beckensanierung nicht ausreiche. So seien die Ablaufsysteme heute nicht mehr genehmigungsfähig, erklärte der Kämmerer unter Hinweisen auf den bis ins Jahr 2024 reichenden und beschlossenen Bedarfsentwicklungsplan der Stadt. In dem stehen im ­Wesentlichen Pflichtaufgaben für Feuerwehr und Wasserversorgung sowie Grundstücksankäufe für Baugebiete.

Magistrat soll 20.000 Euro für Planungen einstellen

Manfred Barth verwies darauf, dass die Beckenfolie früher verschweißt wurde. Heute lasse sie sich nur noch kleben. „Das hält nicht lange“, sagte Barth und zog einen weiteren Trumpf: Es gebe abseits von Swim Fördermodelle von Land und Landkreis auch für kleinere Vorhaben. Daraufhin gab es eine fünfzehnminütige Sitzungsunterbrechungen, während die Fraktion einzeln und zusammen die Situation berieten. Thorsten Bauer verkündete das Ergebnis. Der Ausschuss empfiehlt dem Magistrat, 20.000 Euro für Fachplanungen rund ums Schwimmbad in den Haushalt einzustellen. Noch vor der Sommerpause 2019 solle das Thema Swim in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden.

Allein Michael Vaupel stimmte gegen den Vorschlag. Indirekt­ stellte er mit Blick auf den ­Bedarfsentwicklungsplan die Sinnhaftigkeit des Unternehmens infrage. Die im Investitionsbedarfsplan festgelegten Investitionen reichten bis 2024. Dann sei das Programm Swim beendet.

Vor der Sitzung hatte sich der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefan Seibert gegenüber der OP für seine Fraktion gegen den Vorwurf des Fördervereins verwahrt, dessen Antrag vom 7. September 2017 ein Jahr lang ignoriert zu haben. Die Grünen-Fraktion habe im Sinne des Vereins am 24. Oktober 2017 einen Antrag gestellt. Auch Bürgermeister Michael Emmerich wies diesen Vorwurf für den Magistrat zurück. Er verwies darauf, dass der Antrag des Vereins im Oktober und im Dezember 2017 von den Parlamentariern behandelt worden sei.

von Matthias Mayer

Bericht des Vereins

Der Bericht des Vereins nennt positive Entwicklungen in dem 1963 eröffneten Bad, sieht aber auch bedenkliche Zustände. Den Mitgliedern, die sich regelmäßig im Bad aufhalten, sind unter der Folie knirschende Geräusche aufgefallen, die von Betonschäden stammen könnten. Die Erneuerung der Folie und Sanierung des Betons steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Der WC-Trakt wird als hinfällig und nicht mehr zeitgemäß angesehen. Dafür hält es der Verein für möglich, den Umkleidetrakt in Eigenleistung mit einer Crowdfunding-Finanzierung zu modernisieren. Ein generelles Problem: die fehlende Barrierefreiheit, die 1963 noch kein Thema war.
Sorgen bereitet dem Verein das Technikgebäude, das an der Hangseite möglicherweise durch das undichte Becken durchnässt ist. Der Großteil der Aggregate ist in Ordnung. Als Ärgernis wird die nicht steuerbare Nahwärmeheizung angesehen, die bis zum Saisonende das Wasser auf 26 Grad aufheizte. Erfreulich aus Sicht des Vereins ist, dass das schöne Bad durch Spenden und Arbeitseinsätze noch attraktiver gestaltet wurde.