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Fortsetzung muss zwingend folgen

"Nacht der Chöre" Fortsetzung muss zwingend folgen

Das war eine gute Idee, die bei den Mitwirkenden und 250 Zuhörern großen Anklang fand: Die erstmals ausgerichtete "Nacht der Chöre" des Kirchenkreises Kirchhain in der Stadtkirche.

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Das Gospelduo „Experience“ mit Ina Lippmann und Peter Groß setzte einen besonderen Akzent.Foto: Helmut Rottmann

Kirchhain. Die „Nacht der Chöre“ fand zwar das erste Mal statt, sollte aber wegen des großen Erfolgs in regelmäßigen Abständen wiederholt und somit zur Tradition werden.

Dekan Hanns Baumeister sowie die Bezirkskantoren Christiane Kessler und Peter Groß hatten gemeinsam das erste Chortreffen des neuen Kirchenkreises organisiert. Die Ziele wurden allesamt erreicht: sich gegenseitig musikalisch vorstellen und kennenlernen, wie Kessler es gewünscht hatte, und die Gemeinschaft stärken, wie von Baumeister gefordert. Er führte informativ, locker und mit spontanen Interviews durch das rund dreistündige Programm.

Der Gospelchor „Kreuz und Quer“ Bauerbach machte den Auftakt. Anfangs mit leicht rauen Stimmen und herbem Klang präsentierte sich der Chor unter Gitarristin, Dirigentin und Pfarrerin Berit Hartmann im Fluss von Melodie und Klang, Takt und Rhythmus sowie Körperbewegung.

Der evangelische Kirchen- und Frauenchor Rauschenberg unter der Leitung von Ursula Kaletsch gefiel mit schönen Parallelen in frischem Gesang, der leichte Schwankungen und Rhythmus vergessen ließ. Die Rauschenberger waren vermutlich das einzige Ensemble des Abends, das Kirchenchor und zugleich Mitglied im Deutschen Sängerbund ist.

Der evangelische Kirchenchor „Jubilate“ aus Roth, der seit knapp 113 Jahren besteht, überzeugte bis auf leichte Unsicherheiten in den Höhen mit klarer Aussprache und einheitlichen Endsilben in ausgewogenem Chorklang exakt zum Dirigat von Hannelore Fischer. Vielleicht ein Grund dafür: Er war einer der wenigen Chöre mit fast ständigem Blickkontakt zur Dirigentin.

Der evangelische Kirchenchor Kirchhain als „urchristlicher Chor des Kirchenkreises“ hatte leichte Unsicherheiten beim Start.

Klein aber fein

Dann glänzte der Chor unter Leiterin Jutta Bilsing mit tonaler und melodiöser Geschmeidigkeit, mit feinen dynamischen Akzentuierungen in teils fließend-federndem Rhythmus bei sichtbar frohem Singen - übrigens wie bei fast allen Chören, die auftraten.

Der kleine, aber feine evangelische Kirchenchor Cölbe sang sich in durchaus anspruchsvollem Chorsatz unter dem Thema „Die Gedanken sind frei“ munter durch beliebte Volkslieder und zurück zum Ausgangslied. Unter Bezirkskantorin Christiane Kessler war es ein elegantes Wechseln und Fließen in Melodik, Takt und Rhythmik sowie Harmonik mit prononcierter Aussprache und klaren Endsilben sowie solistischer Einlage. Alles dabei witzig-heiter mit dezenter Gestik und Mimik serviert: ein Genuss.

Einen besonderen Akzent konnte das Gospelduo „Experience“ Stadtallendorf setzen. Ina Lippmann begeisterte mit warmer und runder Stimme in den tiefen Lagen und Kraft in den hohen Tönen, mit feinem Timbre, mit jazzigem bis groovendem Feeling. Peter Groß als Sänger und Organist war der kongeniale Partner, der Lippmann den Raum ließ sich in Ausgestaltung und Ausdeutung frei zu entfalten und immer wieder Gänsehautgefühle zu erzeugen.

Der Gospelchor Halsdorf besteht seit neun Jahren. Lutz Kirscht hat den kleinen, aber feinen Chor geformt. Er trug alle Songs mit tollem Rhythmusgefühl, tonal locker und sicher, in federnder Leichtigkeit und mit ansteckender Sangesfreude vor. Allein das „Rock my Soul“ hatte leichte Ecken und Kanten.

Der evangelische Kirchenchor Schönstadt unter „Altmeister“ Reinhold Hartmann als Dirigent und Pianist war mit einem Auswahl-Quintett seiner insgesamt 25 Choristen vertreten. Anfangs etwas zögerlich, demonstrierten die ausgewählt guten Stimmen dann bezaubernden Gesang, der unter die Haut ging.

Die Singgemeinschaft Schweinsberg, Wolferode und Josbach unter ihrem Dirigenten Bernhard Katzenbach mit über 30 Aktiven überzeugte mit vollem, runden Chorklang, der im letzten Vortrag in melodisch-harmonischer Leichtigkeit gipfelte.

„Schöne Töne“ Cölbe entstand aus einem Musikprojekt und hat sich danach als Alternative zu den bestehenden Chören in Cölbe etabliert. Der Chor setzte unter Bezirkskantorin Christiane Kessler mit einem Medley aus dem Musical „Joseph“ einen Glanzpunkt.

Die 16 Choristen begeisterten mit geschulten Stimmen, mit transparentem Klang, mit Gefühl für Ton, Melodik, Takt, Rhythmus, Harmonien, Dynamik und Sprache. Es bereitete durchweg Freude und Spaß, dem Chor zuzuhören.

Konzept war goldrichtig

Der Familienchor Kirchhain besteht parallel zum Kirchenchor Kirchhain, mit dem er zusammen musiziert. Als einziger Chor sang er von der Empore. Bei Mendelssohn-Bartholdys Werk in kunstvoller Polyphonie gingen Transparenz und Glanz der Stimmen verloren. Seine Stärken demonstrierte der Chor bei einem vierstimmigen Choralsatz von Bach mit schlichter Schönheit und Reinheit der Homophonie.

Jona Hartmann aus Bauerbach begleitete dezent-gefühlvoll auf den Bongos; Martin Kaiser aus Cölbe anfangs mit nervösem Tempo am Schlagzeug, dann souverän in den Begleitstyles Country Rock, Country Shuffle, Swing und 8-Beat. Reinhold Hartmann und Peter Groß an der elektronischen Orgel musizierten oft zu laut.

Das Konzept der ersten „Nacht der Chöre“ ist goldrichtig. Der Erfolg verlangt dringend eine Fortführung. In Zukunft sollte man Dekan Baumeisters Vorschlag umsetzen und den ganzen Kirchenraum zum Singen nutzen. Nützlich und hilfreich wäre die Nennung der Dirigenten und der Werke auf dem Programm.

von Helmut Rottmann

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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