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Feuerwehren stehen vor Umwälzung

Stadtallendorf Feuerwehren stehen vor Umwälzung

Als letzte Stadt im Kreis bekommt Stadtallendorf auch einen Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Feuerwehren. Er muss schnell verabschiedet werden. Ansonsten gibt es keine Zuschüsse für neue Fahrzeuge.

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Beim Brand der Mehrzweckhalle stellte die freiwillige Feuerwehr Stadtallendorf ihre Einsatzstärke unter Beweis. Diese Einsatzstärke muss langfristig gesichert werden. Archivfoto

Stadtallendorf. Es steckt Brisanz in einigen Aussagen, die Verwaltung und Feuerwehr-Führung in den Entwurf des Bedarfs- und Entwicklungsplanes für die Stadtallendorfer Wehren geschrieben haben. Der Plan gibt Auskunft über Ist-Zustand, Aufgaben und Entwicklungen bei den Feuerwehren

Der Entwurf, an dem die Stadt seit Jahren immer wieder gearbeitet hat, muss nun schnell verabschiedet werden. Das verdeutlichte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) in einer Sitzung des Fachausschusses öffentliche Sicherheit, Soziales und Kultur. Denn ohne Bedarfs- und Entwicklungsplan gibt es in Zukunft für Fahrzeuge und Gebäudesanierungen oder Neubauten keine Fördergelder mehr vom Land. Die Brisanz des Papieres liegt in der Zukunftsplanung. Denn in dem Werk ist auch die sogenannte Tagesalarmstärke analysiert worden. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Zahl der freiwilligen Feuerwehrleute, die während eines Werktages tatsächlich beim Alarm zur Verfügung stehen. Die Analyse zeigt klar auf, dass Stadtallendorfs Wehren dabei in den nächsten Jahren zunehmende Probleme bekommen werden. Keine Stadtteilwehr kann die Tagesalarmsicherheit derzeit allein gewährleisten. Bisher gelingt es in Stadtallendorf wie auch in vielen anderen Städten und Gemeinden im Landkreis, durch das gleichzeitige Alarmieren mehrerer Wehren die nötige Sicherheit zu gewährleisten. Sprich: Innerhalb der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten nach dem Notruf ist die Feuerwehr am Einsatzort und kann eingreifen. Doch sollte sich die Zahl der Feuerwehrleute in Stadtteilen und Kernstadt in den nächsten Jahren verringern, kann sich diese Situation schnell verschlechtern. Darum ist im Entwicklungsplan-Entwurf auch die Rede von der Einführung hauptamtlicher Feuerwehrleute, die eine Tagesbereitschaft in der Kernstadt sicherstellen. Die Rede ist von vier bis fünf Feuerwehrleuten, die in ihrer Dienstzeit andere, vorwiegend feuerwehrtechnische Aufgaben wahrnehmen könnten. Kleinere Einsätze deckten sie alleine ab, bei größeren Bränden oder Hilfeleistungen wären sie die „Speerspitze“ bis genügende freiwillige Feuerwehrleute bereitstünden. Mit einer klassischen Berufsfeuerwehr hat eine solche Lösung aber ausdrücklch nichts zu tun.

Den Parlamentariern war in der Ausschuss-Sitzung am Donnerstag gleich bewusst, dass eine solche Lösung die Stadt Stadtallendorf massiv Geld kosten wird. Fachbereichsleiter Hubertus Müller stellte in der Diskussion deutlich klar, dass diese Lösungsvariante sehr real wird: „Das ist ein Szenario, das wir irgendwann haben werden.“ Hinter dem Begriff „irgendwann“ verbirgt sich aus Müllers Sicht ein Zeitraum zwischen vier oder fünf Jahren.

Dabei stellte Stadtallendorfs Stadtbrandinspektor Uli Weber aber auch gleich klar, dass es eine Stadtallendorfer Feuerwehr ohne Ehrenamtliche nie geben wird. „Denn es geht nicht ohne Ehrenamtliche“, sagte Weber.

Auf Nachfrage erklärte Bürgermeister Somogyi, dass für eine neue Stelle derzeit Kosten von rund 50000 Euro zu kalkulieren seien. Vorteil von Hauptamtlichen: Die Ausrückezeit verkürzt sich von jetzt fünf auf eine Minute, die Hilfsfristen ließen sich einhalten.

Kreisbrandinspektor Lars Schäfer als Brandschutzaufsicht kennt den Planentwurf über seine gesamte, mehrjährige Entstehungsphase hinweg. „Klar ist: Stadtallendorf muss sich dieser Diskussion über hauptamtliche Feuerwehrleute stellen, um nicht irgendwann vor kurzfristigen Lösungen zu stehen.“

Schäfer verweist auf die besondere Situation der Industriestadt mit ihrem hohem Gefährdungspotenzial. Ein höheres Potenzial gibt es laut Schäfer nur noch in Marburg - und dort gibt es bereits seit Jahrzehnten eine teilprofessionalisierte Feuerwehr. Schäfer rät der Stadt, sich der Diskussion über den Einsatz von hauptamtlichen Feuerwehrleuten bald zu stellen, möglichst innerhalb der nächsten fünf Jahre, bis der Bedarfs- und Entwicklungsplan neu aufgelegt werden muss.

von Michael Rinde

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