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Fehler führt zu einer schicksalhaften Kollision

Aus dem Amtsgericht Kirchhain Fehler führt zu einer schicksalhaften Kollision

Unter den Folgen eines schweren Unfalls auf der Bundesstraße 454 vor neun Monaten leiden die beiden Opfer wie auch die damalige Verursacherin weiterhin. Strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen.

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Ein Rettungshubschrauber brachte den schwerstverletzten ­Motorradfahrer nach dem Unfall in die Klinik.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Es geschah am 19. Juni vergangenen Jahres gegen 17 Uhr vor der Unterführung der Bundesstraße 454. Strafrichter Joachim Filmer sprach gestern in seiner Urteilsbegründung von einem „schicksalhaften Tag“. Ein Kleinwagen,  unterwegs Richtung Neustadt, fuhr auf die Gegenspur, ein Motorrad kollidierte mit dem Fahrzeug. Das über die Straße fliegende Motorrad trifft die dahinter fahrende weitere Maschine. Der erste Motorradfahrer erleidet durch die Kollision schwerste Verletzungen, darunter einen Lungenriss und Knochenbrüche. Als er Wochen später das Krankenhaus wieder verlassen kann, ist er zunächst auf den Rollstuhl angewiesen.

60-Jährige weiß nicht, warum sie auf Gegenfahrbahn kam

Auch die dahinter fahrende Motorradfahrerin wird schwer verletzt. Am Dienstag fand die Verhandlung vor dem Amtsgericht Kirchhain statt. Angeklagt war die 60-jährige Fahrerin jenes Kleinwagens. Sie stammt aus dem Ostkreis und befand sich an jenem Tag auf dem Heimweg von der Arbeit. Ein Sachverständiger hatte den Unfallhergang im Auftrag der Staatsanwaltschaft untersucht und war dabei zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Richter Filmer stellte während der Beweisaufnahme die wesentlichen Aussagen des Gutachtens vor. Demnach kam der Kleinwagen komplett auf die Gegenfahrbahn. Rund 70 Stundenkilometer schnell war der Motorradfahrer, erlaubt sind in dieser Fahrtrichtung 100 Stundenkilometer. Die Fahrerin des Kleinwagens fuhr laut Gutachten 50 Stundenkilometer.

Warum sie auf die Gegenfahrbahn geriet, ist der 60-Jährigen bis heute nicht klar. Sie habe sich an jenem Tag wohlgefühlt, chronische Krankheiten hat sie keine. „Es macht mich wahnsinnig, dass ich mich nicht erinnere“, sagte sie vor Gericht aus.  Sie habe sich nach dem Unfall in psychologische Behandlung begeben müssen und sei selbst erst seit Kurzem wieder arbeitsfähig. Bei den Unfallopfern hat sie sich im Januar entschuldigt. Vorher sei sie dazu nicht in der Lage gewesen.

Eine komplette Genesung ist unwahrscheinlich

Der besonders schwer verletzte Motorradfahrer trat, vertreten durch seinen Rechtsanwalt, als Nebenkläger vor Gericht auf. Noch immer leide sein Mandat unter den Folgen des Unfalls. Auf die Frage von Richter Filmer, ob absehbar sei, dass sein Mandant wieder ganz gesund wird, antwortet der Rechtsanwalt unmissverständlich: „Es ist nicht damit zu rechnen, dass eine vollständige Genesung eintritt“. Derzeit läuft eine erste Wiedereingliederung in den Berufsalltag. Auch die Motorradfahrerin hat nach wie vor Beschwerden. Bei ihr sehen die Prognosen allerdings besser aus. Es sind die schwerwiegenden Folgen jenes Unfalls, die die Vertreterin der Staatsanwaltschaft dazu bringen, eine höhere Geldstrafe in ihrem Plädoyer zu fordern. Sie beantragte eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 70 Euro. Die Höhe des Tagessatzes ergibt sich aufgrund des Einkommens der Angeklagten. In Summe geht es um eine Geldstrafe von 3 150 Euro.

"Glück, das beide Motorradfahrer überlebt haben"

Der Verteidiger der 60-Jährigen, Rechtsanwalt Winand Koch, hebt die Einsichtigkeit seiner Mandantin vor Gericht hervor und bittet darum, die Zahl der Tagessätze noch zu überdenken.
Richter Filmer schloss sich gestern allerdings in Gänze dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Die 60-Jährige muss außer der Geldstrafe auch sämtliche Prozesskosten  übernehmen. „Irgendeinen Fehler muss die Angeklagte gemacht haben“, so Filmers Fazit bei der Urteilsbegründung. Aufgrund der weitreichenden Folgen habe er kein Argument für eine niedrigere Geldstrafe gefunden.

Allerdings verwies der Richter darauf, dass dieser Unfall auch noch verheerender hätte ausgehen können, wenn alle Beteiligten schneller gefahren wären. „Man kann von Glück sagen, dass beide Motorradfahrer überlebt haben“, so Filmer.

von Michael Rinde

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