Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Fahrt in einer Kutsche wird zur Zeitreise

Der Kreis im TV II Fahrt in einer Kutsche wird zur Zeitreise

"Achtung, Kamera läuft", schallt es über den Hof von Dietmar Estor. Während Menschen bei dem Ausruf meist nervös werden, nehmen die beiden Trakehner-Rappen Carlos und Komet ihn gelassen.

Voriger Artikel
Hütehunde zeigen ihr Können
Nächster Artikel
Was heute glänzt, ist morgen nur noch Schrott

Mit Zylinder, Pelerine und Kutschermantel reisen wie vor hundert Jahren: Reinhard (von links) und Dietmar Estor nehmen Moderator Andreas Gehrke und sein Filmteam mit auf eine historische Fahrt.Foto: Karin Waldhüter

Burgholz. „Liebe Zuschauer, gehen sie heute mit uns gemächlich und stilvoll auf eine Reise wie anno dazumal“, lädt Moderator Andreas Gehrke die Zuschauer des Hessischen Rundfunks ein, während er in die Kamera blickt und gleichzeitig den prächtigen Tieren einen Apfel hinhält. Bis die Einstellung perfekt im Kasten ist, verschwindet allerdings noch so mancher rote Apfel im Maul der Tiere.

Mit Pelerine und Zylinder nimmt Kutschensammler Dietmar Estor das Filmteam mit auf eine Zeitreise. Mindestens acht Drehstunden hat das siebenköpfige Team aus Kassel für den Beitrag aus Burgholz eingeplant. Bis die erste Einstellung auf dem Hof fertig ist, sind mit Schminken und ersten Ablaufplanungen schon gut zwei Stunden vergangen.

Mit Moderator Andreas Gehrke, inzwischen ebenfalls stilecht mit Zylinder ausgestattet, geht es dann in einem Dreiviertel-Stadtcoupé - einer Kutsche aus dem Jahr 1890 - gemächlich in die herbstlichen Wälder des Burgwaldes.

Für ihren Dreh hatte sich das Fernsehteam einen echten Kutschen-Experten ausgesucht: Bereits mit 21 Jahren hatte sich Dietmar Estor seine erste Kutsche gekauft. Inzwischen steht seine ganze Scheune voll. „Den Virus hat uns unser Vater Konrad übertragen“, erzählt Estor, der sich das Hobby mit Bruder Reinhard teilt.

Mit 21 Jahren sei er Papa von Zwillingen geworden und sein Vater habe ihm vorgeschlagen, eine Kutsche zu kaufen, um sein Hobby zusammen mit seinen Kindern „zu leben“. Liebevoll restaurieren die Estors seitdem alte Kutschen, die sie erstanden haben, und machen sie wieder fahrtüchtig. Bei Wagenbauern und Schmieden Ersatzteile zu besorgen, werde allerdings immer schwieriger, weil es kaum noch welche gebe, sagt er.

Besucher können bei Dietmar Estor Kutschen mieten. In Zukunft will der Burgholzer auch „Reisen wie vor hundert Jahren“ anbieten. Dafür will er dann auch seine Pension umgestalten, damit sich die Gäste in die Zeit um die Jahrhundertwende zurückversetzt fühlen.

Sendung am 21. Oktober

Erfahrung „in Sachen Film“ hat der 53-Jährige bereits mehrfach gesammelt. Ein hessisches Filmteam hatte eine seiner Zeitreisen anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gemündener Bahnhofs mit der Kamera begleitet. Auch der Fernsehsender „Arte“ und die Hessenschau sendeten Beiträge.

Historisch wird es während des neuerlichen Besuchs des Filmteams, als Estor das große Scheunentor öffnet. Ordentlich nebeneinander aufgereiht stehen dort seine Schmuckstücke - der Omnibus aus dem Jahr 1890 aus Frankreich zum Beispiel.

Vier Kutschen haben er und sein Bruder eingetauscht, um dieses seltene Stück besitzen zu können. Alte Zeitungsausschnitte und Fotos zeigen die Herkunft der Kutschen und belegen, wie viel Arbeit die beiden Brüder in die Restaurierung gesteckt haben. Dass man eine Reisekutsche aus dem Jahr 1890 durchaus auch zum Campingwagen umrüsten kann, begeistert dabei auch das Filmteam.

Und genug Platz ist auch: Mit seinem Bruder habe er selbst schon in der umgebauten Kutsche übernachtet, berichtet Estor, der in dem Film ebenso wie seine Tochter Nicole und ihren Zwillingen Emma und Luna zu sehen und zu hören sein.

Der Beitrag aus Burgholz ist am Sonntag, dem 21. Oktober, um 16.45 im Hessischen Fernsehen unter dem Titel „Herkules“ zu sehen.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr