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Fahrlehrer mit 1,96 Promille unterwegs: Freiheitsstrafe

Aus dem Amtsgericht Fahrlehrer mit 1,96 Promille unterwegs: Freiheitsstrafe

Wer alkoholisiert Auto fährt, braucht vor Gericht nicht auf Milde zu hoffen. Gleichwohl sind Freiheitsstrafen nach Alkohol-Fahrten ohne Unfallfolgen und Personenschäden selten.

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Kirchhain. Vor dem Kirchhainer Amtsgericht traf jetzt einen Angeklagten eine solche Strafe. Strafrichter Joachim Filmer verurteilte einen 64-Jährigen aus dem Landkreis wegen vorsätzlicher Trunkenheitsfahrt und vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe, die der Richter auf zwei Jahre zur Bewährung aussetzte. Bewährungsauflage: Der Mann muss 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Die Sperrfrist, vor deren Ablauf der Angeklagte den entzogenen Führerschein nicht wieder beantragen kann, legte das Gericht auf ein Jahr und sechs Monate fest.

„Herr Filmer, ich bin wieder hier“, begrüßte der Angeklagte den Vorsitzenden zu Beginn der Verhandlung. Der Grund für das Wiedersehen mit dem Richter: Eine Polizeistreife hatte den ehemaligen Fahrlehrer am 11. Oktober 2012 um 23.20 Uhr gestoppt. Der Mann war mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,96 Promille am Steuer seiner Autos unterwegs. Das Problem: Der zuvor unbescholtene Fahrlehrer war erst im März wegen einer Alkoholfahrt mit 2.4 Promille zu einer Geldstrafe und einer Führerscheinsperre verurteilt worden.

Schon während er ersten Gerichtsverhandlung im März hatte der Angeklagte eingeräumt, dass er mit seinem Fehltritt grob gegen das Gebot verstoßen habe, was er seinen Schülern über Jahrzehnte eingebleut hatte: Nie mit Alkohol ans Steuer. Damals machte er persönliche Probleme für einen nicht geplanten längeren Kneipenbesuch und die anschließende Fahrt verantwortlich.

Auch während des zweiten Prozesses berichtete er von persönlichen Problemen während der Tatzeit. Bei einem Krankenbesuch bei einem engen Anverwandten habe er erfreut eine gesundheitliche Besserung festgestellt und diese in einer Gaststätte gefeiert. Entgegen der Absprache sei er nicht von seiner Partnerin abgeholt worden. Er habe eine halbe Stunde in der Kälte gewartet und sei dann losgefahren, sagte er.

Anklagevertreter Peter Heinisch verwies darauf, dass der Angeklagte laut Polizeiprotokoll trotz des hohen Promillewerts ohne jede Ausfallerscheinung gefahren sei. Das schaffe nur ein über Jahre trainierter Trinker, sagte Heinisch und gab zur Verdeutlichung des Promillewerts einen Einblick in seine eigenen Erfahrungen. Um angehenden Juristen ein Gefühl für die Beziehung von Trinkmenge, Trinkzeit, Promillewert und alkoholbedingten Ausfallerscheinungen zu vermitteln, lädt die Staatsanwaltschaft in jedem Semester zu einem kontrollierten Trinken ein. „Dabei erreiche ich nicht mehr als 1,0 Promille - und habe Ausfallerscheinungen, mit denen ich mich nie ans Steuer setzen würde“, erläuterte Heinisch. „Und Sie fahren mit 2 Promille kerzengerade. Seien Sie ehrlich zu sich. Geben Sie zu, dass Sie ein Alkoholproblem haben“, forderte Heinisch.

Zu diesem Geständnis rang sich der Angeklagte nicht durch. Er sei kein Alkoholiker, trinke nur gelegentlich, gab er zu seinem Schaden zu Protokoll. Denn Peter Heinisch forderte umgehend nun einer Verurteilung wegen einer vorsätzlichen, statt einer fahrlässigen Trunkenheitsfahrt.

Gleichwohl bedauerte der Angeklagte seine beiden Alkoholfahrten, die ihn wirtschaftlich sehr geschadet hätten. Er werde nie wieder Auto fahren, versicherte er.

„Dass ein Fahrlehrer mit einem Promillewert weit jenseits der Grenze zur Fahrtüchtigkeit Auto fährt ist schon etwas Besonderes“, stellte Joachim Filmer fest. Bei jedem vierten Verkehrstoten sei Alkohol im Spiel. Wegen der schlimmen Folgen könne es bei Trunkenheitsfahrten kein Pardon geben.

von Matthias Mayer

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