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Ostkreis Extreme Hitze stoppt Heidelbeertanz
Landkreis Ostkreis Extreme Hitze stoppt Heidelbeertanz
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00:16 31.07.2018
Im vergangenen Jahr feierten bereits am ersten Abend mehrere hundert Besucher an der Schlossruine. Quelle: Archivfoto
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Rauschenberg

Hessenweit gilt seit Dienstag in Sachen Waldbrandgefahr die Alarmstufe A. Dass es zur Ausrufung der höchsten Alarmstufe mit weiterreichenden Verboten kommt, ist derzeit nicht auszuschließen. Ein Grund mehr für die Mitglieder des Festausschusses des TSV Rauschenberg, sich am Dienstagabend kurzfristig zu treffen. Und offenbar war man sich dort sehr schnell einig darüber, dass das Fest mitten im Wald an der Schlossruine oberhalb von Rauschenberg abgesagt werden muss. Mit rund 1 000 Besuchern hatte der TSV an den beiden Veranstaltungstagen wieder gerechnet.

In Rauschenberg habe es in den vergangenen zwei Monaten keinen Tropfen Regen gegeben, der Wald und das Unterholz in und rund um die Schlossruine seien völlig ausgetrocknet, erläuterte Michael Vaupel vom Festausschuss. Hunderte von Menschen hätten sich zugleich im Wald aufgehalten, einzelne­ hätten möglicherweise geraucht. Glasscherben wären unter Umständen im Wald gelandet und hätten wie Brenngläser gewirkt.

„Wir hätten nicht sicherstellen können, dass das nicht passiert“, sagt Vaupel. Die Entscheidung, die Veranstaltung abzusagen, fiel im Ausschuss einstimmig. Es wäre aus Sicht der Verantwortlichen auch nicht möglich gewesen, ausreichend Löschwasserreserven­ zu bilden. „Und wenn es dann wirklich zum Brand gekommen wäre, hätte alles ganz schnell gehen können. Das sieht man ja bei anderen verheerenden Waldbränden wie aktuell in Griechenland“, so Vaupel. Behördlicherseits hatte es bis jetzt keine Einwände gegeben, alle Genehmigungen lagen dem Verein natürlich schon vor. „Doch wer weiß, wie sich die Situation in der nächsten Woche entwickelt hätte. Da wollten wir lieber frühzeitig eine Entscheidung treffen, damit alle informiert sind“, sagt Vaupel.

Die beiden Bands, die „Moskitos“ und „By the way“ hat der Festausschuss schon informiert. Sie hätten sehr verständnisvoll reagiert und auf anteilige Gagen von sich aus verzichtet, so der Festausschuss-Sprecher. Vorbestellte Lebensmittel und Getränke hofft der Verein auch noch rechtzeitig abbestellen zu können.

So blieben möglicherweise nur die Kosten für die behördlichen Genehmigungen, wobei der Verein, der nun keine Einnahmen hat, hofft, dass die Behörden möglicherweise ebenso positiv reagieren wie die Musikkapellen.
1959 feierten die Rauschenberger erstmals den Heidelbeertanz, um die Heidelbeer-Ernte­ entsprechend zu feiern. 2019 besteht das Volksfest damit seit 60 Jahren, 59 Mal hat es dann stattgefunden. Denn die Absage ist ein Novum in der Festgeschichte.

Bürgermeister zeigt viel Verständnis

Deshalb tut die Absage auch Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) sehr leid. Er hat jedoch für die Entscheidung beim TSV Rauschenberg vollstes Verständnis, wie er gegenüber der OP betont. Anfang der Woche hatte Emmerich noch mit der Feuerwehrführung beraten, wie sich der Brandschutz rund um die Schlossruine noch mehr verbessern ließe. Zusätzliches Löschwasser sollte auf den Berg geschafft werden. „Doch wir waren uns alle einig, dass es den hundertprozentigen Schutz in der jetzigen Situation einfach nicht geben wird“, sagt Emmerich. Er finde es gut, dass sich der Veranstalter am Ende so entschieden habe. „Er wäre­ letztlich in der Pflicht gewesen, Dinge wie das Rauchverbot auch durchzusetzen“, sagt Emmerich im Gespräch mit der OP.

von Michael Rinde

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