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Eva Pusztai soll hohe Ehrung erhalten

Ehrenbürgerschaft Eva Pusztai soll hohe Ehrung erhalten

Seit Jahrzehnten wirbt die Ungarin Eva Pusztai, einst eine der Arbeitssklavinnen im Sprengstoffwerk der DAG, für das Wachhalten von Erinnerungen und die Versöhnung. Der Magistrat will sie besonders ehren.

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Eva Pusztais spricht bei einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Münchmühle.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Etwa 1000 jüdische Frauen aus Ungarn gehörten zu den rund 17000 Zwangsarbeitern im Allendorfer Werk der DAG während des Zweiten Weltkrieges. Sie alle lebten im Lager Münchmühle, ein KZ-Außenkommando Auschwitz-Birkenau. Unter ihnen war Eva Pusztai, geborene Fahidi. Sie überlebte, überwandt das Erlebte und wurde eine unermüdlich scheinende Zeitzeugin, eine Frau, die sich längst mit dem Ort ihres Leides versöhnt hat und sich dazu auch bekennt. Einst, nach der Befreiung im April 1945, hatte sich die junge Frau geschworen, nie wieder ein deutsches Wort zu sprechen.

Zuletzt besuchte Eva Pusztai im Mai Stadtallendorf, sprach aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Gedenkstätte Münchmühle. Abermals hat sie sich dort selbst als eine Stadtallendorferin bezeichnet. Mittlerweile dürften es mehrere hundert Schüler verschiedener Generationen in Deutschland und Ungarn sein, die ihr zugehört haben.

Ein Satz beeindruckte besonders

Dieser mittlerweile 88 Jahre alten Frau will der Magistrat der Stadt Stadtallendorf die Ehrenbürgerschaft verleihen. So steht es auf der Tagesordnung der Stadtparlamentssitzung am 11. Dezember. Damit wäre Eva Pusztai erst vierter Ehrenbürger der jungen Stadt, was den besonderen Charakter dieser Ehrung unterstreicht.

Zuletzt verlieh die Stadt diese Ehrung an Altbürgermeister Manfred Vollmer. Er und dann - eine entsprechende Stadtparlaments-Entscheidung vorausgesetzt - auch Eva Pusztai, wären die beiden noch lebenden Ehrenbürger der Stadt. Außerdem bekamen der frühere hessische Innenminister Heinrich Schneider und Stadtallendorfs erster Bürgermeister Heinz Lang die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Ihn habe zuletzt ein Satz von Eva Pusztai, gesprochen vor dem Stacheldraht der Gedenkstätte, besonders beeindruckt, sagt Bürgermeister Christian Somogyi: „Man darf nicht vergessen, man muss auch verzeihen können.“ Für Somogyi steht Eva Pusztai auch stellvertretend für die tausenden Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges nicht freiwillig nach Stadtallendorf kamen, unter menschenverachtenden Bedingungen in den Werken arbeiteten und in den Lagern lebten.

Versöhnung und Erinnerung

Eva Pusztais Wirken im Sinne der Versöhnung und Erinnerung ist auch eng mit der Begegnungswoche vom 21. bis 26. Oktober 1990 verbunden. Seinerzeit organisierte die Stadt diese Veranstaltung, bei der frühere jüdische Lager-Bewohnerinnen erstmals an den Ort ihrer Pein zurückkehrten.

Bürgermeister Somogyi hat Eva Pusztai, die in Budapest lebt, im Vorfeld der Entscheidung bereits gefragt, ob sie die Ehrung überhaupt annähme. „Sie hat ja gesagt und sich sehr gefreut“, erklärte Somogyi gegenüber der OP.

Die Ehrung könnte im Mai, beim nächsten geplanten Besuch von Pusztai in Stadtallendorf, vorgenommen werden, wenn das Stadtparlament dem Magistratsvorschlag folgt. Somogyi hatte die Ehrung allerdings schon im Vorfeld auch mit dem Ältestenrat des Stadtparlaments abgestimmt. Das Stadtparlament tagt am 11. Dezember ab 19.30 Uhr.

von Michael Rinde

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