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Essen und Betreuung lösen massive Kritik aus

Pflegenotstand? Essen und Betreuung lösen massive Kritik aus

Nach den Unmutsäußerungen eines Stadtallendorfers räumte die Leiterin des Altenzentrums der Arbeiterwohlfahrt Mängel bei der Essensversorgung ein. Weitere Vorwürfe wies sie jedoch von sich.

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Quelle: Bernd Wüstneck

Stadtallendorf. „Es kann nicht sein, dass man so mit alten Leuten umgeht“, sagt Herbert Scheffel und ärgert sich über schlechtes Essen, das seine über 80 Jahre alte Schwägerin im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt vorgesetzt bekomme. „Früher wurde dort in einer eigenen Küche gekocht. Meine Frau arbeitete in der Einrichtung, und ich habe sogar öfters dort oben gegessen. Jetzt kommt das Essen, das man eigentlich niemandem anbieten kann, aus einer Zentralküche“, weiß der Stadtallendorfer.

Der 63-Jährige übt massive Kritik, die bei der Anfrage dieser Zeitung bei Teresa Dylong, der Leiterin der Einrichtung, auf offene Ohren stößt: „Ich verstehe es, dass er sich um das Wohlbefinden seiner Verwandten sorgt.“ Sie bemühe sich um Verbesserungen, doch dafür müsse auch das Personal mitziehen: „Nachspeisen und Salate bereiten wir hier vor Ort zu. Wenn es Mängel beim übrigen Essen gibt, muss die Küchenleitung diese aber natürlich auch an den Hersteller weitergeben.“ Dies sei nicht der Fall gewesen: „Aber ich hoffe, dass sich das bessert. Auch von unserer Seite gab es schon Kritik am Essen.“

Noch dazu sei es auch eine Frage des Service: „Es kommt auch darauf an, wie man Essen präsentiert: Entweder man gibt es zwischen Tür und Angel weiter oder eben mit Liebe, das heißt man garniert den Teller und macht sich Mühe. So eine Person wollen wir einstellen“, erklärt Dylong.

Kein Verständnis hat sie derweil für zwei weitere Anschuldigungen, die Scheffel macht: „Zweimal die Woche muss meine Schwägerin Aufbauspritzen bekommen, damit diese auch wirken - aber es fühlt sich keiner verantwortlich, und so bekam sie in vier Wochen nur eine. Und am Wochenende ist im ganzen Altenzentrum ohnehin kein Betreuer zu finden. Wenn dann etwas passiert, ist es dem Personal egal.“

„Es gibt drei Dienstzimmer. Auf jeder Etage befindet sich eine Klingel. Wenn man diese betätigt, bekommen meine Mitarbeiter eine Nachricht auf dem Pieper und kümmern sich um die Anliegen“, entgegnet Dylong und übt ihrerseits Kritik an Scheffel: Er sei nicht bereit, sachlich zu diskutieren. Als er ein Anliegen gehabt habe, sei eine Fachkraft, die auf 38 Jahre Erfahrung zurückblicken könne, gerade mit einem anderen Bewohner beschäftigt gewesen: „Da konnten wir seiner Forderung natürlich nicht sofort nachkommen. Aber das hat er nicht eingesehen.“

Auch in Sachen Medikamente seien die Anschuldigungen haltlos: „Altenpfleger dürfen die Aufbauspritzen nicht verabreichen, daher kommt regelmäßig eine Ärztin in unser Haus und kümmert sich um die Bewohner. Sie gibt die intramuskulären Spritzen - und sie wirken. Herr Scheffels Schwägerin kam im Rollstuhl zu uns und kann sich inzwischen mithilfe eines Rollators fortbewegen.“

Verärgert über die öffentliche Kritik des Stadtallendorfers ist die Leiterin des Altenzentrums indes nicht: „Die Leute sollen zu mir kommen und mich auf Mängel ansprechen, damit wir sie beseitigen können. Ich weiß, wo bei uns Mängel und Baustellen sind. Da stehe ich zu. Aber unberechtigte Kritik nehme ich nicht an.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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