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„Es war Sonntag, alle Sparkassen hatten zu“

Stadtallendorf „Es war Sonntag, alle Sparkassen hatten zu“

Die Verhandlung gegen einen Schwarzfahrer aus Stadtallendorf dauerte am Freitagmorgen nur wenige Minuten.

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Stadtallendorf. „Dann ziehe ich meinen Einspruch zurück“, donnert der Angeklagte dem unter Vorsitz von Richter Joachim Filmer tagenden Gericht an den Kopf, knallt wütend einige Ausweise und Papiere auf den Tisch, um sie dann hektisch wieder einzusammeln.

Der mit sieben Vorstrafen vorbelastete Mann steht vor Gericht, weil er Anfang des Jahres gleich dreimal in kurzer Folge beim Schwarzfahren erwischt worden war. Am 11. Februar fuhr er im Regionalexpress zwischen Treysa und Kassel ohne Ticket, am 13. Februar vermochte er im ICE zwischen Berlin und Braunschweig keinen Fahrausweis vorzuweisen und am 15. März war er im Regionalexpress zwischen Frankfurt und Gießen ohne Fahrschein unterwegs.

Wegen dieser drei Fälle von Beförderungserschleichung war der Mann vom Amtsgericht Kirchhain mit einem Strafbefehl zu einer Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt worden. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt.

Warum er bei einem eindeutig erwiesenen Tatbestand einem Strafbefehl widerspreche, wollte Joachim Filmer von dem Angeklagten wissen. Die überraschende Antwort: Er habe nachträglich die Beförderungsentgelte bezahlt. Der Hinweis des Richters, dass eine Schadensregulierung nicht vor Strafe schütze, bringt den Angeklagten nicht aus seiner Spur.

Er habe am 13. Februar wegen einer Erkrankung seiner Mutter abreisen müssen: „Es war Sonntag, ich hatte kein Geld mehr und alle Sparkassen hatten zu“, sagt der Mann, um den Hinweis der Staatsanwältin („da gibt‘s überall Geldautomaten“) lässig mit einem „ich hab‘ meine Geldkarte verloren“ zu kontern. Da reißt der Staatsanwältin, die im Zuge der Ermittlungen von sieben weiteren Schwarzfahrten des Stadtallendorfers Kenntnis genommen hat, der Geduldsfaden. „Ich garantiere Ihnen, dass Sie heute nicht mit einer niedrigeren Geldstrafe nach Hause gehen“, sagt sie. Mit Erfolg. Der Angeklagte packt seine Sachen und zieht grußlos ab.

von Matthias Mayer

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