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Es kommt auf jede Stimme an

Wahlkampf-Endspurt in Rauschenberg Es kommt auf jede Stimme an

Der Wahlkampf in Rauschenberg biegt auf die Zielgerade ein. Am kommenden Sonntag steht gegen 18.40 Uhr fest, wer in der Nachfolge von Manfred Barth am 1. April 2013 neuer Bürgermeister wird.

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Rauschenberg. Michael Emmerich (CDU) und Michael Vaupel (Bündnis 90/ Die Grünen) haben sich im ersten Wahlgang am 7. Oktober für die Stichwahl qualifiziert, die der SPD-Bewerber Markus Heeb (19,4 Prozent) überraschend deutlich verfehlte. Der parteilose Kandidat Anders Arendt (0,8 Prozent) spielte keine Rolle.

Zahlenspiele

Michael Emmerich (42,5 Prozent, 961 Stimmen) bringt aus dem ersten Wahlgang einen Vorsprung von 119 Stimmen auf Michael Vaupel (37,3 Prozent, 842) mit in die Stichwahl. Ein Freibrief für den Erfolg am Sonntag ist das allerdings für den Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Stadtparlament und Josbacher Ortsvorsteher nicht. Entscheidend wird sein, zu welchem Kandidaten sich die 439 Wählerinnen und Wähler von Markus Heeb orientieren. Und das ist völlig offen. Der Sozialdemokrat aus Kirchhain hat nach seinem Ausscheiden im ersten Wahlgang für die Stichwahl keine Wahlempfehlung abgeben. Auch die FBL, im Stadtparlament die drittstärkste Kraft, verhält sich in dieser Frage neutral. Die FBL hatte für die Bürgermeisterwahl keinen eigenen Kandidaten aufgestellt.

Im ersten Wahlgang waren die Claims klar abgesteckt. Michael Emmerich hat in allen Stadtteilen gewonnen - in Albshausen, Ernsthausen und Josbach sogar mit absoluter Mehrheit. Der ehrenamtliche Stadtrat Michael Vaupel nutzte in der Kernstadt dagegen seinen Heimvorteil eindrucksvoll und nahm in beiden Stimmbezirken seinem Mitbewerber 209 Stimmen ab.

Die beiden Michaels wissen also, was sie zu tun haben: Emmerich muss seinen Stimmenanteil in der Kernstadt ausbauen und Vaupel, der nach der Wahl zielgerichtet in Stadtteilen für sich warb, muss in Albshausen, Bracht, Ernsthausen, Josbach und Schwabendorf zulegen. Ein zweifelsfrei hypothetisches Zahlenspiel zeigt, was passieren muss, damit Michael Vaupel an Michael Emmerich vorbeiziehen kann. Unter der Annahme, dass beide Kandidaten alle ihre Wähler aus dem ersten Wahlgang halten, alle Heeb-Wähler zur Wahl gehen und die 18 Protestwähler von Anders Arendt zu Hause bleiben, müsste Vaupel auf dem Heeb-Lager mindestens 280 Stimmen gewinnen. Emmerich genügten in diesem Fall 161 Stimmen von Heeb-Wählern zum Wahlsieg.

Das Zahlenspiel zeigt, dass beide Kandidaten vor lösbaren Aufgaben stehen - und dass es am Sonntag extrem spannende wird.

Die Inhalte

Schaut man auf die Inhalte und Ziele, für die die Kandidaten stehen, so vereinfacht das nicht gerade die Wahlentscheidung. Beide streben die Haushaltskonsolidierung, eine bessere Wahrnehmung und einen besseren Verkauf Rauschenbergs an. Die Stadt soll wieder als liebens- und lebenswerte Wohnstadt positioniert werden. Und damit dies gelingt, wollen Emmerich und Vaupel die Infrastruktur verbessern, Freizeiteinrichtungen wie das Schwimmbad, die preisgünstige und hochwertige Kita-Betreuung sowie die hauptamtliche Jugendarbeit erhalten und die Seniorenarbeit ausbauen.

Zugleich setzen beide auf den Ausbau der erneuerbaren Energien - auch um mit diesen die Stadtkasse aufzubessern. Michael Vaupel als Grünen ist das selbstverständlich, für den Christdemokraten Michael Emmerich eine Sache der Überzeugung. Emmerich war und ist als ehrenamtlicher Vorstandvorsitzender der Bioenergie-Genossenschaft Josbach Motor des Nahwärmeprojekts in seinem Wohnort und Türöffner für die Nahwärme-Aktivitäten in Schwabendorf. Beide Kandidaten unterstützen den Bau eines Windparks, der im Rauschenberger Stadtwald auf städtischen Boden unter Bürgerbeteiligung gebaut werden soll.

Die Streitpunkte

Gingen die Kandidaten bislang äußerst pfleglich miteinander um, so werden auf den letzten Metern zur Wahl doch noch die Waffen gezeigt. Die Rauschenberger CDU greift in einem Flugblatt im Zusammenhang mit der von der Schließung bedrohten Brachter Grundschule Michael Vaupel scharf an. Dort heißt es: „Nicht hilfreich für den Erhalt der Grundschule Bracht ist dazu die Aussage von Michael Vaupel ( . . . ) vom 5. 10. 2012, ,aus pädagogischen Gründen müsste die Grundschule in Bracht geschlossen werden.‘“ Außerdem wird in dem Text Vaupel als „Stichwortgeber“ für die Schließung der Grundschule Bracht bezeichnet. Vaupel habe die Schulschließung nur aus politischer Sicht abgelehnt.

In einem weiteren Flugblatt der CDU zum Dauerstreit Kratz‘sche Scheune heißt es, dass es nur einen Bürgermeister geben könne, der das Gemeinschaftshaus-Projekt für die Kernstadt fristgerecht bis zum 15. September 2013 zum Abschluss bringen könne: Michael Emmerich.

Michael Vaupel wertete diese Aussage als Unterstellung, er werde als Bürgermeister rechtswidrig seinen Amtspflichten nicht nachkommen. Unter Bezug auf das Flugblatt schreibt er auf seiner Homepage: „Darin wird angedeutet, ich hätte als Bürgermeister kein Interesse an der zügigen Fertigstellung der Kratz‘schen Scheune, womit der Zuschuss des Landes gefährdet wäre. (. . .) Diese Behauptung ist schlichtweg eine Unverschämtheit!“

Internet

Die vollständige OP-Berichterstattung zur Wahl finden Sie im Rauschenberg-Special. Die Seiten der Kandidaten: www.michael-emmerich.de ; www.rauschenberg-bewegen.de 

von Matthias Mayer

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