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Ostkreis Es kommt auf Feinheiten an
Landkreis Ostkreis Es kommt auf Feinheiten an
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06:16 13.04.2012
Katharina Weber organisiert die Berger-Platt-AG, die am Samstag erstmals stattfindet. Ob ihr Bruder Linus mit von der Partie ist, hat er noch nicht entschieden – und das, obwohl auch er des Amöneburger Dialektes nicht mächtig ist. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

Katharina Weber hat ein kleines Problem: „Ich verstehe Amöneburger Platt zwar, aber es zu sprechen, traue ich mich nicht.“ Und das, obwohl sie gebürtige Bergerin ist. Doch damit steht sie nicht alleine da: „Einige Kinder können Platt, wollen es aber nicht sprechen, weil sie dann abgestempelt und gehänselt werden. Die meisten Kinder können es aber ohnehin kaum noch.“ Ein anderes Beispiel ist ihre Familie: Während ihr Vater und dessen jüngste Schwester des Dialektes nicht mächtig sind, hatten ihn die älteren Geschwister noch gelernt. Doch dann mieden ihre Großeltern das Berger Platt.

Und dafür hat Weber auch schon Gründe gefunden: „Oft werden Menschen, die Platt sprechen, für dumm gehalten - doch das stimmt nicht. Die ortstypische Färbung der Sprache ist doch eigentlich etwas tolles.“

Daher strebt die 30-Jährige nun an, das Amöneburger Platt wieder salonfähig zu machen - oder es zumindest wieder in das Bewusstsein der Menschen zurückzuholen: Am Samstag um 14.30 Uhr bietet sie daher unter der Federführung des Heimat- und Verkehrsvereins in Greibs Saal im Hotel-Restaurant Weber eine Platt-AG an - Ziel ist es, mindestens alle zwei Wochen, am liebsten aber wöchentlich das Treffen zu veranstalten.

„Ich habe mich in meiner Familie und bei Freunden schon umgehört: Das Interesse ist groß, die Resonanz war zu 98 Prozent positiv.“ Beigefreite, Kinder aller Altersgruppen und auch andere gebürtige Berger hätten Interesse daran bekundet, „ihren“ Dialekt zu lernen - und sei es nur, um Alteingesessene besser verstehen zu können.

Als „Lehrer“ hat Weber in Edgar Lotz und Gisela Nebel bereits zwei gebürtige Amöneburger gewinnen können. Um für möglichst viel Abwechslung zu sorgen, sollen jedoch immer wieder andere Bürger ihre Platt-Kenntnisse vermitteln. Dies müssen natürlich Berger sein - schließlich wirkt der Unterschied zwischen Berger und zum Beispiel Mardorfer Platt auf den Unwissenden nur minimal, doch tatsächlich sind es die Feinheiten, auf die es von Dorf zu Dorf ankommt.

von Florian Lerchbacher