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Es ist noch Nahwärme da

Genossenschaft Es ist noch Nahwärme da

Der Countdown auf dem Weg zum Bioenergiedorf läuft: Zu Beginn der nächsten Heizperiode will die Nahwärmegenossenschaft Schwabendorf biologisch erzeugte Nahwärme verkaufen.

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Die Vorstände Helmut Schmid und Eva Hawig sind zufrieden mit der Entwicklung der Nahwärme-Genossenschaft Schwabendorf, vor deren Wärmequelle Karsten Müller steht. Für Laien kaum vorstellbar: Die Abwärme der beiden mit Biogas angetriebenen Lkw-Motoren, di

Schwabendorf. Diese Zielvorgabe formulierten die Genossenschafts-Vorstände Eva Hawig und Helmut Schmid im Gespräch mit dieser Zeitung. Bleiben die Schwabendorfer im Plan, sind sie im Herbst nach Oberrosphe und Josbach das dritte Bioenergiedorf im Landkreis. „Das sollte gut zu schaffen sein“, verbreitete Barbara Illmer vom Planungsbüro GUT-Energie Zuversicht. Die Kasseler Diplom-Ingenieurin betreut gemeinsam mit ihrem Einbecker Geschäftspartner, dem Physiker Gunter Brandt, das gesamte Projekt.

Die Ausschreibung ist abgeschlossen, die Aufträge sind vergeben. Noch im April soll mit den Arbeiten begonnen werden. Das bisherige Auftragsvolumen: 950000 Euro. „Darin enthalten sind die Zuleitung von der Biogasanlage ins Dorf, das komplette Nahwärmenetz, die Zuleitungen zu den Häusern und alle Übergabestationen in den Häusern“, erklärte Eva Hawig. Das ist - gemessen an der Größe des Schwabendorfer Nahwärmenetzes, das sich nicht allein auf den dicht bebauten Ortskern beschränkt, ein sehr günstiger Preis, auch wenn noch Kosten für den Spitzenlastkessel, den Wärmepufferspeicher und für Steuerungstechnik hinzukommt. Barbara Illmer begründete diesen mit dem Zeitpunkt der Auftragsvergabe: „So früh im Jahr bewegen sich die Baupreise noch auf einem relativ günstigem Niveau.

4 Nachzügler, 72 Genossenschaftsmitglieder

Eva Hawig ist froh, dass das Ergebnis der Ausschreibung der Genossenschaft ein gewisses finanzielles Polster geschaffen hat. Wer so viele alte Straßen aufreißen müsse, habe auch mit unangenehmen Überraschungen zu rechnen, die am Ende viel Geld kosten könnten sagte sie.

Positiv auf die ökonomische Situation der Genossenschaft wirkt sich auch die Nahwärme-Begeisterung der Schwabendorfer aus. Das jetzt in der Realisierungsphase befindliche Projekt war für 68 Genossenschaftsmitglieder kalkuliert. Inzwischen ist deren Zahl durch Nachzügler auf 72 gestiegen. „Wir haben noch Kapazitäten frei. Die Leistung der Biogasanlage reicht noch für einige weitere Häuser“, erklärte Eva Hawig.

Warum bindet man sich als Ehrenämtler die Führung einer Genossenschaft ans Bein, die mit Investitionssumme und Umsatzvolumen einem mittelständischen Unternehmen sehr nahe kommt. Helmut Schmid findet eine überraschend einfache Antwort: „Wir tun es für uns, nicht für andere.“ Die Stadtwerke Marburg oder E.on Mitte hätten die Anlage sofort gebaut und betrieben. Aber dann wäre diese nicht das Werk und Eigentum von Schwabendorfer Familien, sondern von Konzernen geworden, erläuterte Helmut Schmid. Hilfreich dabei sind - so Schmid und Hawig übereinstimmend - das gute Klima in Vorstand und Aufsichttsrat und die Verteilung der Aufgaben auf mehrere Schultern. So gebe es für jeden Vorstand viel zu tun, ohne das Einzelne überlastet würden.

Gab es große Probleme auf dem Weg zur Genossenschaftsgründung? „Überhaupt nicht. Die Nahwärme war von Anfang an von fast allen im Dorf gewollt. Es gab keinen Gegenwind. Im Gegenteil, die Stadt hat uns sehr unterstützt“, erklärte die Genossenschaftsvorsitzende, die selbst dem Desaster der zweiten Informationsveranstaltung, als ein Ingenieur zum Teil mit falschen Zahlen hantierte und das Projekt auf eine wirtschaftlich uninteressante Ebene rechnete, noch etwas Gutes abgewann: „Der Tag hat das Projekt nicht gefährdet, sondern auf eine realistischere Basis gestellt.“

von Matthias Mayer

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