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Ostkreis Erst lustig, dann belastend
Landkreis Ostkreis Erst lustig, dann belastend
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06:17 07.05.2012
Emine und Burahn kümmerten sich vier Tage lang um die Baby-Puppe, der sie den Namen Pelin gaben. Quelle: Klaus Böttcher
Neustadt

„Am Anfang war es gut, dann hat es genervt, denn man konnte kaum schlafen“, fasst Burahn seine Erkenntnisse als „Vater“ zusammen. Emine, mit der er die Baby-Puppe mit dem Namen Pelin betreute, bestätigt: „Pelin hat nachmittags geschlafen, aber nachts viel geweint.“

„Es war ein interessantes Projekt“, ergänzt Emine, während Burahn unter den wachsamen Augen seiner Mitschüler der Puppe die Windeln wechselt.

Lena und Dilara haben ihr „Baby auf Zeit“ Petra genannt. „Es gab keine Probleme: wenn Petra geweint hat, hielt man die Flasche dran. Wenn das nicht der Grund war, warum das Baby weinte, war es die Windel“, erklärt Dilara. „Die ersten beiden Tage hat es Spaß gemacht, aber dann nicht mehr“, erzählt Lena.

So wie ihr ging es den meisten ihrer Mitschüler. Man sei nach der schlafraubenden Belastung fertig, möchte nach Hause und schlafen, lautete ein Fazit.

Lehrerin Anette Menniger fand in dem Marburger Sozialdienst katholischer Frauen eine Organisation, die das Projekt in die Schulen bringt. Zu den Aufgaben der Organisation gehört zudem die Schwangerenberatung. „Eltern sein kann jeder, aber es ist nicht so einfach“, erklärt Ulrike Thomas, die das Projekt schon einige Jahre anbietet. Einige seien froh, wenn sie die Puppe wieder abgeben können, anderen kämen die Tränen. In den Puppen stecken kleine Computer mit etlichen Sensoren, um eine lebensnahe Erfahrung zu ermöglichen und den Jugendlichen das Leben mit Kindern näherzubringen.

„Das Schöne an dem Projekt ist das Rahmenprogramm“, schwärmt Menniger: Die Schüler behandelten viele Themen, zum Beispiel Alkohol während der Schwangerschaft. Dazu hatte das Team des Sozialdienstes der katholischen Frauen eine spezielle Puppe mitgebracht - ein Baby mit Alkoholsyndrom. Dieses ist viel leichter und sieht anders aus, es hat beispielsweise eine ganz andere Kopfform.

Anhand einer Puppe mit Glaskopf sahen die Jugendlichen was passiert, wenn ein Baby geschüttelt wird.

Zum Abschluss gab es Komplimente von Ulrike Thomas: Sie lobte die Martin-von-Tours-Schule, da die „Babys“ während des Unterrichts nicht in eine Betreuung gegeben werden, sondern immer dabei seien. Noch dazu stünden Schulleiter und Lehrer hinter dem Projekt.

von Klaus Böttcher