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Ostkreis Erst die Angst, dann die Erleichterung
Landkreis Ostkreis Erst die Angst, dann die Erleichterung
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15:28 12.03.2012
Kirchhain

Kirchhain. Kurz vor 9 Uhr sitzt Jochim Filmers erster "Kunde" neben seiner Begleiterin auf der Wartebank. Die Angst steht dem Jungen ins Gesicht geschrieben. Nervös fummelt er an seinen Ladungspapieren herum. Sein Blick geht ins Leere, während der etwa gleichaltrige Zeuge weitab Platz nimmt. Dann der Aufruf: Der junge Angeklagte verschwindet im Saal.

Seine Nachfolgerin ist schon zur Stelle. Auch ihr ist anzusehen, wie sehr die Ausnahmesituation junge Menschen stresst, als Angeklagte vor Gericht zu stehen. Ihr Gesicht trägt die Spuren einer unruhigen Nacht. Derweil geht die erste Verhandlung im Saal in die Verlängerung. Mit jeder Minute verkrampfen sich die gefalteten Hände der Begleiterin mehr. Sollte sie für den Angeklagten gebetet haben, wurde ihr Bitten erhört. Freudestrahlend verlässt der Junge wenig später den Saal. Es ist gut für ihn ausgegangen.

Nun ist die junge Frau an der Reihe, die sich, weil zur Tatzeit schon 18, in öffentlicher Sitzung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verantworten muss. Die Gymnasiastin hatte im Herbst beim Rangieren mit ihrem Auto in Kirchhain einen Lattenzaun beschädigt und dies nicht gemeldet.

"Scheiße, jetzt ist der Führerschein weg"

"Ich stehe dazu, ich habe den Fehler gemacht", sagt sie und berichtet, dass sie als Fahranfängerin wenige Tage zuvor einen Blechschaden verursacht habe. "Scheiße, jetzt ist der Führerschein weg", habe sie nach dem Kirchhainer Zwischenfall gedacht und sei in Panik weggefahren. Den Zaun habe sie später mit ihrem Vaters repariert.

"Sie hätten die Sache noch am nächsten Tag durch ein Vorsprechen bei dem Grundstückseigentümer bereinigen können. Für solche Sachen sind Versicherungen da", hält Filmer der nicht vorbestraften Schülerin vor. Zu ihren Gunsten wertet er den aktiven Beitrag zur Schadenswiedergutmachung und regt deshalb eine vorläufige Einstellung des Verfahrens an. Auflage: Bis zum 30. Juni muss die Angeklagte an einem Verkehrsseminar der Jugendgerichtshilfe teilnehmen. Die Anklage stimmt zu, und der Angeklagten entfährt mit großer Erleichterung ein "Danke".

von Matthias Mayer