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Ostkreis Ermittler finden DNA-Spuren an Schule
Landkreis Ostkreis Ermittler finden DNA-Spuren an Schule
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16:44 24.04.2017
Die Feuerwehrleute aus Stadtallendorf mussten in den vergangenen Monaten häufig ausrücken. Quelle: Michael Hoffsteter
Stadtallendorf

Ein erster Anflug der Erleichterung ist sowohl Stadtallendorfs Stadtbrandinspektor Ulrich Weber als auch Bürgermeister Christian Somogyi deutlich anzumerken. „Das hört sich doch schon einmal gut an“, freute sich Weber über die gute Nachricht von der Polizei, dass diese einen 18-jährigen mutmaßlichen Zündler geschnappt habe. Dieser ist dringend tatverdächtig, für die Brände an der Georg-Büchner-Schule in der Nacht auf den 10. März verantwortlich zu sein.

Damals hatte es insgesamt sieben Brände in und rund um die Innenstadt gegeben. Zwei davon an der Schule: „Eine hier gesicherte und ausgewertete DNA-Spur sowie die bis dahin geführten Ermittlungen führten auf die Spur des Festgenommenen, der bereits in der Vergangenheit unter anderem wegen Sachbeschädigung in Erscheinung getreten war“, teilen Nicolai Wolf, Staatsanwalt und Pressesprecher, sowie Martin Ahlich, Pressesprecher der Polizei, mit.

Seit Juli 2016 gab es im Stadtgebiet 35 Brände, die zur vermeintlichen Brandstiftungsserie gehören. Vornehmlich standen Mülltonnen, Pflanzenabfälle oder auch Hecken in Flammen und es kam lediglich zu Sachschäden. Einige Male wurden aber auch Gebäude in Mitleidenschaft gezogen: Vor anderthalb Wochen war es die Tennishalle, einmal war aber auch ein Wohnhaus betroffen. In diesem Fall hatte die Feuerwehr 15 Menschen aus einem Gebäude evakuieren müssen. Ein Opfer erlitt eine Rauchgasvergiftung. So ist inzwischen ein Schaden von mehr als 100000 Euro entstanden. Auf rund 10000 Euro beziffert Ahlich die Brände an der Schule.

Die Polizei schnappte den mutmaßlichen Täter im Heinz-Lang-Park. Sie habe nach ihm gefahndet und ihn dort angetroffen, erläutert Wolf den ungewöhnlich anmutenden Ort der Verhaftung. Das Amtsgericht Marburg erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den polizeibekannten Beschuldigten. Nach seiner Festnahme und der Vorführung vor dem Haftrichter befindet sich der Mann jetzt in einer Justizvollzugsanstalt - und macht, wie Ahlich auf Nachfrage dieser Zeitung sagt, von seinem Recht zu schweigen Gebrauch.

Einzeltäter? "Kann ich mir nicht vorstellen"

Nach der Festnahme durchsuchten Beamte noch die Heimat des Stadtallendorfers und stellten vermeintliche Beweismittel sicher. Ob der Mann für die weiteren Fälle der Brandserie verantwortlich ist, sei noch Gegenstand der andauernden Ermittlungen, so Wolf. „Wir bemühen uns, möglichst schnell Klarheit zu bekommen“, kommentiert der Staatsanwalt.

„Wir sind froh über einen wichtigen Schritt bei der Aufklärung“, freut sich Somogyi, lobt die „gute und qualifizierte Arbeit“ der Ermittler und betont: „Klar, manchmal wirkt es auf den Außenstehenden, als würde es sehr lange dauern - aber das ist eben Sorgfalt.“ Er hoffe, dass man die Brandserie nun in den Griff bekommen werde - oder gar aufhöre: „Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es sich hier um einen Einzeltäter handelt.“ Dafür habe es schlicht an zu vielen Stellen gebrannt. Aus diesem Grund werde die Stadt die 1000 Euro Belohnung, die sie für sachdienliche Hinweise ausgelobt hat, aufrechterhalten. Sollte die Brandserie nun aber zu einem Ende gekommen sein, wäre er glücklich.

„Wenn der Mann eingerückt ist und für die Serie verantwortlich ist, müsste die Brandserie ja nun wie mit dem Messer abgeschnitten sein“, sagt Weber und ergänzt: „Es sei denn, es waren unterschiedliche Täter oder es gibt Trittbrettfahrer. Schauen wir mal, ob wir die Nächte wieder durchschlafen können.“ Die vergangenen Monate seien zwar ärgerlich, aufregend und anstrengend gewesen - im Vorfeld von Wochenenden habe er bei den Kameraden der freiwilligen Feuerwehren aber nie Angst vor weiteren Brandstiftungen gespürt: „Wenn eine Alarmierung erfolgt, gibt es Respekt, aber keine Angst.“ Zum Glück sei bei den zahlreichen Feuern nie eine Person ernsthaft verletzt worden - das hätte die Lage durchaus negativ verändern können.

Die Polizei nimmt weiterhin Hinweise entgegen unter Telefon 06421/4060.

von Florian Lerchbacher