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Energiewunder aus Ungarn

"Zaubergras" könnte Mais ersetzen Energiewunder aus Ungarn

Ein ungarisches Gras wächst auf einer fünf Hektar großen Fläche bei Erksdorf. Für den Betrieb von Biogasanlagen könnte das Szarvasigras eine Alternative zum Mais werden.

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Eine fünf Hektar große Szarvasigras-Feld bei Erksdorf wurde vor wenigen Tagen erstmals gemäht. Foto: Michael Rinde

Erksdorf. Auch der Wasser- und Bodenverband Marburger Land (WBV) ist auf der Suche nach Pflanzenarten, die sich als „Ersatzfutter“ für Biogasanlagen eigenen - und die zumindest eine Ergänzung zum Mais sein können. Die Versuche erfolgen als Teil der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Der Verband hat den Auftrag dazu vom Regierungspräsidium Gießen Im Augenblick ist das Szarvasigras aus Sicht von Susanne Fischer vom WBV vielversprechend.

Dieses Gras ist eine reine Energiepflanze. Als Viehfutter ist es kaum geeignet. Dafür ist es zu hart. „In Ungarn wird gelegentlich der zweite oder dritte Schnitt als Futter verwendet“, sagt Fischer.

Der Wasser- und Bodenverband Marburger Land testet die Qualitäten des Szarvasigrases. Bei einem Feldtag wurde das Gras erstmals seit der Aussaat im vergangenen Jahr gemäht. Landwirte, die selbst Biogasanlagen im Landkreis betreiben, schauen sich diesen ersten Schnitt genau an.

Schon jetzt ist klar, dass sich das Säen des Grases für einen Landwirt durchaus rechnen kann. Einmal ausgesät hält sich das Szarvasigras 10 bis 20 Jahr. Es ist ausgesprochen frostsicher und gedeiht auch auf Böden von geringer Qualität. Damit eignet sich das Gras auch für Äcker in Problemlagen.

Nach dem Schnitt muss das Gras siliert werden. In Biogasanlagen kommt es dann als Substrat zum Einsatz. Das passiert im nächsten Schritt auch mit dem bei Erksdorf geernteten Gras.

Aus bisherigen Versuchen ist aber bekannt, dass das Gras einen höheren Methangehalt erreicht als Mais als klassische Energiepflanze. Damit lohnt sich der Einsatz auch für die Betreiber der Biogasanlagen. Aktuell gibt es im Landkreis Marburg-Biedenkopf zwölf solcher Anlagen. Vier größere sind in Planung oder bereits im Bau.

Ungarisches Grasgünstiger als Maiseinsatz

Nach Einschätzung und ersten Erfahrungswerten des WBV lohnt sich der Einsatz auch für Landwirte. Denn: Beim Szarvasigras liegen die Kosten für Saatgut und Aussaat bei 400 Euro je Hektar. Bei anderen Alternativpflanzen wie der Virginiamalve liegen sie zwischen 3500 bis 5000 Euro je Hektar. Mehraufwand haben Landwirte dagegen durch den mehrfachen Schnitt im Jahr und den Einsatz besonders geeigneter Maschinen. Andere Versuche nach geeigneten Energiepflanzen waren beim WBV nicht so erfolgreich. So testeten die Fachleute unter anderem auch Sorghumhirse oder Sonnenblumen. Teilweise hätten die Erträge bis zu 30 Prozent unter der von Mais gelegen, erläutert Fischer.

Bei den Landwirten, die den ersten Schnitt verfolgten und sich informierten, ist offenbar ein sehr guter Eindruck der ungarischen Pflanze entstanden. „Es gibt einige, die jetzt einen Probeanbau auf größeren Flächen vornehmen wollen“, freut sich Susanne Fischer.

Szarvasigras hat noch einen weiteren Vorteil: Es wurzelt anders als der Mais ausgesprochen tief. Damit bietet es einen erheblich besseren Schutz vor der Bodenerosion. Welche Folgen Bodenerosionen haben können, haben vor allem die Neustädter Bürger bei mehreren Unwettern zu spüren bekommen.

Auch beim Landkreis, wo ein Kompetenzteam Erneuerbare Energien angesiedelt ist, werden die Versuche mit Szarvasigras aufmerksam verfolgt. Aktuell gibt es zwar noch keine Gefahr von Mais-Monokulturen im Kreisgebiet. Auch Hessen insgesamt ist davon noch weit entfernt. „Doch die Alternativensuche muss beginnen, bevor eine Gefahr entsteht“, betont Stephan Schienbein, Sprecher der Kreisverwaltung. Das Szarvasigras scheine eine erfolgversprechende Alternative zu sein.

von Michael Rinde

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