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Schließung der Hessen-Kaserne verschoben

Kehrtwende des Ministeriums Schließung der Hessen-Kaserne verschoben

Vor gut einem Jahr gab es zur Zukunft der Hessen-Kaserne klare Aussagen aus Berlin. Angesichts der veränderten Sicherheitslage könnte es nun aber doch Bedarf für die Liegenschaft geben.

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Die Bundeswehr bleibt auf alle Fälle noch bis Ende nächsten Jahres in der Hessen-Kaserne in Stadtallendorf.

Quelle: Michael Rinde (Archiv)

Stadtallendorf. Eigentlich hätte die endgültige Schließung der Hessen-Kaserne unmittelbar bevorgestanden. Anfang Juli sollte es so weit sein. Doch nun kommt es anders. Bis Ende nächsten Jahres dauert der Kasernenbetrieb formal weiter an. Seit Jahren nutzt die Bundeswehr allerdings nur noch wenige Gebäude der Liegenschaft, die Wache am Kasernentor ist nicht mehr besetzt.

Aktuell sind es vier Gebäude, darunter drei Unterkünfte, die noch von Soldaten genutzt werden. Mehrere komplett sanierte frühere Häuser der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge stehen leer. Sie stehen wieder unter der Verwaltung der Bundeswehr. Für die Sanierung dieser Häuser hatten Land und Bund gemeinsam Millionen investiert. Aus Zeitgründen wurde seinerzeit allerdings auf eine Kanalerneuerung verzichtet, die noch nachgeholt werden müsste.

Die Hessen-Kaserne hat in Berlin gleich zwei politische Fürsprecher, den heimischen Bundestagsabgeordneten Sören Bartol und Thomas Hitschler (beide SPD), Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Truppenstärke erhöht sich

Wie kam es zu dem Umdenken? Noch im April vergangenen Jahres hatte sich das Verteidigungsministerium festgelegt und erklärt, dass ein Weiterbetrieb der Hessen-Kaserne wohl nicht mehr wirtschaftlich sei. Inzwischen hat sich die sicherheitspolitische Lage weiter verändert, zugleich steht die Bundeswehr vor einer abermaligen Neuausrichtung mit größerem Gewicht auf der Landes- und Bündnisverteidigung. Die Truppenstärke erhöht sich auf 196 000 Soldaten.

Der Bedarf nach Liegenschaften steigt. „Die sicherheitspolitische Lage hat sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Deshalb bekommt die Bundeswehr zusätzliches Personal, wodurch auch der Bedarf an Unterkünften und Ausbildungsplätzen steigt. Die Kasernenschließungspläne werden folgerichtig erneut auf den Prüfstand gestellt“, erklärte gestern Thomas Hitschler im Gespräch mit der OP.

Abgeordnete werben bei Ministerin von der Leyen

In einem weiteren Schritt wollen sich die beiden Abgeordneten Bartol und Hitschler in einem Brief an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) noch einmal nachhaltig für den Erhalt der Hessen-Kaserne einsetzen. Verteidigungsministerin von der Leyen hat Stadtallendorf sicherlich in guter Erinnerung. Bei ihrem Besuch im August vergangenen Jahres hatte sie die Stadt als „Vorzeigestandort“ gewürdigt.

Bei der Division Schnelle Kräfte steht offenbar die Freude darüber im Vordergrund, dass bis auf Weiteres genügend Unterkünfte am Standort erhalten bleiben.
„Die Soldaten haben die Nachricht hocherfreut aufgenommen“, kommentiert Major Ernst Andersch, Pressesprecher der Division, die Nachrichten aus Berlin. Nach wie vor sei der Bedarf an Unterkünften am Standort groß, auch angesichts anhaltender Bauarbeiten in der Herrenwaldkaserne.

Zur weiteren Zukunft der Hessen-Kaserne will sich die Division nicht äußern. In der Vergangenheit hatten die unterschiedlichen Divisionskommandeure
jedoch immer wieder signalisiert, dass sie den Erhalt der Hessen-Kaserne oder zumindest von Teilen davon begrüßten.

Auch Stadt unterstützt Erhalt der Kaserne

Am Montagabend war die Mitteilung aus Berlin auch Thema im Stadtallendorfer Magistrat, wie Bürgermeister Christian Somogyi berichtet. Die Stadt muss sich auf absehbare Zeit zumindest keine weiteren Gedanken über die Nutzung der Kasernenflächen machen. „Hier kann eine neue Perspektive entstehen, die letztlich auch zu weiteren Investitionen am Standort Stadtallendorf und in der Region führen wird“, so Somogyi.

Wann und wie die neuerliche „Abgabeprüfung“ erfolgen wird, ist zurzeit noch nicht bekannt. Unklar ist auch, für welche möglichen Verbände die Hessen-Kaserne wieder nutzbar gemacht werden könnte und in welchem Zeitraum.

Die Abgeordneten Hitschler und Bartol sind jedenfalls zuversichtlich. „Stadtallendorf ist der entwicklungsfähigste Standort im Umkreis von 200 Kilometern. Stadt, Wirtschaft und große Teile der Bevölkerung unterstützen den Erhalt der Hessen-Kaserne“, schreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung.

Hessen-Kaserne
Die Hessen-Kaserne ist rund 300 000 Quadratmeter groß und liegt am Ende der Artilleriestraße. Seit 2003, nach der Auflösung des Panzerbataillons 143, ist die Kaserne nur noch von kleineren Einheiten genutzt worden, zuletzt etwa von der ZAW-Betreuungsstelle. Bis vor wenigen Wochen war dort auch noch die zahnärztliche Station am Standort untergebracht.

von Michael Rinde

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