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Ende April soll Unterkunft geräumt sein

Erstaufnahme Stadtallendorf Ende April soll Unterkunft geräumt sein

Ganze neun Monate lang war die „Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung“ in Stadtallendorf im Jahr 2016 in Betrieb. Jetzt wird sie ausgeräumt.

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Das Tor zur früheren Flüchtlingsunterbringung in der Hessen-Kaserne bleibt auf Dauer zu.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Etwa neun Monate lang waren die Häuser der Erstaufnahmeeinrichtung Stadtallendorf belegt, nur in den ersten Monaten allerdings ausgelastet. Im September 2016 schloss das Land die Einrichtung als Teil der Hessen-Kaserne. Ein knappes Jahr vorher hatte der Bund geholfen, als das Land händeringend ­eine Unterkunft für die in Zelten neben dem Bundeswehrsportplatz lebenden Flüchtlinge gesucht hatte.
Vor wenigen Monaten kündigte das Land an, dass sie die in Reserve gehaltene Stadtallendorfer Erstaufnahmeeinrichtung endgültig schließt, analog zu der in Marburg einige Monate zuvor.

Land entstehen keinerlei Mehrkosten

Und jetzt ist auch klar, wann genau das passieren wird. Zum 30. April sei der Vertrag nunmehr gekündigt, erklärte der Sprecher des Landesbetriebs Bauen in Hessen Alexander Hoffmann auf eine Anfrage dieser Zeitung an das Hessische Finanzministerium. Das war zuletzt für diese Liegenschaft mit zuständig. Der Mietvertrag zwischen dem Bund als Eigentümer der Hessen-Kaserne und dem Land läuft eigentlich noch bis Ende dieses Jahres. Da der Bund dem Land seine Gebäude jedoch mietfrei überlassen hat, spielt Geld bei dieser Mietvertragskündigung keine Rolle. Das erklärt auch Sprecher Alexander Hoffmann. Dem Land entstehen keinerlei Mehrkosten durch die Aufgabe.

Die Entwicklung der Erstaufnahme in Stadtallendorf spiegelt den Ablauf der Flüchtlingskrise wider: Waren es am Anfang noch 500 Flüchtlinge, die zum Jahreswechsel 2016 aus Zelten in die festen Unterkünfte zogen, so waren es am Ende gerade einmal 69, die Stadtallendorf verlassen mussten. Ursprünglich hatte das Land 1 200 Plätze insgesamt in Stadtallendorfer Bundeswehrgebäuden geplant. Es blieb aber bei einer Maximalkapazität von knapp 600. Wer zur früheren Wache der Hessen-Kaserne fährt, sieht nach wie vor die besondere Situation, die dort einst bestand: Ein Zaun trennte Erstaufnahme von Bundeswehr-Liegenschaft. Es gab separate Zufahrten.  

Inventar geht auch an Hilfswerk

Vier Gebäude nutzt die Bundeswehr in der Hessen-Kaserne derzeit noch, darunter drei Unterkünfte. Jetzt kommen vier Gebäude der bisherigen Erstaufnahmeeinrichtung hinzu.
Wie viel das Land seinerzeit in die blitzartige Sanierung und Modernisierung der ehemaligen Kasernengebäude investierte, ist auch auf Nachfrage nie mitgeteilt worden. Klar ist: Es waren Millionenbeträge. Die Unterkunftsgebäude der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung hatten dabei allerdings bis zum Schluss ein Manko.

Aus Zeitgründen hatte das Land auf die Sanierung der Sanitäranlagen verzichten müssen. Stattdessen standen ­Dusch- und Toilettencontainer vor den Gebäuden. Das Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung ist nach wie vor bewacht. Ebenso wie der von der Bundeswehr genutzte Teil der Hessen-Kaserne. Was aus den weitgehend sanierten Gebäuden werden wird, ist ungeklärt.

Ab dem 1. Mai hat Bundeswehr wieder Schlüsselgewalt

Bisher gilt nach wie vor die Ankündigung des Bundesverteidigungsministeriums, dass sich der Bund von der Hessen-Kaserne im Laufe des Jahres endgültig trennen will. Die Division Schnelle Kräfte, beheimatet in der Herrenwaldkaserne, hat allerdings in der Vergangenheit nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie durchaus Interesse an einer teilweisen Nutzung der Hessen-Kaserne hätte.
Dem Regierungspräsidium in Gießen fällt nun die Aufgabe zu, in den nächsten Wochen die frühere Erstaufnahmeeinrichtung komplett leerzuräumen.

Es geht vor allem um Tische, Stühle und Feldbetten, wie das Regierungspräsidium erläutert. Ein Teil wird in den weiter existierenden Erstaufnahmeeinrichtungen genutzt. Was nicht gebraucht wird, so erläutert die Gießener Behörde, wird über die Vebeg, ein bundeseigenes Auktionshaus, versteigert.  

Zudem bekommen gemeinnützige Organisationen die Möglichkeit, ausgesondertes Mobiliar zu erhalten. „Im konkreten Fall von Stadtallendorf geht ein Teil der Ausstattung an das Christliche Hilfswerk 'Wort und Tat' ", erläutert André Rieb vom Regierungspräsidium.

Ab 1. Mai hat dort wieder allein die Bundeswehr die Schlüsselgewalt. Zumindest bis zur endgültigen Aufgabe der Kasernenanlage.

von Michael Rinde

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