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Emsdorfer sind von Wirkung überzeugt

Reflektoren an Leitpfosten Emsdorfer sind von Wirkung überzeugt

Blaue Wildwarnreflektoren haben im Bereich Emsdorf für eine Senkung der Wildunfälle gesorgt. Die Jagdgenossen hatten sie mit ­eigenen Mitteln finanziert.

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Die blauen Wildwarnreflektoren haben im Bereich Emsdorf für einen Rückgang der Wildunfälle gesorgt. Ein 130 Kilogramm schwerer Keiler lief in der Gemarkung Kirchhain über die Straße, wo er von einem Auto erfasst wurde. Dort gibt es keine Wildwarnreflektoren.

Quelle: Katja Peters

Emsdorf. Die Emsdorfer Jagdgenossen um Gregor Pfeiffer ziehen ein positives Fazit. Vor drei Jahren haben sie die sogenannten Wildwarnreflektoren auf eigene Kosten besorgt. „Wir hatten in einem Fachmagazin davon gelesen“, so Gregor Pfeiffer. 500 Euro haben die Jagdgenossen damals investiert. Durch Hessen Mobil haben sie diese dann in ihren Jagdgebieten an die Leitpfosten anbringen lassen. In Eigenregie durften sie das nicht. Hessen Mobil wird künftig aber keine Reflektoren mehr an Leitpfosten anbringen und diese auch nicht mehr genehmigen, heißt es aus der Pressestelle.

Statistik

Laut einer Statistik des Deutschen Jagdverbands (DJV) gab es in der Zeit vom 1. April 2016 bis zum 31. März 2017 knapp 228.500 Wildunfälle. Im Vergleich zum Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre bedeutet dies laut Studie eine Steigerung um fünf Prozent. Hauptverursacher ist das Reh (86 Prozent), gefolgt vom Wildschwein (12 Prozent). Diese Zahlen hat der DJV anlässlich der Fachtagung „Reflektoren wirken/nicht“ zur Wildunfallprävention am Donnerstag vorgestellt, die der Verband gemeinsam mit dem ADAC veranstaltet. „Wildtiere kennen keine Verkehrsregeln, sie müssen über Straßen wandern, etwa um zu fressen oder Partner zu finden“, sagte DJV-Präsidiumsmitglied Wolfgang Heins. „Der beste Schutz gegen Wildunfälle sind angepasste Geschwindigkeit und vorausschauendes Fahren“, erklärt Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr. Wer Tempo 80 statt 100 fährt, reduziere den Bremsweg um 25 Meter.

„Im ersten Jahr sind die Wildunfälle drastisch zurückgegangen“, resümiert Gregor Pfeiffer. Und auch in den darauffolgenden Jahren zeigten die Reflektoren ihre Wirkung. Nicht einmal zehn verunfallte Tiere verzeichneten die Jagdgenossen in 2017. „Das ist ein gute Quote“, so Jäger Matthias Schäfer. Er selbst hat die Wirkungsweise der blauen Reflektoren schon beobachten können. Auf dem Hochsitz wartend verfolgte er Rehe, die Richtung Verbindungsstraße nach Kirchhain rannten. Als ein Auto in dem Augenblick mit den Scheinwerfern die blauen Reflektoren anstrahlte, stoppten die Wildtiere und überquerten die Straße nicht. „Erstaunlich“, sagte der Emsdorfer.

Allerdings gibt es auch Bereiche, wo die Wirkweise sehr beeinträchtigt ist. „Ein bestimmter Winkel ist wichtig, damit das Licht auch richtig gebrochen wird“, erklärt Gregor Pfeiffer. Der ist aber nicht immer gegeben, da die Leitpfosten demoliert werden, verdreckt sind oder sogar kaputtgefahren werden. Landwirtschaftliche Maschinen und auch die großen Zugmaschinen, die seit Monaten durch das Dorf fahren, machen die Jagdgenossen dafür verantwortlich. Sie sorgen dafür, dass die Banketten ausgefahren sind, die den Pfosten Halt geben, dass der Gegenverkehr oft ausweichen muss und dann so ein Leitpfosten eben mal im Weg steht.

Grund ist die für den Lastverkehr wieder geöffnete Kreisstraße 12 nach Burgholz. Etwa 300 Zugmaschinen fahren seitdem nicht mehr über Kirchhain und die Umgehungsstraße nach Stadtallendorf, sondern kürzen über Burgholz und Emsdorf ab. „Das ist schon sehr zu merken“, so Matthias Schäfer, der nicht allein über die Landkreisentscheidung verärgert ist.

Hetzende Hunde scheuchen Wild immer wieder auf

Denn der Lärm ist nicht nur für die Anwohner anstrengend, sondern auch für die Wildtiere. Die werden zusätzlich noch von uneinsichtigen Hundehaltern gestört. „Wir können gar nicht mehr sagen, dass die Autofahrer sich vor allem in den Morgen- und Abendstunden auf Wildwechsel einstellen müssen“, so Gregor Pfeiffer, der gleich noch hinzufügt: „Die Tiere werden am helllichten Tag durch hetzende Hunde aufgescheucht und aus ihrer Ruhe gerissen.“

Auch das habe er schon mehrfach beobachtet. Aus Stadtallendorf kommen die Spaziergänger mit ihren Hunden angefahren, um in Emsdorfs Peripherie, vor allem bei den Windrädern, spazieren zu gehen. Die asphaltierten Wege, die angrenzenden Wälder und die Ruhe sind geradezu einladend. Aber genau deswegen halten sich dort eben auch Wildtiere auf.

Vor allem in den Feldholzinseln. Die angepflanzten Hecken sollen den Tieren Schutz bieten, sind Nistgebiete von Vögeln. „Wenn diese aber immer wieder durch Hunde oder Menschen gestört werden, dann verfehlen sie ihre Wirkung“, erklärt Gregor Pfeiffer, der bei soviel fehlender Rücksichtnahme nur den Kopf schütteln kann. „Und tagsüber wirken die Wildwarnreflektoren eben auch nicht“, betont er.

Dennoch sind er und die Jagdgenossen von diesem Hilfsmittel überzeugt. Fehlt irgendwo ein Reflektor sorgen sie für einen Ersatz. Für sie nach wie vor eine gute Investition.

von Katja Peters

Wirkung

Der bayerische Jagdverband gibt folgende Informationen zur Wirkung der Reflektoren:

  • Die beste Wirkung ist nachts bei Fernlicht.
  • Sie wirken kaum, wenn das Gelände neben der Straße abfällt oder ansteigt.
  • Sie wirken nur, wenn der Aufwuchs an den Pfosten kurz gehalten wird, sodass die Reflektoren nicht verdreckt sind.
  • Sie haben eine viel bessere Wirkung, wenn sie auf beiden Seiten angebracht werden.
  • Sie sollten durchgängig angebracht werden. Überall wo die Linie der Reflektoren unterbrochen wird, passieren mehr Unfälle.
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