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„Elf steht hoch“: Benjamin hat Schwein gehabt

Jubel und Trubel beim Kirchhainer Würfelspiel um ein halbes Borstenvieh „Elf steht hoch“: Benjamin hat Schwein gehabt

„Zwischen den Jahren“ befindet sich Kirchhain im Würfelfieber. Das lässt sich manchmal schon auf der Straße erkennen.

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Heinz Heinen trägt den Hauptpreis auf seinen Schultern in die Gaststube. Croupier Horst Schröder bahnt ihm den Weg durch die Menschenmenge. Gespannt verfolgen die Zuschauer die Entscheidung am Würfeltisch – unter ihnen auch der spätere Sieger Benjamin Strieße (Mitte)Fotos: Matthias Mayer

Kirchhain. Es muss schon einen besonderen Grund haben, wenn mehrere Gruppen meist junger Leute am Freitagabend gegen 21.30 Uhr zielstrebig das GasthausHessischer Hof anstreben, obwohl der Gastraum - das verrät ein Blick durch die Fenster - bereits brechend voll ist. Hier ist ein Würfelabend im vollen Gange - so steht es in Kreideschrift auf einer Tafel neben dem Eingang.

Im Gastraum herrscht ein freundschaftliches Gedränge und Geschiebe. Die Gäste arrangieren sich gelassen mit der akuten Stehplatz-Knappheit. Wer einen Blick auf den langen Würfeltisch an den Fenstern werfen möchte, muss den Hals schon ziemlich recken. Hier wird um Rote Wurst und um geräucherten Schinken gewürfelt, die in einem Korb bereitliegen. Aber mit letztem Einsatz ist die hier versammelte Runde im Ringen um einen möglichst hohen Pasch nicht mit der Sache. Alle warten gespannt auf den Höhepunkt des Abends: Das erste halbe Schwein der Saison 2013 soll ausgewürfelt werden.

Dann ist es so weit. Das Licht verlöscht und Gastwirt Heinz Heinen trägt das Objekt der allgemeinen Begierde in den Raum: eine festlich illuminierte, fast einen Zentner schwere Schweinehälfte.

Heinz Heinen, der auch Metzger, Hotelier und Caterer ist, nimmt, die Schweinehälfte noch immer auf den Schultern, auf einem Barhocker neben dem Würfelftisch Platz, thront über dem Geschehen, das Croupier Horst Schröder mit durchsetzungsstarker Stimme moderiert.

Der Croupier ruft nach und nach alle 20 Gäste an den Würfelbecher, die bei dieser ersten „Schweinerunde“ dabei sein können. Zweimal brandet Jubel am Tisch auf, zweimal fallen Pasch 6 und eine 2. Und diese 14 Augen stehen lange hoch. Bis der letzte Starter mit dem letzten Wurf ebenfalls Pasch 6 und eine 2 würfelt.

Damit kommt es zu einem Dreier-Stechen, an dessen Ende Horst Schröder verkündet: „Elf steht hoch“. Und im gleichen Moment reißt Benjamin Strieße beide Arme hoch: Der Langensteiner hat Schwein gehabt und ein halbes Schwein gewonnen.

Als im Gastraum mit lautem Jubel eine „18“ gefeiert wird, hat Heinz Heinen längst den nahrhaften Hauptpreis zur Abholung ins Kühlhaus gebracht. „Die Leute wollen alle unbedingt um die Sau würfeln“, erklärt er, warum er an den drei Würfelabenden jeweils zwei Schweinehälften aus Kleinseelheimer Produktion ausspielen lässt. Wer bei der ersten Runde dabei gewesen sei, müsse zugunsten anderer Interessenten in der zweiten Runde aussetzen, erklärt er das Verfahren.

Ob ihn der Trubel in dieser für seine Mitmenschen so ruhigen Zeit auf die Nerven geht? Der Wirt antwortet mit einem klaren Nein: „Für mich ist das ein positiver Spaß“, erklärt Heinz Heinen. Den wird er auch heute wieder beim Kirchhainer Neujahrsmarkt haben. Im Alten Schlachthaus und im Hessischen Hof spielen gleich drei Bands Live-Konzerte.

von Matthias Mayer

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