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Ostkreis Einkaufssituation bewegt viele Bürger
Landkreis Ostkreis Einkaufssituation bewegt viele Bürger
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06:16 06.04.2012
Das Interesse an der Diskussionsveranstaltung zur Einzelhandelssituation war groß. Der Platz im Gemeinschaftsraum Kirchhainer Weg reichte am Montagabend nicht aus. Foto: Alfons Wieber
Stadtallendorf

Mit der Schließung des Kostial-Marktes in der oberen Niederkleiner Straße hat sich die Situation des Stadtallendorfer Einzelhandels noch einmal verschlechtert. Am Montagabend besuchten mehr als 60 Stadtallendorfer, darunter viele Einzelhändler, eine Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen zu diesem Thema. Die Resonanz überraschte auch die Organisatoren.

Zu Beginn stellte Michael Feldpausch, Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen, die Grundzüge des Einzelhandelsgutachten (die OP berichtete mehrfach) vor. Darin wurde unter anderem festgestellt, dass große Teile der Stadtallendorfer Kaufkraft in die Nachbarstädte abwandert. Mit 0,26 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner liegt Stadtallendorf deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, der 0,41 Quadratmeter beträgt. Feldpausch wies auf Details hin: Viele der Neubauten in der Stadtmitte, besonders das Kaufhaus auf dem ehemaligen Kurzzeitparkplatz hätten die Erwartungen nicht in vollem Maße erfüllt.

Die Niederkleiner Straße, an deren Ende heute noch ein großes Schild mit der Straße als Einkaufsmeile der Stadt wirbt, habe in der Nahversorgung der Bevölkerung eine mittlerweile völlig untergeordnete Bedeutung. Allerdings wurden die Albert-Schweitzer-Straße oder das ehemalige Einkaufszentrum im Luchgraben sowie die Freifläche neben der Volksbank in dem Gutachten überhaupt nicht erwähnt.

Besucher bedauern die Kostial-Schließung

Derzeit stehen 35 Einzelhandelsobjekte, davon neun in der Innenstadt leer. Wie soll es nach der Schließung von Tegut und dem Kostial-Markt mit der Lebensmittelversorgung in der Stadtmitte und Randgebieten weitergehen? Viele Besucher äußerten Unmut über die ihrer Meinung nach verfehlte Innenstadtpolitik der Stadt und bedauerten die Schließung des Kostial-Marktes.

Sie erfolgte erst nach Fertigstellung des Gutachtens. Als Grund für die Schließung gab Jochen Kostial unter anderem die hohen Auflagen an, die man dem Betrieb gemacht habe. Bereits in 2001 habe er umbauen wollen, aber damals keine Genehmigung erhalten. Über eine zukünftige Nutzung der Fläche konnte oder wollte er noch nichts sagen.

Von vielen der Anwesenden wurde vor allem die Parkplatzsituation am neuen Einkaufszentrum und im oberen Bereich der Niederkleiner Straße bemängelt. Ilona Schaub, Stadtverordnete der CDU, verteidigte das Einkaufzentrum: Stadtallendorf habe damit den Vorteil eines Einkaufsbereichs in der Innenstadt, der zu Fuß erreicht werden könne. „Ein Auswandern in die Peripherie führt wie in Neustadt oder Kirchhain zu einer zunehmenden Verödung der Innenstädte“, stellte Schaub fest.

Lebensmittelmarkt in altem Baumarkt-Gebäude?

Peter Ullrich, Vorsitzender des Verkehrsvereins, regte eine Umwidmung des ehemaligen Herkules-Baumarkt-Geländes an, um dort einen Lebensmittelmarkt der gehobenen Kategorie mit einen Obst und Frischgemüseangebot, ähnlich wie im ehemaligen Kostial-Markt, anzusiedeln.

Peter Zein, Einzelhändler in der Fußgängerzone beschwor die Einigkeit der Einzelhändler. „Was wir brauchen ist ein Stadtmarketing in dem alle Einzelhändler, Handwerker, Vereine, Fachleute und die Verantwortlichen der Stadt sich gemeinsam dieses Problems annehmen“, so Zein. „Es muss ein Konzept erstellt werden, das möglichst breitgefächert vor allem die Belange der ortsansässigen Einzelhändler stützt“, resümierte Michael Goetz von der Fraktion der Grünen.

Auf Grund der hohen Resonanz plant Bündnis 90/Die Grünen eine zweite Veranstaltung zu diesem Thema.

von Alfons Wieber