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Einigung auf das "Gewinner-Modell"

Bioenergiedorf Einigung auf das "Gewinner-Modell"

Nach zwischenzeitlichen Unstimmigkeiten machen die Erfurtshäuser nun große Schritte auf dem Weg in Richtung Bioenergiedorf.

Erfurtshausen. Die Erfurtshäuser Arbeitsgruppe hatte ein Angebot abgegeben, das die Biogasanlagenbetreiber ablehnten. Nach zahlreichen Gesprächen gab es nun jedoch eine Einigung.

Und so präsentierten Bernd Riehl, Volker Seumer, Ivonne Linne und Karl-Heinz Lohmer vom Kompetenzteam während einer Bürgerversammlung einen Plan, der einen Weg weg von der Abhängigkeit von Heizöl hin zum Bioenergiedorf beschreibt. „Wir wollen alle mitnehmen, wir müssen Strukturen schaffen, einen Plan aufstellen, um 2013 Wärme aus der Biogasanlage beziehen zu können“, machte Riehl deutlich.

Doch zunächst berichtete er, was die Erfurtshäuser unternahmen, nachdem sie keine Einigung mit den Biogasanlagenbetreibern Rudi und Martin Schick erzielen konnten: Unter der Moderation von Dr. Norbert Clement vom Fachdienst Erneuerbare Energien beim Landkreis Marburg-Biedenkopf trafen sich alle Beteiligten zu Gesprächen. Rat hatten sich die Erfurtshäuser auch bei anderen Bioenergiedörfern wie Oberrosphe geholt.

Am Ende der Beratungen entstand das „Gewinner-Modell“. Dieses sieht vor, dass sowohl die Anlagenbetreiber als auch die noch zu gründende Genossenschaft die gleichen Vorteile haben: die Genossenschaft in Form von Einsparungen, die Biogasanlagenbetreiber in Form des Kraftwärmekopplungsbonus (KWK-Bonus) und gegebenenfalls durch Transferzahlungen der Genossenschaft, sofern die Einsparungen den KWK-Bonus überschreiten.

„Das erscheint gerecht, ist nachvollziehbar, und der Abrechnungsmodus lässt wenig Spielraum“, sagte Seumer und betont, dass das Projekt nur starten könne, wenn die Voraussetzungen der Machbarkeitsstudie mit 90 Teilnehmern erfüllt seien: „Mit 60 Teilnehmern ist das Projekt nicht umsetzbar.“

Noch am selben Abend gründeten die Bürger fünf- bis siebenköpfige Arbeitsgruppen zu den Themen Finanzierung, Technik und Öffentlichkeitsarbeit. Ein Projektlenkungsausschuss, dem auch Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg angehören wird, übernimmt die Bündelung und Steuerung. Noch in dieser Woche sollen „Straßenbeauftragte“ die Hauseigentümer nach Anschluss und Wärmebedarf befragen.

Um die Genossenschaft handlungsfähig zu machen, werden dann von allen Interessierten 100 Euro Startkapital eingesammelt. „Für uns ist das ein erster Test, wie hoch die Bereitschaft, sich anzuschließen, wirklich ist“, erklärte Seumer.

Die Befragung endet am 15. August. Für die Genossenschafts-Gründungsveranstaltung ist der 16. August festgelegt worden. Der Eintrag der Genossenschaft ist dann für Oktober/November geplant.

Der Genossenschaftsbeitrag beträgt 5000 Euro, hinzukommen Kosten für den Umbau im eigenen Haus in Höhe von 1000 bis 2000 Euro und eine monatliche Grundgebühr von 10 bis 20 Euro. Der Wärmepreis wird dann bei 7,2 Cent pro Kilowattstunde als monatliche Abschlagszahlung liegen. „Das entspricht einem Ölpreis von etwa 60 Cent“, erläuterte Karl-Heinz Lohmer.

Die technische Ausschreibung ist für Dezember geplant, Baubeginn soll im April 2013 sein, erklärte Linne, die mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Monaten rechnet. Die ersten Anschlüsse könnten voraussichtlich zur Kirmes 2013 fertiggestellt werden. Mit dem Abschluss der Arbeiten rechnet Linne zu Beginn der Heizperiode Oktober/November des nächsten Jahres. „Es ist ein ambitionierter Plan, der zu schaffen ist, wenn Ihr alle mitmacht“, motivierte sie die rund 60 Besucher, die noch zahlreiche Fragen hatten - zum Beispiel wie es nach dem Ende der Förderung durch den KWK-Bonus in 16 Jahren weitergehe. „Dann muss neu verhandelt werden. Eventuell stehen dann auch neue Techniken bereit, die heute noch nicht rentabel sind“, entgegnete Riehl.

von Karin Waldhüter

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