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Ostkreis "Einen Zauberstab habe ich nicht"
Landkreis Ostkreis "Einen Zauberstab habe ich nicht"
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06:16 18.03.2012
Bürgermeister Christian Somogyi ließ sich am Donnerstag von seiner Mitarbeiterin Katja Ziegler seinen elektronischen Terminplaner erklären. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) fand am Donnerstag geordnete Verhältnisse an seinem ersten Tag im Amt vor, optisch erkennbar am bereits ausgewechselten Türschild.

 In seinem Amtszimmer fehlt die persönliche Not an seinem ersten Arbeitstag noch etwas, die Wände sind frisch gestrichen, Bilder hängen noch nicht. Auf dem Schreibtisch findet sich ein Bild von ihm und seiner Frau und eine persönliche Shampoo-Flasche mit seinem Konterfei darauf. "Die hat mir jemand geschenkt"; schmunzelte Somogyi am Donnerstagmittag.

Sein erster Tag im Amt begann um 7 Uhr morgens mit Besuche n im Bauhof, in Kindergärten und im Hallenbad. Danach ist er von Büro zu Büro gegangen und hat allen Mitarbeitern, die da waren, die Hand gegeben. Für ihn hat damit der Prozess begonnen "die Verwaltung und die Menschen, die dort arbeiten von innen heraus kennenzulernen."

Christian Somogyi ist sich dabei bewusst darüber, dass dies Zeit braucht und nicht innerhalb weniger Tage zu schaffen sein wird. Hinter ihm liegen jetzt mehrere Monate, in denen er "nicht Fisch, nicht Fleisch war", zwar gewählt, aber noch ohne Gestaltungsmöglichkeiten.

"Ich bin stolz, Bürgermeister zu sein, spüre aber auch die Verantwortung", antwortet der Niederkleiner auf die entsprechende Frage nach seinen Empfindungen nach den ersten Amsstunden. Bisher stehen erst 26 Auswärtstermine für die nächsten Wochen im Kalender, doch das dürfte sich schnell ändern. Denn für den neuen Stadtallendorfer Bürgermeister stehen etliche Antrittsbesuche an.

Institutionen, Unternehmen, Kirchengemeinden und Schulen will er unter anderem besuchen. Ein Schwerpunkt liegt bei den Amtskollegen der Nachbarstädte bis hin zum Marburger Oberbürgermeister. Mit ihnen will er aber auch erste Gespräche über mögliche Formen einer engeren Zusammenarbeit führen. Viele Bürger und Gesprächspartner hätten schon Anliegen und Wünsche an ihn herangetragen.

Doch Somogyi weiß, dass er nicht für alles gleichzeitig Zeit haben wird. "Einen Zauberstab habe ich nicht", bedauert er und verweist darauf, dass seine Amtszeit insgesamt sechs Jahre dauern wird. Viel Zeit zum Luftholen bleibt nicht. Denn in der nächsten Woche stehen bereits Ausschuss-Sitzungen an mit Themen wie dem Sportentwicklungsplan oder der Frage, was mit dem Hallenbad geschehen soll.

Somogyi will sich bei letzterem Punkt noch nicht so ganz in die Karten schauen lassen. Zunächst wolle er noch Gespräche in der Verwaltung darüber führen. Doch er will eine weitere Variante zu der Frage Sanierung oder Neubau prüfen lassen. Aber Somogyi sagt auch ganz klar: "Bis zur Stadtverordneten-Versammlung möchte ich klarstellen lassen, dass wir den Förderbescheid in jedem Falle nutzen wollen." 1,3 Millionen Euro Förderung hatte das Land Hessen Stadtallendorf für das Hallenbad zugesagt, laut Somogyis Vorgänger ausschließlich für eine Sanierung.

Er sieht das Hallenbad stets in breitem Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Stadtparlaments. Deshalb will er sich bei der Hallenbad-Entscheidung auch "nicht treiben lassen." In Stadtallendorfs Finanzsituation will sich der Kämmerer nun auch aus der Innensicht einarbeiten. Angesichts der Kreisumlagen-Erhöhung blieben aber kaum Spielräume, räumt er schon ein.

Somogyi verfügt über keine Hausmacht im Stadtparlament. Aber er hat die Angebote aller Fraktionen für eine Zusammenarbeit sehr positiv aufgenommen. "Ich glaube, dass wir die Stadtallendorfer Probleme gemeinsam anpacken können", ist der neue Stadtallendorfer Bürgermeister überzeugt.

von Michael Rinde