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Eine ungesunde Beziehung

Beleidigung, Nötigung, Bedrohung Eine ungesunde Beziehung

Merkwürdige Fälle mit zum Teil seltsamen Zeit-genossen auf der Anklagebank prägten am Freitag den Verhandlungstag vor dem Kirchhainer Amtsgericht. Dazu gehörten auch die Beteiligten einer gewesenen Liebesbeziehung.

Kirchhain. Mitten in der Verhandlung sprach Richter Joachim Filmer eine große Wahrheit gelassen aus: „Diese Beziehung hat nie auf gesunden Füßen gestanden. Wir sollten die ohnehin angespannte Situation nicht noch durch Zeugenaussagen und neuerliche Konfrontationen zusätzlich belasten“, erklärte der Richter und lenkte die Verhandlung in Richtung eines Rechtsgesprächs. Am Ende dieses Gesprächs standen die Beschränkung des Verfahrens auf drei Anklagepunkte, eine geständige Einlassung des Angeklagten und ein Verzicht auf die Zeugenvernehmung; die vermutlich sittlich tief stehenden Dialoge zwischen den einst verbandelten Streithähnen blieben dem Gericht erspart.

Angeklagt war ein 56-jähriger Arbeiter aus dem Ostkreis, der sich zunächst wegen Bedrohung, Beleidigung, Nötigung und Fahrens ohne Führerschein zu verantworten hatte. Angeklagt waren sechs Taten, die sich zwischen Anfang 2010 und Februar 2011 ereignet hatten.

Misstrauen auf ganzer Linie

Die Beziehung zwischen dem Angeklagten und dessen Ex-Freundin war zeitweise derart von Misstrauen geprägt, dass beide ihre Telefongespräche aufnahmen. Staatsanwältin Sarah Otto verlas mit der Anklageschrift Ausschnitte aus Tonband-Abschriften. Die darin festgehaltenen Beleidigungen des Angeklagten waren derartig zotig, dass sie noch nicht einmal die Zeitung wiedergeben würde, der als einziger deutscher Tageszeitung von einem Gericht rechtskräftig beschieden wurde, ihr Geld mit fortgesetzten Verletzungen der Persönlichkeitsrechte zu verdienen.

Der Angeklagte räumte einen beleidigenden Anruf und einen Drohanruf ein. Bei diesem Anruf hatte er für den Fall mit dem Tode bedroht, wenn diese nicht ihm zustehendes Geld in den Briefkasten werfe. Nach einem Gespräch mit seinem Verteidiger gestand der Angeklagte zudem, seine frühere Geliebte bei einer zufälligen Begegnung im Vorbeifahren mit dem Fahrrad bespuckt zu haben.

Dagegen bestritt der Mann drei weitere Anklagepunkte: Eine zweite Todesdrohung, den Vorwurf, einige Meter ohne Führerschein Auto gefahren zu sein, und seine Freundin gegenüber deren Schwester telefonisch übelst beleidigt zu haben. Diese Anklagepunkte stellte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwältin ein.

Seine früherere Freundin neige dazu, Geschichte zu erfinden und ihn ohne sachlichen Grund anzuschwärzen, nur um ihm zu schaden, erklärte er. So habe die Frau gegenüber der Polizei telefonisch behauptet, dass er betrunkenen Auto gefahren sei. Die Polizei habe fünf Minuten später einen Wert von 0,0 Promille festgestellt. Der Verteidiger ließ anklingen, dass das Opfer nach seiner Überzeugung ein überzogen schlechtes Bild von seinem Mandanten gezeichnet habe. Schließlich sei sie nachweislich noch zweimal nach den schweren Zwischenfällen mit seinem Mandanten allein im Auto zu Verwandtenbesuchen ins Ausland gefahren, verwies der Rechtsanwalt auf ein seltsames Verhaltensmuster.

Sarah Otto beantragte gegen den durch eine Trunkenheitsfahrt in Tateinheit mit Unfallflucht vorbelasteten Mann eine Verurteilung wegen Bedrohung, Beleidigung und versuchter Nötigung zu einer Gesamtstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 30 Euro. Die Verteidigung schloss sich dem Antrag der Staatsanwältin an.

Richter Joachim Filmer folgte im Urteil diesen gleichlautenden Anträgen. Der Richter mahnte den Angeklagten, im Interesse des Friedens Abstand von der Frau zu halten, keine Berührungspunkte für neue Konflikte zu schaffen. Zuvor hatte schon Sahra Otto dem Angeklagten geraten, seiner Ex-Freundin aus dem Wege zu gehen. Dieser hatte sich dazu im Schlusswort skeptisch geäußert: „Sie wird weiter machen, neue falsche Aussagen in die Welt setzen.“ Fortsetzung folgt?

von Matthias Mayer

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