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Ostkreis Eine häufig gestellte Frage ist geklärt
Landkreis Ostkreis Eine häufig gestellte Frage ist geklärt
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00:18 11.09.2018
Gabi Clement (von links), Reinhard Forst und Dr. Paul Lang haben sich anlässlich ihres  Jubiläums mit der Geschichte der Lindaukapelle befasst. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

„Entdecken, was uns verbindet“, lautet das Motto des Tages des Denkmals. Ein Ort, der dafür wie kein zweiter im Stadtgebiet Amöneburgs steht, ist die Lindaukapelle. Alljährlich pilgern Gläubige aus der Region dorthin – und das nicht nur während der beliebten Magdalenen-Oktav. Noch dazu passt es, dass der Förderverein der Amöneburger Stiftskirche genau in diesem Jahr die Kapelle öffnet, weil sie ebenso wie der Tag des offenen Denkmals ein Jubiläum feiert: Sie besteht seit 150 Jahren, der Denkmal-Tag seit 25 Jahren.

Und so wundert es auch nicht, dass Reinhard Forst, Gabi Clement und Dr. Paul Lang in der Geschichte gegraben haben und nun Fragen beantworten können, die immer wieder gestellt werden. Die zentralste davon: Warum wurde die Kapelle einst Magdalena gewidmet – in ganz Deutschland gibt es schließlich weniger als 50 Gebäude, bei denen dies der Fall ist, wie Forst betont.

Während seiner Recherchen stieß er auf Berichte über einen Dauerregen, der vom 19. bis 22. Juli 1342 im Ohmtal herrschte. Der 22. Juli ist der Gedenktag Magdalenas, die als Büßerin verehrt wird, aber in einigen Regionen auch bei Unwettern angerufen wird. Rund ein Jahr nach dem Ende des Unwetters fand die Altarweihe ihr zu Ehren statt. „Wahrscheinlich steht der Bau der Kapelle mit dem die Menschen zutiefst bewegenden Hochwasser – der sogenannten Magdalenenflut – in Verbindung“, glaubt Forst: „Wahrscheinlich wollten die Gläubigen Maria Magdalena für das Ende des Unwetters danken – oder sie bitten, dass es nicht wieder passiert.“

Brücker Verein lässt die Mahlsteinmühle laufen

Der Amöneburger ergänzt, dass die Menschen bewusst den Fuß des Berges als Bauplatz wählten – zum einen, weil dort ein Ort gewesen sei, an dem sich die Menschen vor den Wassermassen in Sicherheit bringen konnten und einen Blick über das geflutete Ohmtal hatten. Zum anderen, weil dort wohl die Überreste eines im frühen 14. Jahrhundert nach kriegerischen Ereignissen und der Pest verlassenen Einzelhofs lagen und quasi Baumaterial für die Kapelle bereits vorhanden war.

Erstmals Erwähnung fand „Lindowe“ im Jahr 1248 in einer „Mainzer Heberolle“. Der Name verweist, so Forst, auf eine feuchte Wiese (Aue) und Linden – von denen noch immer einige an der heutigen Kapelle stehen. Noch dazu habe der Abfluss der Waschbach für genügend Feuchtigkeit gesorgt, so dass der Begriff „Aue“ berechtigt gewesen sei.

Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) zerstörten die Schweden die Kapelle. Die Ruine – der Altar war verschont geblieben – diente weiterhin als Ort für Gottesdienste. 1866 wurden unter dem damaligen Amöneburger Dechanten und Pfarrer Philipp Heinrich Müller die Überreste der Kapelle abgetragen. Im Juni des darauffolgenden Jahres erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau, dessen Weihung dann im Jahr 1868 anstand.

Auf den Fenstern ist nicht nur die Patronin abgebildet, sondern auch Elisabeth von Thüringen (die Zweitpatronin des Bistums Fulda) und Bonifatius, der an der Waschbach in der Nähe der Kapelle getauft haben soll, berichtet Clemens. „Wahrscheinlich erinnerten sich die Menschen nicht mehr an das Hochwasser und nahmen beim Neubau Bezug zu Bonifatius“, ergänzt Lang.

Landkreis gibt Einblick in die alte Probstei

Die Lindaukapelle steht Besuchern am Sonntag von 11 bis 18 Uhr offen. Dort warten eine Ausstellung, Führungen und ein kleiner Basar mit Kaffee und Kuchen auf die Besucher. Danach bietet es sich an, die beiden anderen offenen Denkmäler der Stadt zu besuchen: Der Brücker Verein öffnet von 11 bis 18 Uhr die Brücker Mühle, bietet um 12, 14 und 16 Uhr Führungen an und lässt auch die Mahlsteinmühle laufen,  um ein „lebendes Industriedenkmal“ zu präsentieren.

Von 11 bis 16 Uhr stellt sich die Denkmalagentur des Landkreises vor und präsentiert ihre neue „Heimat“, die alte Probstei in der Untergasse. Besucher können sich auf dem Außengelände sowie in der Kelleranlage einen Eindruck verschaffen, wie die ehemalige Funktion und Erscheinung des Gebäudes Ausstrahlung auf Amöneburg hatten. Heute ist der Dreiseitenhof aus dem 17. Jahrhundert ein wichtiger architektonischer und baugeschichtlicher Zeuge der Geschichte.

von Florian Lerchbacher