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Eine Brotzeit für alle Sinne

Vom Aussterben bedroht Eine Brotzeit für alle Sinne

Gleich zwei Backhäuser werden in Mardorf noch genutzt – und trotzdem ist diese Tradition vom Aussterben bedroht. Denn fürs Selberbacken wird eines besonders benötigt: viel Zeit.

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Mechthild und Heinrich Kräuter fahren die Brote mit dem Bollerwagen zum Backhaus. Enkel Johannes darf erstmals bei der schweißtreibenden Backarbeit helfen.

Quelle: Marie Lisa Schulz

Mardorf. Der Texaner David Loughlin tut das, was man eben von Touristen erwartet. Er fotografiert. Klick – ein Bild vom Sauerteig. Klick – ein Bild von Mechthild Kräuter, wie sie mit geschickten Händen die Brotlaibe formt. Klick – ein Bild von der 79-Jährigen Rina Kräuter wie sie Mehl über die Arbeitsfläche streut. Klick, klick, klick. Immer wieder drückt Loughlin auf den Auslöser und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die Deutschen und ihr Brot – das weiß er mittlerweile – das ist eine besondere Geschichte. Aber dass in dem kleinen Örtchen Mardorf auch noch selbst gebacken wird, damit hat er nicht gerechnet David Loughlin ist ein Freund der Familie Kräuter. Für eine Woche ist er auf dem Hof zu Gast und lernt ganz nebenbei eine alte Tradition kennen: Brotbacken. Geruch und Geschmack des Sauerteigbrotes haben ihn beeindruckt: „Das schmeckt anders als alles, was ich je gegessen habe“, bekennt der Amerikaner.

Für Mechthild Kräuter ist das weniger verwunderlich. Die 73-Jährige weiß: Wer einmal ihr selbst gebackenes Brot gegessen hat, der will es nicht mehr missen. Das ist auch der Grund, wieso sie alle zwei Wochen am Postschalter steht. Mit dabei: zahlreiche duftende Päckchen. Seit fünf ihrer sechs Kinder den elterlichen Hof verlassen haben, schickt sie die selbst gebackenen Brote einfach ihren Kindern und Enkelkindern hinterher.

Kennen Sie eine Tradition oder einen Brauch, der vom Aussterben bedroht ist? Dann rufen Sie uns an unter 06421/409364 oder schreiben Sie eine Mail an serie@op-marburg.de

von Marie Lisa Schulz

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