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Ostkreis Ein verhängnisvoller Umweg
Landkreis Ostkreis Ein verhängnisvoller Umweg
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10:28 25.10.2010
Alle sechs Insassen kamen am 24. April lebend aus diesem Autowrack heraus. Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Vor dem Marburger Jugendschöffengericht musste sich ein 21-jähriger Schüler aus Cölbe verantworten, der am 24. April am Steuer eines mit sechs 18 bis 20 Jahre alten Männern besetzten Audi A4 auf der Bundesstraße 62 gegen 2.40 Uhr auf der Höhe von Kirchhain-Niederwald bei einem Überholvorgang die Gewalt über das Auto verloren hatte. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern, überschlug sich und blieb völlig zerstört auf einem Feld liegen. Die sechs nicht angeschnallten Jugendlichen wurden dabei zum Teil schwer verletzt. Ein 18-jähriger Gladenbacher zog sich eine Gehirnblutung zu und verbrachte rund sechs Wochen in Kliniken.

Die knapp eine Stunde nach dem Unfall erfolgte Blutentnahme bei dem Fahrer ergab einen Wert von 0,97 Promille. Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit Trunkenheit am Steuer und Körperverletzung verurteilte das unter Vorsitz von Thomas Rohner tagende Gericht den 21-jährigen Angeklagten nach dem Jugendstrafrecht zu zwei Wochen Dauerarrest. Seinen Führererschein kann der Schüler erst in zehn Monaten wieder beantragen. Außerdem muss er an einem Verkehrsseminar der Jugendgerichtshilfe teilnehmen. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin und der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe, die für den strafrechtlich mehrfach vorbelasteten Angeklagten einen Dauerarrest für sinnvoll hielt.

Der Angeklagte machte vor Gericht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und schwieg zur Sache. Sein Verteidiger führte als mögliche Unfallursache einen technischen Defekt an. Niemand könne widerlegen, dass der Unfall etwa durch einen Achsbruch verursacht worden sei. Schließlich sei das Wrack nicht sichergestellt worden. Zudem stellte er die gerichtliche Verwertbarkeit der Blutentnahme in Abrede. Die sei um 3.34 Uhr ohne richterliche Anordnung und ohne Zustimmung seines Mandanten von einer Polizeibeamtin veranlasst worden.

Der Gutachter bezeichnete den Unfallhergang als typischen Alkoholunfall. Da es keine Angaben über Trink-Anfang und Trink-Ende gebe, lasse sich der tatsächliche Promillewert zur Unfallzeit nicht errechnen. Deshalb sei die ermittelte Alkohol-Konzentration für die Urteilsfindung zu berücksichtigen.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bezeichnete den zum Unfallzeitpunkt 20 Jahre und acht Monate alten Angeklagten als noch ungefestigte Persönlichkeit. So gut der seit elf Jahren in Deutschland lebende Pakistani die Schule mit dem Ziel Fachabitur meistere, so schwierig sei er im Leben.

von Matthias Mayer

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