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Ein verhängnisvoller Schlag

Gericht Ein verhängnisvoller Schlag

Vor dem Jugendgericht kam ein 19-Jähriger mit 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. Aber das dicke Ende kommt noch: In einem Zivilprozess stehen erhebliche Forderungen gegen den Schüler im Raum.

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Mit einer Flasche schlug ein 19-jähriger Schüler während einer Feier vor der Erksdorfer Grillhütte ins Gesicht.Foto: Julius Mayer

Erksdorf. Es sollte ein schöner Abend werden. Am 1. Oktober 2010 feierten junge Leute in der Erksdorfer Grillhütte den Geburtstag einer 18-Jährigen. Während der feucht-fröhlichen Feier hatte sich der 19-Jährige aus dem Nordkreis in der Grillhütte einem ihm flüchtig bekannten 20-Jährigen genähert, der im Kreis einer Clique stand. Der 20-Jährige empfand die Annäherung als aufdringlich und fühlte sich gestört. Das wiederum wollte er, so der junge Mann im Zeugenstand, dem 19-Jährigen auch vor der Grillhütte deutlich machen.

Doch dazu kam es nicht. Unvermittelt, so der 20-Jährige und so die Anklageschrift, schlug der Angeklagte dem 20-Jährigen mit einer Flasche ins Gesicht. Dabei büßte das Opfer zwei Schneidezähne ein. Ober- und Unterlippe mussten genäht werden. Der Angeklagte räumte die Tat ein, erklärte aber, dass er zuvor durch einen leichten Schlag auf den Hinterkopf durch das Opfer zu dem verhängnisvollen Schlag provoziert wurde. Der brachte ihm eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung mittels, wie es im Juristendeutsch heißt, „eines gefährlichen Werkzeugs.“

Für Jugendrichter Thomas Rohner und den Vertreter der Anklage war der Sachverhalt frühzeitig klar. Blieb die Frage, wie der zur Tatzeit erheblich alkoholisierte Heranwachsende zu bestrafen war. Thomas Rohner machte deutlich, dass für diesen Tatbestand ein Jugend-Dauerarrest durchaus möglich ist.

„Günstige Sozialprognose“

Gleichwohl zeigten sich Richter, Staatsanwalt und der Verteidiger des angehenden Abiturienten darin einig, dem jungen Mann einen mehrwöchigen Freiheitsentzug zu ersparen. Sie verwiesen übereinstimmend auf die günstige Sozialprognose des reuigen Angeklagten, der sich in seinem letzten Wort bei seinem Opfer entschuldigt hatte.

Das Gericht folgte sogar dem Antrag der Verteidigung, seinem Mandanten die Gerichtskosten zu erlassen. Der Grund: Der Geschädigte verlangt von dem Täter auf zivilrechtlicher Ebene eine erhebliche Summe Schmerzensgeld. Außerdem wird die Krankenkasse des Opfers die Behandlungskosten beim Angeklagten einklagen.

120 Arbeitsstunden werden dem Angeklagten durch die Sommerferien begleiten. Gleichwohl nahm er das Urteil sofort an, das nach Rechtsmittelverzicht der Staatsanwaltschaft Rechtskraft erlangte.

von Julius Mayer

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