Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Ein mühsamer Kampf gegen Leerstände
Landkreis Ostkreis Ein mühsamer Kampf gegen Leerstände
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 23.07.2012
Der Stadtteil Niederklein ist von der Leerstandsproblematik besonders betroffen. Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Niederklein

Die Mitteilung, dass Niederklein nicht so ohne weiteres in das Dorferneuerungsprogramm des Landes aufgenommen wird, war ein Rückschlag. Besonders der Niederkleiner Ortsbeirat hatte große Hoffnungen beim Kampf gegen Leerstände und verfallende Gebäude in das Programm gesetzt. „Aufgrund der jetzigen Situation verlieren wir wertvolle Zeit. Alles geht uns zu langsam“, sagt Niederkleins Ortsvorsteher Hartmuth Koch im Gespräch mit dieser Zeitung.

Vor allem der historische Ortskern von Stadtallendorfs größtem Stadtteil ist betroffen. Bei einer Bestandsaufnahme im vergangenen September wurden 15 nicht mehr bewohnte Haupt- und Nebengebäude dort registriert. Zwei Programme mit unterschiedlichen Ansätzen laufen derzeit, die im Stadtallendorfer Stadtgebiet dem Gebäudeverfall und Leerständen entgegenwirken sollen. Zum einen gibt es das Stadtallendorfer Programm zur Förderung historischer Ortskerne, zum anderen gibt es das kommunale Leerstandsmanagement, finanziert über das Programm Stadtumbau in Hessen. Dort ist Stadtallendorf gemeinsam mit den Städten Rauschenberg und Kirchhain vertreten.

Beide Programme betreut das Planungsbüro Dr. Buchenauer. Grundsätzlich bescheinigt die Expertin Renate Buchenauer dem Stadtteil Niederklein gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Aktuell hat Niederklein 1659 Einwohner mit erstem Wohnsitz, rechnet man die Bewohner mit Zweitwohnsitz hinzu gibt es (Stand Ende Juni) 1800 Niederkleiner. Buchenauer verweist auf die vorhandene gute Infrastruktur und die vergleichsweise verkehrsgünstige Lage Niederkleins. Sie sieht aber zugleich auch die Probleme im historischen und erhaltenswerten Kern des Ortes und verweist auf Gefahren: „Nichts ist so ansteckend wie der Leerstand“, sagt sie. Im Zuge des Leerstandsmanagements hat das Büro Dr. Buchenauer ein Ensemble von vier leeren Gebäuden im Bereich Mittelgasse und Schweinsberger Straße im Blick. Alle betroffenen Gebäude liegen eng nebeneinander, sind Kulturdenkmäler und drohen weiter zu verfallen. Angesichts dieser Situation hat das Büro ein mögliches Lösungskonzept erarbeitet, das auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt ist.

Stadtteil hat gute Entwicklungsmöglichkeiten

Doch der schwierige Prozess auf dem Weg zur Leerstandsbeseitigung steht noch am Anfang. Nach der Sommerpause will das Büro alle Gebäudeeigentümer zusammenbringen. Am Ende soll eine Gemeinschaftslösung stehen. Renate Buchenauer ist dabei bewusst, dass es schwierig wird, für einzelne leere Gebäude Käufer zu gewinnen.

Positiv ist aus ihrer Sicht aber, dass die Zahl der Leerstände im Umfeld der betreffenden Gebäude nicht weiter angestiegen ist. Das Programm historische Ortskerne läuft seit 2010 und entstand nicht zuletzt auch wegen der besonderen Probleme in Niederklein. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 12 Förderanträge, 4 davon stammten aus Niederklein, 2 davon sind bereits komplett abgearbeitet.

Doch zu dem Programm gehört auch die kostenlose Beratung von Eigentümern, die sanieren wollen. Und da sieht Renate Buchenauer in Niederklein einige Lichtblicke.

Die Nachfrage nach Beratungsgesprächen sei in Niederklein sehr zufriedenstellend. „Und ich erwarte in Kürze weitere Anträge“,betont Buchenauer. Ortsvorsteher Koch sieht, dass durch das Förderprogramm „ein kleiner Stein ins Rollen gekommen ist“. Allerdings sei bei Sanierungsprojekten immer noch ein hohes Maß an Eigenkapital erforderlich.

von Michael Rinde