Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Ein märchenhafter Lauf-Traum
Landkreis Ostkreis Ein märchenhafter Lauf-Traum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 13.11.2018
Vorbei an Zwergen und anderem Märchenhaften: Günter Schmidt testet schon mal einen Teil des Burgwald-Marathons, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Quelle: Nadine Weigel
Rauschenberg

Die Abkürzung LDT im Vereinsnamen steht für „Lauf Deinen Traum“. Schließlich habe jeder Läufer einen anderen, erklärt Schriftführer Heinz Kaletsch. Gleichgesinnte sollen sich treffen, vom Hobbyläufer bis zum ambitionierten Athleten. „Der eine möchte die fünf Kilometer in 20 Minuten schaffen, der andere einen Marathon einfach nur durchlaufen, egal in welcher Zeit. Wir schrecken niemanden ab durch den Namen.“

Günter Schmidt hat seinen Traum in diesem Jahr schon verwirklicht. Der Stadtbrandinspektor der Feuerwehr Rauschenberg lief Ende August zum ersten Mal die 42,195 Kilometer beim Burgwald-Marathon. „Früher hätte ich gesagt: Die haben sie nicht alle“, erzählt der 55-Jährige. „Aber das zeigt, was man mit Willensstärke erreichen kann.“ Mit dem Laufsport hatte Schmidt nie besonders viel am Hut. 1984, bei der Bundeswehr, da habe er auch schon mal 5.000 Meter hinter sich bringen müssen und danach gepumpt wie ein Maikäfer. „Aber das war dienstlich verordnet“, schmunzelt er. Inzwischen verordnet er sich seine Dosis Laufen selbst. Weil er Lust darauf hat und weil es ihm gut tut. „Laufen macht auch den Kopf frei“, sagt Schmidt, der sich das Credo zu eigen gemacht hat: „In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist.“

Mit Nordic Walking hat alles angefangen

Angefangen hatte alles vor fünf Jahren in Bad Schwalbach bei einer Reha, als es dem Körper wegen Rücken- und Kniebeschwerden noch gar nicht so gut ging. Da schnappte er sich zwei Stöcke und versuchte sich am Nordic Walking. Fast jeden Abend drehte er seine Runde auf der Acht-Kilometer-Schleife und dachte sich: „Wenn ich das schnell gehen kann, kann ich auch langsam traben.“ Zu Hause in Albshausen waren die Stöcke alsbald überflüssig, aus fünf Kilometern Joggen wurden zehn, aus zehn auch mal fünfzehn. Plötzlich war da dieses Ziel: einmal einen Halbmarathon laufen.

Günter Schmidt schaute sich nach Gleichgesinnten um, bei LDT Rauschenberg wurde er fündig. Vor gut zweieinhalb Jahren – ein halbes Jahr vor seinem ersten Halbmarathon – schloss er sich dem Verein an und bringt sich auf einer Trainingsstrecke in Form, die praktisch an seiner Haustür vorbeiführt. Die 21,1 Kilometer absolvierte er im Rahmen des Burgwald-Marathons. Problemlos. Also war das nächste Ziel klar, „ganz ohne Zwang“, versichert der Albshäuser: „Wenn ein Halbmarathon geht, geht auch mehr.“

Eigene Erwartungen beim Debüt übertroffen

Günter Schmidt steigerte sein Trainingspensum auf viermal die Woche, absolvierte Einheiten zwischen 6 und 30 Kilometern, insgesamt 50 Kilometer pro Woche. Beim Burgwald-Marathon im August dieses Jahres sollte es so weit sein. Jede Zeit unter fünf Stunden gilt für einen Neuling schon als gut. Schmidt trainierte auf 4:15 Stunden hin – und war „mehr als stolz“, als er bei seinem Debüt schon nach 3:56 Stunden gestoppt wurde.

Ende Oktober ließ er sogar noch den Rothaarsteig-Marathon folgen, bei dem ihm die Zeit aber nicht wichtig war. Für ihn sei es „ein Genusslauf“ gewesen, er habe einfach die Aussicht genossen.
Zwei läuferische Ziele hat sich Günter Schmidt für das nächste Jahr gesetzt: Einen Marathon außerhalb seiner Hausstrecke zu bewältigen. Dafür hat er sich für Mitte Oktober Köln ausgeguckt, denn: „Da hat man Publikum ohne Ende.“ Und – selbstverständlich – noch einmal den Burgwald-Marathon zu laufen.

Streng genommen dürfte er das eigentlich nicht. Denn der Verein LDT Rauschenberg, der die Veranstaltung ausrichtet, braucht jede helfende Hand. 70 bis 80 Leute sollen mit anpacken. Eine Herausforderung bei nur 30 Aktiven. „Wir haben eine Abmachung“, verrät Schmidt. „Wenn ich Helfer besorge, kann ich mitlaufen.“ Und der Feuerwehrmann ist in dieser Hinsicht so zuversichtlich, dass er sich bereits für den ­Marathon angemeldet hat.

Die meisten Startplätze sind schon vergeben

Daran hat er gut getan. Denn wenngleich der Lauf erst am 25. August 2019 gestartet wird, muss sich sputen, wer noch daran teilnehmen möchte. 600 der 850 Startplätze sind jetzt schon vergeben, Ultramarathon (52 Kilometer) und Marathon sind bereits ausgebucht. Darüber hinaus werden noch die ­Distanzen Halbmarathon, 10 Kilometer (Volkslauf) und 5 Kilometer (Jedermann) angeboten – und ein Kostümlauf über 3 Kilometer. An einen Peter-Maffay-Doppelgänger kann sich LDT-Schriftführer Heinz Kaletsch, erinnern. Oder ans vergangene Jahr, als sich sieben oder acht Leute in ein Raupenkostüm gezwängt hätten. „Das ist immer ein Highlight zum Schluss“, sagt Kaletsch.

Erklären lässt sich die große Popularität der Veranstaltung damit freilich nicht. Auch Kaletsch wundert sich über den enormen Zulauf: „Wir existieren ja nur bei Facebook, mehr gibt‘s werbetechnisch nicht.“ Und dennoch hat sich sogar ein Läufer aus China für das nächste Jahr angekündigt, auch aus ­Luxemburg und Polen ­liegen. Anmeldungen vor. „Das war schon immer so“, sagt ­Kaletsch und denkt dabei an ­eine 30-köpfige Gruppe aus der ­Nähe von Barcelona im vergangenen Jahr zurück. „Spanisch ist nicht die Sprache, die jeder von uns kann“, umschreibt er charmant die Kommunikationsprobleme. Klar sei aber gewesen: Einer wollte unbedingt die Startnummer 60 haben. Den Grund fanden die Rauschenberger auch heraus: Der Mann feierte an dem Tag mit einem Lauf durch den Burgwald seinen 60. Geburtstag.

Sieben märchenhafte Verpflegungsstationen auf dem Weg

Die Schönheit der Strecke ist das, was den Lauf ausmacht. 2019 wird er nochmals aufgewertet, die Gebrüder Grimm lassen grüßen. Denn Rauschenberg ist Teil der Deutschen Märchenstraße, seit diesem Jahr führt der Märchen-Wander-Weg durch den Märchenwald. Beides ist im nächsten Jahr Bestandteil der Laufveranstaltung, die dann „Burgwald-Märchen-Marathon“ heißen wird. Der Charakter wird dadurch sogar noch gestärkt, wie Heinz Kaletsch erklärt: „Wir sind kein Stadtmarathon. Bei uns sind Genuss- und Spaßläufer unterwegs, die nicht irgendwelchen Topzeiten hinterher hetzen. Die Strecke gibt das mit ihren Höhenmetern auch nicht her.“

Dafür hat LDT Rauschenberg ein schickes ­Finisher-Shirt designt, selbstredend in Märchenoptik. Zudem verspricht Kaletsch sieben märchenhafte Verpflegungsstationen auf dem Weg ins Ziel. Die Helfer sollen die Läufer kostümiert mit Elektrolytgetränken versorgen. Ob Schneewittchen oder Rotkäppchen dabei seien, wisse man noch nicht. Ganz sicher soll aber der böse Wolf seinen Auftritt haben. „Der treibt sich im Wald rum und ­erschreckt die Leute“, verrät ­Kaletsch den Plan und schiebt hinterher: „Als Gag.“

Günter Schmidt wird sich davon nicht erschrecken und erst recht nicht abschrecken lassen. Läuft alles nach Plan, wird der Burgwald-Märchen-Marathon der dritte Marathon seines Lebens. „Vor fünf Jahren hätte ich nie damit gerechnet“, sagt er. Da sei es nur um die Gesundheit gegangen. Jetzt freut er sich schon auf das „Heimspiel“ am 25. August 2019: „Es ist einfach eine schöne Strecke.“
Informationen zu den einzelnen Strecken, die Ausschreibung und die Anmeldung im Internet unter www.bmm-rauschenberg.de

von Holger Schmidt