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Ostkreis Ein halbes Jahrhundert in der Kommunalpolitik
Landkreis Ostkreis Ein halbes Jahrhundert in der Kommunalpolitik
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00:15 03.01.2019
Den Hof hat Rudi Rhiel an eine seiner Töchter abgegeben, doch um die Versorgung der Pferde ­kümmert er sich weiterhin mit viel Hingabe. Quelle: Florian Lerchbacher
Roßdorf

In 50 Jahren ändert sich so einiges. Doch eines blieb immer gleich: Stets engagierte sich Rudi Rhiel in der Politik – zunächst in der damals noch unabhängigen Gemeinde Roßdorf, inzwischen in der Stadt Amöneburg. Sein Engagement begann am 20. Oktober 1968, als er erstmals in die Gemeindevertretung von Roßdorf gewählt wurde. „Mein Vater war auch schon immer in der Gemeindevertretung, wollte aber nicht mehr weitermachen. Also sagte ich, dass ich dann mal hingehe. Ich wollte schließlich mitmachen und mitgestalten“, erinnert sich Rhiel, der als Kommunalpolitiker sechs Bürgermeister erlebte. Los ging es für ihn mit Berthold Krähling.

Damals gab es keine Parteien, sondern Interessenvertretungen. Der inzwischen 79-Jährige vertrat, gemäß seines Berufes, die Interessen der Landwirte. Erst mit der Gebietsreform 1972 bis 1977 seien die Parteien gekommen – doch für ihn war nichts dabei. Er brachte mit Manfred Stumpf lieber die Freie Wählergemeinschaft (FWG) auf den Weg, also mit einem inzwischen verstorbenen Mitstreiter, den er stets zu schätzen wusste: „Manfred war jemand, bei dem ich laut denken konnte. Das ist gut für die Zusammenarbeit. Ich finde, man sollte sagen, was man denkt – sonst wird man unglaubwürdig. Und dann sollte man auch tun, was man sagt.“

1971 wurde Rhiel als Stadtverordneter bestellt – eine Wahl gab es damals nicht. Diese folgte erst im Jahr 1972. Und die Bürger wählten den Roßdorfer dann auch noch einmal ganz offiziell in das Gremium – das damals auch für die Wahl des Bürgermeisters zuständig war. Es gab eine klare CDU-Mehrheit, die Reinhard Webersinn an die Spitze der neuen Großgemeinde Amöneburg hievte. Dessen Haushaltsplan aus dem Jahr 1974 hat Rhiel noch heute in seinen Unterlagen. „Der war wenigstens noch übersichtlich, und jeder Laie konnte ihn lesen“, sagt er, wedelt mit einem kleinen Heft und schüttelt den Kopf über die Ausmaße, die Haushaltspläne heute haben.

"Beeindruckende Redner" im Kreistag

Von 1974 bis 1985 saß Rhiel dann auch im Kreistag, der mit „beeindruckenden Rednern“ gespickt gewesen sei: Friedrich Bohl, der spätere Kanzleramtsminister, oder Hessens späterer Wirtschaftsminister Alois Rhiel hinterließen tiefen Eindruck – aber hielten Rudi Rhiel auch nicht davon ab, seine Meinung kundzutun: „Wenn etwas vom Inhalt her nicht richtig war, musste ich dazu doch was sagen, auch wenn ich vielleicht nicht so wortgewandt war.“ Besonders stolz ist er darauf, einst mit daran beteiligt gewesen zu sein, dass die Mehrzweckhalle nicht in Amöneburg, sondern in Roßdorf gebaut wurde: „Wir haben sie als FWG im Kreistag hierher geholt.“

Aus dem Kreistag zog sich der Roßdorfer jedoch zurück, da die Sitzungen zu viel Zeit in Anspruch nahmen und er sich mit seiner Frau Hildegard und seinem Vater eigentlich um den Hof und die Landwirtschaft kümmern musste. In Amöneburg wollte er sich indes weiterhin kommunalpolitisch engagieren. Bis 2016 saß Rhiel in der Stadtverordnetenversammlung und erlebte noch die Bürgermeister Ralf Biedermann, Oliver Haupt, Anders Arendt und Michael Plettenberg.

Von 2011 bis zu seinem Ausscheiden war der Roßdorfer Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses. „Mit Daten habe ich es vielleicht nicht so“, gibt Rhiel zu, verweist auf seine Schwierigkeiten, seine einzelnen politischen Ämter genau zu datieren, und betont aber auch: „Mit Zahlen ist das anders.“

Er gehörte in den vergangenen 50 Jahren zahlreichen Ausschüssen und Gremien an, natürlich auch dem Roßdorfer Ortsbeirat seit dessen Gründung in den 1970er-Jahren – wobei er von 1993 bis 1997 auch Ortsvorsteher war. Lediglich in einer Wahlperiode war Rhiel nicht angetreten. Warum, weiß er nicht mehr genau: „Ich wollte einfach nicht.“ Dafür scheint eines sicher: „Nach dieser Amtszeit ist endgültig Schluss.“

Große Verdienste auch in der Feuerwehr

Stück für Stück gibt der 79 Jahre alte Vater von drei Töchtern und Großvater von drei Enkeln Arbeiten und Aufgaben ab beziehungsweise weiter. Tochter Ricarda Guntrum hat beispielsweise den Hof übernommen, wobei Rudi Rhiel sich weiterhin ums Holzmachen und die Versorgung der Pferde kümmert. Im Gesangverein ist er bereits seit 60 Jahren passives Mitglied. Etwas anders sieht es im RSV, im Tuoroclub, in der Musikgruppe – in der er zu den Gründungsmitgliedern gehört – und in der Feuerwehr aus.

Dort zieht er sich Stück für Stück zurück – und kann gleichzeitig auf große Verdienste verweisen. Rhiel war einst Brandmeister beziehungsweise Wehrführer in Roßdorf, außerdem Stadtbrandinspektor und führte die Wettkampfgruppe der Feuerwehr zwischen 1970 und 1975 zu mehreren Siegen auf Kreis- und einmal sogar auf Landesebene. Doch das ist eine andere Geschichte.

von Florian Lerchbacher