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Ein beeindruckend gutes Verhältnis

Sicherheitspolitik Ein beeindruckend gutes Verhältnis

"Wir reden, bevor Probleme entstehen." Das ist laut Stadtrat Ottmar Bonacker der Grund für das gute Verhältnis zwischen Militär und Zivilisten in Stadtallendorf.

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Oberstleutnant Markus Klebb (rechts) und Oberleutnant Alexander Kittner (von links) kümmern sich derzeit in Stadtallendorf um die Betreuung von Major Bakyt Ömüraliyev (Kirgistan), Major Kurt Werberich (Brasilien), Oberstleutnant Nael Al Sheim (Jordanien),

Stadtallendorf. Uniformen gehören in Stadtallendorf zum Stadtbild. Und doch können auch sie noch etwas Besonderes sein: Momentan sind Führungskräfte von sechs Armeen zu Gast bei der Division Spezielle Operationen - und sorgen als Gruppe für ein mehr als beeindruckendes Bild.

Deutschland, die Bundeswehr und ihre Führungs- und Einsatz­grund­sätze kennenlernen, eine Verbundenheit zur Bundesrepublik und ihren Bürgern aufbauen sowie ein Netzwerk gründen, um langfristig die Sicherheitspolitik beziehungsweise den Frieden voranzutreiben, sind einige der Ziele des zehnmonatigen „Internationalen Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst“, den die Führungsakademie der Bundeswehr alljährlich anbietet. 67 Stabs­offiziere aus Nationen, die weder der NATO noch der EU angehören, bildet sie dabei fort. Sechs von ihnen halten sich derzeit als Teil ihres dreiwöchigen Truppenpraktikums in Stadtallendorf auf - und sind begeistert vom guten Verhältnis zwischen Bürgern und „Bürgern in Uniform“.

„Bei uns gibt es viele Probleme zwischen Militär und Zivilisten. Wir kann man diese lösen?“, will zum Beispiel Major Jong Hun Lee von Ottmar Bonacker wissen. „Wir reden miteinander. Außerdem bietet die Bundeswehr Tage der offenen Tür an. Aber eigentlich sind wir das ganze Jahr über offen füreinander“, entgegnet der Erste Stadtrat. „Wenn etwas ansteht, dann telefonieren wir. Ziel ist es, dass es erst gar nicht zur Problemen kommt“, ergänzt Freddy Greib, der Leiter des Fachbereichs eins der Stadtverwaltung. „Wir profitieren voneinander, sind aufeinander angewiesen und müssen zusammenhalten. Konflikte auf so engem Raum können wir uns gar nicht leisten“, betont Oberstleutnant Markus Klebb, der Abteilungsleiter Logistik vom Stab der DSO.

Doch nicht nur das Lokale interessiert die Gäste, auch die Strukturen und die Veränderungen in der Bundeswehr sind zentrale Themen. So zeigt sich Major Kurt Werberich aus Brasilien beeindruckt von den klaren Strukturen, der Disziplin und der Bereitschaft, sich der gesellschaftlichen Entwicklung anzupassen und auf neue politische Ziele auszurichten: „In anderen Ländern spielen die Soldaten nicht mit, wenn die Armee reduziert wird.“

Major Dr. phil. Andriy Tkachuk aus der derzeit politisch schwer in der Kritik stehenden Ukraine möchte ebenfalls sehen, wie eine Verkleinerung umgesetzt werden kann und eine „moderne Armee funktioniert“. Hintergrund sei, dass seine Nation in den kommenden drei Jahren die Armee von 190000 auf 120000 Soldaten reduzieren wolle. „Zudem möchten wir in die NATO und unsere Armee in Europa integrieren.“

Major Amirgaziyev Kuanysh aus Kasachstan interessiert sich besonders für die innere Führung und betont: „Demokratie in der Armee ist eine gute Sache.“ Ebenfalls ein Beispiel an Deutschland nehmen will sich Jordanien, wie Oberstleutnant Nael Al Sheim erläutert: In Priština im Kosovo hätten Soldaten beider Nationen zusammengearbeitet: „Wir haben viel Gutes gesehen und wollen daher mehr über die Ausbildung deutscher Soldaten wissen.“

„Brücken bauen über die Sprache“, spricht Major Werberich einen weiteren Anknüpfungspunkt an - und kommt während der weiteren Terminplanung der Gruppe auf ein Thema zu sprechen, das Menschen auf der ganzen Welt vereinen kann: Abends werde das Rückspiel im Halbfinale der Champions-League geschaut, und in zwei Jahren stehe dann die Fußball-Weltmeisterschaft in seiner Heimat Brasilien an. Und so sorgt er mit nur einem Satz dafür, dass mehrere erwachsene Männer fachsimpeln und über verschiedene Ansichten sprechen - unter ihnen sowohl Soldaten als auch Zivilisten. Der Anfang scheint gemacht.

von Florian Lerchbacher

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