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Ein Stückchen Angst reist mit

FSJ Ein Stückchen Angst reist mit

Für den Rauschenberger David Witzel beginnt heute das bislang wohl größte Abenteuer seines Lebens. Der 18-Jährige fliegt nach Kapstadt, wo er ein Jahr lang in einem Township arbeiten wird.

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Im Rundbrief seiner Helferorganisation informierte sich David Witzel über seine Wirkungsstätte in Kapstadt.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Am südlichen Ende Afrikas, wo Atlantik und Indischer Ozean am Kap der guten Hoffnung ineinander übergehen, wird der Fachabiturient mit der Fachrichtung Informationstechnik ein Freiwilliges soziales Jahr ableisten, dass sich im feinsten Amtsdeutsch „Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst nennt. David Witzel gibt sich keinen Illusionen hin, dass sein Sozialdienst im touristischen Traumziel Kapstadt als Abenteuerurlaub mit ein wenig Beschäftigungstherapie vor sich hinplätschern könnte.

„Die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind alles andere als luxuriös. Wir leben in einem angemieteten Haus in einem bürgerlichen Stadtviertel, wobei sich jeweils vier Helfer ein Zimmer teilen. Aus Sicherheitsgründen bringt uns täglich ein Bus in Kapstadts größtes Township, wo 1,4 Millionen Menschen in größter Armut leben. Dort arbeiten wir in dem Kindergarten Centre for Creative Education, in dem vier Erzieherinnen jeweils eine Gruppe mit 70 bis 140 Kindern betreuen“, erzählt der künftige Kindergarten-Helfer beim Gespräch mit dieser Zeitung am Esstisch in seinem Elternhaus.

Der 18-Jährige räumt ein, dass er nicht frei von Ängsten die fast 10.000 Kilometer lange Reise antritt. Er wisse nicht genau, wie er mit dem Heimweh, dem langen Zeitraum in der Fremde, den eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten ohne Internet und ohne eigenes Telefon klar kommen werde. Zudem müssten die freiwilligen Helfer, das hat er in einem Vorbereitungsseminar gelernt, auch mit dem Ohnmachtsgefühl angesichts des Elends in dem Township mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung der Bewohner von 35 Jahren, einer HIV-Quote von 40 Prozent und einer Arbeitslosenquote von 80 Prozent fertig werden.

Auf der anderen Seite ist es genau das, was ihn bewogen hat, statt sechs Monate Zivildienst ein freiwilliges soziales Jahr in Südafrika abzuleisten. „Ich möchte nicht nur eine andere Kultur, sondern auch die Armut kennenlernen. Dabei hoffe ich, dass ich mit meinem Einsatz in dem Kindergarten auch ein wenig Positives für die Menschen in dem Township leisten kann“, erläutert der junge Rauschenberger seine Motivation.

von Matthias Mayer

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