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Ein „Stein kommt ins Rollen“

Typisierungsaktion Ein „Stein kommt ins Rollen“

Die muslimische Gemeinde der Fatih-Moschee beteiligte sich an der Suche nach Knochenmarkspendern. Die Typisierungsaktion in Stadtallendorf soll bundesweit Vorbildcharakter haben.

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Die Kranken- und Gesundheitspflegerin Cicek Erdil nimmt Mustafa Yüksel aus Stadtallendorf behutsam Blut ab, damit er typisiert werden kann.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Für die vielen Besucher, die am Sonntag in die Fatih-Moschee gekommen sind, ist es nur ein kleiner Stich in die Armbeuge und der Verlust von gerade einmal fünf Milliliter Blut. Für den 11-jährigen Ercan aus Lehrte und den erkrankten Benny aus Siegen und viele an Leukämie erkrankte Menschen ist die Typisierungsaktion ein Stück Hoffnung auf ein normales Leben.

Im Vorfeld der Registrierungsaktion hatte sich die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) an die Moscheegemeinde gewandt. Mit der Aktion „Hilfe für Ercan, Benjamin und andere“ suche man vor allem unter den Menschen im türkischen Raum nach neuen Spendern, berichtet Soheila Ghiasi, Aktionsleiterin der DKMS (Köln). „Weil die Gewebemerkmale bei gleicher Abstammung besser übereinstimmen“, verdeutlicht Ghiasi.

Die Fatih-Moschee übernehme eine wichtige deutschlandweite Vorbildfunktion, damit sich andere türkische Gemeinden auch angesprochen fühlen, so Ghiasi. Die Moscheegemeinde gehört dem muslimischen Dachverband DITIB an. „Es ist uns ein Hauptanliegen den Menschen zu helfen, denn es kann alle treffen. Wir sind offen für solche Aktionen, ob islamisch oder christlich, Mensch ist Mensch über alle Religionen hinweg“, betont der Vorsitzende der Moscheegemeinde Otkan Kerem. Um möglichst viele Menschen über die Typisierungsaktion zu informieren wurden zahlreiche Medien genutzt.

„Wir haben mehr als 300 SMS verschickt, in Internetforen geworben, Plakate und Flyer verteilt und seit Wochen während des Freitagsgebets darauf hingewiesen“, berichtet der zweite Vorsitzende Metin Bal.

Die Kosten einer Registrierung liegen bei 50 Euro. Darum waren auch Spenden erwünscht. Insgesamt erhielt die DKMS an diesem Tag rund 650 Euro Spendengelder. „Die Beteiligung war zufriedenstellend, 74 potenzielle Stammzellenspender, darunter überwiegend türkischstämmige, aber auch deutsche Menschen haben sich registrieren lassen“, bilanzierte Aktionsleiterin Soheila Ghiasi. „Der Stein muss erst einmal ins Rollen kommen und das ist er heute“, betonte sie. Erkrankungen seien in der Türkei an sich ein schwieriges Thema und den türkischen Bewohnern fiele es oft nicht leicht offen mit diesem Thema umzugehen.

Ärzte und Fachkräfte helfen ehrenamtlich

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi war Schirmher der Aktion. Er ist bereits bei der DKMS registriert, war aber mit einem Spendenkuvert in die Fatih-Moschee gekommen. „Das ist gelebte Integration“ sagte das Stadtoberhaupt.

Neben den ehrenamtlich agierenden Ärzten Ümit Ural, Zahnarzt aus Stadtallendorf und dem Allgemeinmediziner Eyüp Danismaz aus Neustadt hatte sich Mediziner Sepetcigil Oglu aus Marburg spontan bereit erklärt die Aktion zu überwachen. Zahlreiche medizinische Fachangestellte aus der Region übernahmen Blutabnahmen.

Darunter war beispielsweise auch Canan Göktepe, die erst am Tag zuvor von einer Wallfahrt nach Mekka zurückgekommen war, Zahlreiche Helfer unterstützten bei den Registrierungsvorgängen. Alle Proben wurden noch am Sonntag an ein Labor übergeben.

von Karin Waldhüter

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