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Ein Schlauch dichtet den Kanal ab

Kanalsanierung Ein Schlauch dichtet den Kanal ab

Manch einer, der wochenlang eine Baustelle vor der Tür hatte, dürfte sich bei dieser Nachricht verwundert die Augen reiben: Dte Stadtwerke sanierten innerhalb weniger Tage in Niederklein mehrere Hundert Meter Kanal.

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Was in der Allendorfer Straße im Kanal verschwand, kam rund 110 Meter in der Lehrbacher Straße wieder zum Vorschein.Fotos: Florian Lerchbacher

Niederklein. Wie ein fetter weißer Wurm sah ein Stück „Schlauchliner“ aus, der unter der Woche an der Kreuzung Allendorfer/Lehrbacher Straße aus einem Kanaldeckel herauslugte und zwar kein Feuer aber immerhin Dampf spuckte.

Dieser „Schlauchliner“ ist eine Art Kanal im Kanal: Die alten Rohre wiesen Schäden auf, die allerdings nicht so erheblich waren, als dass die Rohre hätten ausgetauscht werden müssen. Stattdessen griffen die Stadtwerke auf das Know-how der Firma Insituform zurück, die besagten „Schlauchliner“ in den Kanal einzogen.

In den alten Rohren liegt also nun ein aus Kunstharz gefertigter und in riesigen Eiscontainern gelieferter Schlauch, der mit Wasserdampf mehrere Stunden lang ausgehärtet wurde. An einem Kanaldeckel stand neben einem mit Technik vollgestopftem Lastwagen ein sogenannter Turm, der den Wasserdampf in den eingelassenen Schlauch hineinblies. Etwas über 110 Meter war das Kanalstück in der Allendorfer Straße lang, das die Stadtwerke am Mittwoch so sanierten. „Die Kanäle waren verschlissen aber statisch in Ordnung. So konnten wir die Sanierung innerhalb von einem Tag erledigen. In offener Bauweise hätten wir uns über einen Monat mit dem Projekt gequält“, erklärt Olaf Kahle vom Ingenieurbüro Kahle. „Und bei den Kosten haben wir auch gespart, denn mit Inlinern können wir für das gleiche Geld die vierfache Länge sanieren“, ergänzte Rolf Weber, Bautechniker bei den Stadtwerken.

250000 Euro jährlich

Als der „Schlauchliner“ ausgehärtet war, musste nur noch ein Roboter durch den Kanal fahren und die Hausanschlüsse wieder auffräsen, die durch den Kanal im Kanal natürlich kurzzeitig verschlossen waren. Außerdem zog er sogenannte Hutmanschetten als Dichtungen auf. „Es bestand die Gefahr eines Rückstaus – aber natürlich nur bei übermäßigem Gebrauch der Spülungen, sagte Weber und betonte: „Wir haben die Anwohner im Vorfeld informiert und es hat alles hervorragend geklappt.“

Anfang August hatten die Stadtwerke mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Für einige Hausanschlüsse musste sie die offene Bauweise nutzen. Mit den „Inlinern“ arbeiteten sie rund 850 Meter Kanal ab in der Lehrbacher, der Allendorfer und der Hauptstraße sowie „Obere Hardt“ und „Zum Rittstein“. Der Durchmesser der Kanalrohre ist durch die zweite, innere Haut nun zwar geringer, der Durchlauf indes größer, wie Weber erklärt. Dies liegt daran, dass der Widerstand durch die glatte Oberfläche geringer ist.

Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres wollen die Stadtwerke die Niederkleiner während einer Ortsbeiratssitzung wieder über die Pläne für das Jahr 2013 informieren. Seit 2010 sind sie an den Kanälen des Stadtallendorfer Stadtteils fleißig am Werkeln – Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Straßen, die sich direkt an der Trinkwasserschutzzone 2 befinden. Zehn Jahre lang fließen jährlich rund 250000 Euro in die Kanäle Niederkleins – und das bei insgesamt rund 750000 Euro, die Stadtallendorf jährlich in die Kanalunterhaltung investiert. Bei den Investitionen steht jährlich rund eine Million Euro im Haushalt: „Es ist gut, dass die Politik das Geld zur Verfügung stellt“, betont Weber.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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