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Ein Rap-Song gegen Ausgrenzung

Schulprojekt Ein Rap-Song gegen Ausgrenzung

Wie bekommt man alle Kinder einer Grundschulklasse - auch die Jungen - zum Tanzen? Ein ganzheitliches Schulprojekt an der Bärenbachschule hat die Antwort auf diese Frage gefunden.

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Die Kinder der Klasse 4c der Stadtallendorfer Bärenbachschule erarbeiten sich im Unterricht eine eigene Rap-Performance. Foto: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Die Klasse 4 c von Jasmin Ahlgrimm hat sich daran gemacht, einen eigenen Text zu entwickeln, diesen einer Musik zuzuordnen und ihn schließlich tänzerisch darzustellen. Das große Ziel: Der öffentliche Auftritt am 17. Juni beim Amöneburger Kultur Spektakel.

Für dieses ehrgeizige Ziel hat sich die Schule professionelle Anleitung gesichert. Die Kirchhainer Tanz- und Elementarpädagogin Bettina Ott, die seit 28 Jahren eine Schule betreibt.

Wenn das Kuddelmuddel der Ordnung weicht

Wie schwierig und weit der Weg von der Idee bis zur bühnenreifen Aufführung ist, zeigt sich beim Werkstattbesuch der OP im Musiksaal der Schule. Die Kinder sitzen auf dem Boden, sollen einen Kreis bilden, der allerdings eher einer Ellipse ähnelt. Es ist wie in der Tanzschule: Die Jungen sitzen auf der einen, die Mädchen auf der anderen Seite. Die "Dichter" sind gefragt. Wer möchte, kann seine neuen Vorschläge für den Rap-Song vortragen, den die Klasse singen und tänzerisch umsetzen will. Es geht um ein Thema, das die Kinder selbst täglich erleben: Ausgrenzung und Integration. Alex nähert sich dem Thema mit einem Dialog: "Lasst mich bitte in Eure Clique!" "Du kannst doch gar nichts." "Seufz". Florian schlägt vor: "Was willst Du. Du Tussi! Wir wollen Dich nicht auf unserer Schule haben."

Dann geht‘s los. Zum Aufwärmen sollen die Kinder ihren Kreis konzentrisch verkleinern. Alle gehen vier Schritte vor. Einige Kinder rennen sich fast gegenseitig um. Bettina Ott ermahnt die Kinder zum peripheren Sehen, korrigiert die Schrittlänge. Erste Versuche mit längere Schrittkombinationen enden im Kuddelmuddel; einige Jungs bleiben hilflos am Rand stehen - die Mundwinkel auf 20 nach 8. Erfolgserlebnisse sehen anders aus.

Bettina Ott holt die Jungs in die Mitte, korrigiert die Abstände der Anfangsformation und schaltet die Musik ein. Plötzlich läuft‘s. Die Schrittkombinationen klappen unfallfrei, und die Kinder singen selbstbewusst dazu: "Ihr hört mich nicht an! Ihr urteilt von außen. Ihr lasst mich in Eurer Welt ständig draußen." Zwei, drei Durchgänge hintereinander enden ohne Rempler und Fehler. Die Kinder klatschen sich selbst begeistert Beifall, und auch die Tanzmuffel lachen wieder. Bettina Ott nutzt dies, um an die Feinarbeit des tänzerischen Ausdrucks zu gehen. "Stell‘ doch nicht so dumme Augenfragen", singen die Kinder "Verarbeitet den Text mit Euern Fingern", fordert die Lehrerin. Einem Jungen gelingt das besonders gut. Er muss eine Sequenz mehrmals vortanzen; die Klasse ahmt seine Bewegungen nach.

Marie: "Die Jungssind ganz cool"

Für Marie Biletic ist das kein Problem. "Die Jungs sind ganz cool. Mir macht das richtig Spaß, mit ihnen zusammen zu proben", sagt die Zehnjährige. Die gleichaltrige Lisa Bulach findet das ganze Projekt toll. Auch der Rap-Song gefällt ihr gut.

Florian Janta hat im Fernsehen gesehen, dass auch viele Jungs tanzen. "Deshalb bin ich in die Tanz-AG gegangen", erklärt der Zehnjährige, der die Choreographie für nicht allzu schwierig hält. Jerome Kaufmann freut sich schon auf die Aufführung in Amöneburg. "Ich kann den Text. Den habe ich zu Hause mit Florian geübt", sagt das Mitglied der Tanz-AG.

von Matthias Mayer

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