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Ostkreis Ein Königsweg ist noch nicht in Sicht
Landkreis Ostkreis Ein Königsweg ist noch nicht in Sicht
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20:35 12.06.2017
Michael Fischer (von links) diskutierte mit Professor Markus Tomberg, Dr. Ulrich Vogel und Professor Marcell Saß.Foto: Schick
Amöneburg

Immer häufiger werde von Religionslehrern selbst die Frage gestellt, wie sich der Unterricht verändern kann und muss, berichtete Michael Fischer, Fachleiter für evangelische Religion am Studienseminar für Gymnasien Marburg. Dies war für ihn der Ausgangspunkt, eine Podiumsdiskussion zur Zukunft religiöser Bildung an Schulen zu initiieren. „Wir erleben ein Stück weit eine Entkirchlichung. Religiöse Erziehung und Sozialisierung ist bei Kindern nicht mehr so vorhanden wie früher“, sagte Fischer.

Das bestätigte auch Dr. Marcell Saß. Er ist Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik in Marburg und war einer der Diskutanten auf dem Podium. „Es gibt eine Veränderung der Situation der großen Kirchen in Deutschland. Kirchenmitgliedschaft ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr“, betonte Saß.

Die große Frage lautet also: Wie muss sich der Unterricht in Schulen an diese neuen Umstände anpassen? Professor Marcell Saß stellte dazu zunächst vor rund 30 Zuhörern verschiedene Modelle vor, wie religiöse Bildung vermittelt werden kann. In Deutschland ist der Religionsunterricht als „ordentliches Lehrfach“ in Artikel 7, Absatz 3 des Grundgesetzes verankert. Es gibt einen nach Konfessionen getrennten Unterricht - also katholische und evangelische Religion - sowie das Fach Ethik.

Für Moderator ist klar: Der Dialog ist wichtig

Moderator Michael Fischer stellte zur Diskussion, ob es nicht sinnvoller sei, Unterricht in überkonfessioneller Gestalt aufzubauen - so wird es zum Beispiel in England praktiziert. „Es gibt keinen Grund für konfessionell-getrennten Unterricht. Dafür schwindet das Verständnis bei Schülern und in der Gesellschaft insgesamt“, sagte er. Dr. Markus Tomberg, Professor für Religionspädagogik in Fulda und Marburg, äußerte sich skeptisch. Es gebe bereits Projektversuche dazu - auch in Hessen - mit dem Ergebnis, „dass Schüler am Ende doch wieder dezidierter wussten: ich bin katholisch oder evangelisch. Es wird also ein künstliches Differenzbewusstsein erzeugt“, sagte er. Dr. Ulrich Vogel, Dozent für Fachdidaktik der Philosophie und Ethik in Marburg, ergänzte: „Auch die Position derjenigen, die sich keiner Konfession zuordnen, muss gewahrt bleiben.“

Auch die Frage nach der Einbindung des Islam in den schulischen Unterricht war ein Thema. Um religiöse Bildung anzubieten, brauche es gemäß des Grundgesetzes „eine Religionsgemeinschaft, die für alle Anhänger spricht“, erklärte Professor Marcell Saß; „In Hessen sind zum Beispiel Ahmadiyya und Ditib beteiligt, die aber nicht für alle Muslime sprechen. Deshalb ist die Herausforderung des Staates: mit wem verhandelt man?“ Michael Fischer betonte am Ende, in die Frage, wie sich religiöse Bildung an Schulen verändern wird, werde in absehbarer Zeit Bewegung kommen. Das Wichtigste dabei sei der Dialog miteinander.

von Yanik Schick