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Ein Hauch von Tradition liegt ständig in der Luft

325-Jahr-Feier Ein Hauch von Tradition liegt ständig in der Luft

Wer zur 325-Jahr-Feier nach Schwabendorf kam, hatte entweder das Gefühl, in Frankreich gelandet oder in einer Zeitmaschine unterwegs gewesen zu sein.

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Schwabendorf. „Wir feiern mit Freunden“, lautet das Motto der Feier „325 Jahre Schwabendorf“ – und das galt besonders während des Französischen Abends am Samstag. Ganz in die französischen Nationalfarben getaucht war der Hugenottenplatz, auf dem die Schwabendorfer in Anlehnung an ihre Vorfahren ihren Gästen Rot- und Weißweine, Käse mit Weintrauben, Pizza und deftigem französischem Zwiebelkuchen aus dem Backhaus servierten.

 

Schon kurz nach Beginn des Festes genossen rund 200 Besucher das laue Sommerwetter und das besondere kulinarische Angebot. „Wetter gut, Laune gut!“, fasste Helga Pfanzler lachend in nur einem Satz zusammen, während sie mit einem Messer das riesige Blech Zwiebelkuchen in Stücke teilte. Und das schienen auch die Gäste zu denken, die im Lauf des Abends immer mehr wurden. Geselligkeit stand im Vordergrund, manch ein Gast schwang aber auch das Tanzbein zur Musik der „Partyboys“ oder genoss den Auftritt des Gemischten Chors Schwabendorf unter der Leitung von Günther Retzlik.

325. Geburtstag feiert die Rauschenberger Gemeinde Schwabendorf. Der stehende Festumzug war der Höhepunkt des langen Partywochenendes. OP-Redakteur Florian Lerchbacher feierte mit...

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Extra aus Karlsruhe war Peter Krumpholz angereist. Seit 1952 lebt er nicht mehr in Schwabendorf, doch das Fest wollte er sich nicht entgehen lassen: „Es ist einfach bemerkenswert, wie man in Schwabendorf noch heute die Traditionen aufleben lässt“, betonte der gebürtige Schwabendorfer.

325 Jahre Schwabendorf - und das ganze Dorf feiert. Zum Beispiel mit einem Grenzgang, an dem sich 200 Bürger beteiligten. OP-Redakteur Florian Lerchbacher wanderte mit.

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Dies untermalte auch der Höhepunkt der Festwoche, der stehende Festzug am Sonntag, bei dem die Besucher dem stets wiederkehrenden Regen trotzten. Entweder schützten sie sich mit Schirmen oder sie suchten schlicht Unterschlupf und Unterhaltung unter den Vordächern der zahlreichen Höfe, auf denen zahlreiche Gruppen und Vereine verschiedene Attraktionen boten. Das Brauchtum durfte natürlich nicht fehlen. So zeigte zum Beispiel Helmut Hampach, wie er mit einfachsten Mitteln einen alten Rechen repariert. Wilhelm Rödding flocht Körbe, Karl Grebing knüpfte Seile oder die Mitglieder der Spinnstube Bracht sponnen Wolle zu Garn.
Elvira Merle-Schulz stellte mit der Trachtengruppe Rauschenberg einen Waschtag in früheren Zeiten nach und war heilfroh, auf diese Art der Handarbeit inzwischen verzichten zu können. „Das Waschen ist inzwischen viel schonender.“

Organistin Kathrin Ochs

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Doch auch die moderneren Zeiten sparten die Schwabendorfer nicht aus: So präsentierten die Mitglieder des ortsansässigen Motor-Clubs ramponierte Stock-Cars und die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Kultur- und Technik-Clubs Wohratal Traktoren-Oldtimer.

Hinzu kamen die Hessische Brauchtumsgilde, die einen Brautzug durch Schwabendorf schickte, und viele weitere Vereine und Aussteller, die sich oder ihre Angebote präsentierten. Nicht fehlen durfte selbstverständlich die Geschichte der Hugenotten. Gerhard Badouin, der Vorsitzende des Arbeitskreises für Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf, bot eine historische Führung durch seine Heimat an, deren Höhepunkt ein Zwischenstopp am Haus von Gründervater Claude Badouin war. Dort wartete Elfriede Boucsein-Müller im historischen Kostüm, versetzte ihre Gäste in die Zeit um das Jahr 1700 und berichtete als Marie Badouin über die Flucht der Hugenotten aus Frankreich und die Leidenszeit „ihrer“ Familie. Nicht fehlen durften ein Strauß Lavendel in ihren Händen und die Erinnerungen an die Sommer- und die Winterseite in der Heimat Val Queyras in den Kottischen Alpen. Auch in Schwabendorf gibt es heute noch eine Winter- und eine Sommerseite – vielleicht auch ein Grund, warum gebürtige Schwabendorfer immer wieder in ihre Heimat zurückkehren. So wie Peter Krumpholz oder eben Elfriede Boucsein-Müller, die zwar seit 22 Jahren in Gemünden lebt, sich aber immer noch in Schwabendorfer Vereinen engagiert.

von Karin Waldhüter
und Florian Lerchbacher

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