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Ein Denkmal fällt, ein anderes bleibt

Abriss Ein Denkmal fällt, ein anderes bleibt

Als gebe es derzeit noch nicht genug Baustellen in Erfurtshausen: Während die Verlegung des Nahwärmenetzes in vollem Gange ist, lässt die Stadt ein ehemaliges Tagelöhnerhaus abreißen.

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Nicht der Abrissbirne sondern einem Bagger fällt das Haus derzeit zum Opfer.Foto: Florian Lerchbacher

Erfurtshausen. In Erfurtshausens engen Straßen ein Haus abzureißen ist Millimeterarbeit. Doch Christoph Schick, der direkt neben dem ehemaligen Tagelöhnerhaus wohnt, zeigt keine Nervosität. Gut, ein wenig sorge er sich um seine Dachrinne, wenn die Schaufel des Baggers in die alte Bausubstanz knallt, doch die Freude über den Abriss dominiert. Die Familie Schick profitiert schließlich von dem Projekt: Sie erhält das freiwerdende Grundstück und wird sich wahrscheinlich eine Terrasse dorthin bauen. Für die Fläche gibt sie ihren Garten her, der wiederum direkt an das Bürgerhaus Erfurtshausen grenzt und für die Erweiterung des Außengeländes eingeplant ist. Während auf der einen Seite des Gebäudes unter anderem ein Tanzkreis, eine Rundbank und Spielgelegenheiten für Kleinkinder eingerichtet werden, kommen auf die andere Seite eine Grill- und Lagerfeuerstelle, zudem entsteht auf der Wiese ein wenig öffentlicher Raum für Ballspiele.

Sowohl die Familie als auch die Stadt, vor allem aber die Erfurtshäuser profitierten von dem Grundstückstausch, betont Bürgermeister Richter-Plettenberg. Und selbst Helmut Wagner, der in dem nun in Trümmern liegenden Haus bei seiner Großmutter viel Zeit verbracht hatte, weint dem Gebäude keine Träne nach: „Es stand ewig leer, und eine Renovierung hätte sehr viel Geld gekostet. Das Haus hatte ja nicht einmal ein Badezimmer - wer sich waschen wollte, musste sich mit einer Wanne behelfen. So war das früher. Es ist besser, wenn das Haus weg ist.“

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg bezeichnet den Abriss und den Grundstückstausch als „Investition in die Zukunft“ - und freut sich: „Der Clou ist: Das Ganze wird im Rahmen der Dorferneuerung sogar noch vom Land gefördert.“

Die Denkmalpflege habe ihr Einverständnis gegeben, das eigentlich als Einzeldenkmal geschützte Gebäude dem Erdboden gleichzumachen, betont er und nutzt die Gelegenheit, einen Vergleich zu ziehen: „An der Hauptstraße“ in Rüdigheim steht ein weiteres, denkmalgeschütztes ehemaliges Tagelöhnerhaus, das sowohl der Ortsbeirat als auch die Stadt als Schandfleck ansehen und loswerden wollen. Der Landkreis habe einen Abrissantrag abgelehnt und die Stadt sei in ein Widerspruchsverfahren eingestiegen. Er sei jedoch bereit, „notfalls durch die Instanzen zu gehen“, um Rüdigheim von dem Haus zu befreien. „Es geht hier nicht darum hier mit aller Gewalt Kulturdenkmäler wegzureißen, sondern Gebäude, die keine Zukunft mehr haben, in Frage zu stellen“, sagte der Bürgermeister und hob hervor, dass das nun abgerissene Haus in einem besseren Zustand gewesen sei als das Haus in Rüdigheim.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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