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Ein Anschlag auf die Artenvielfalt

Fischbecken vergiftet Ein Anschlag auf die Artenvielfalt

Den materiellen Schaden des Giftanschlags schätzt der Fischereiverein Kirchhain auf 5000 bis 10000 Euro. Der ideelle Schaden ist unermesslich hoch.

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Großseelheim. „Wir werden drei bis fünf Jahre brauchen, um unsere Zucht wieder auf den alten Stand zu bringen - falls das überhaupt möglich ist“, sagt Erik Simon, der Betreiber der Anlage. Er schließt nicht aus, dass genetisches Material für immer vernichtet sein könnte und nennt konkret die Wildform der Bachforelle, deren Genmaterial kaum noch zu bekommen ist. In einem Becken wurden alle Laichtiere dieser seltenen Art durch das Gift getötet. In einem Becken, das an einem anderen Wasserkreislauf angeschlossen ist, überlebten 1500 Jungtiere, aus denen allein sich aber, so Erik Simon, wegen des gleichen Elternstamms keine zur Auswilderung geeignete Zucht aufbauen lässt.

 

Und das ist das Ziel der Zuchtbemühungen des Vereins, wie Gewässerwart Ingo Pfeiffer erläutert. Ziel sei es, die heimischen Fließ- und Stillgewässer mit widerstandsfähigen Jungtieren zu besetzen, die in der Lage sind, sich in dieser natürlichen Umgebung auch ohne menschliche Hilfe zu reproduzieren. Dieses Ziel sieht Pfeiffer durch die Vergiftung sämtlicher Laichtiere der Gattungen Regenbogenforelle, Bachforelle und Bachsaibling in weite Ferne gerückt. So wertet er die Giftattacke als Anschlag auf die Artenvielfalt.

Pfeiffer und Simon sind schon am frühen Morgen mit einer Handvoll Helfer angerückt, um die vergifteten Becken zu belüften und deren Wasser dann langsam abzulassen. Aus Letzterem wird nichts. Ein Stromaggregat knattert und durchbricht die Stille an diesem nebligen Morgen. Die angeschlossene Pumpe läuft und belüftet das Wasser. An ein Ablassen ist nicht zu denken, weil die Sauerstoff-Sättigung des Wassers viel zu hoch ist. Statt bei 60 bis 70 Prozent liegt der Sättigungsgrad bei 140 Prozent, wie die immer wieder gezogenen Wasserproben zeigen. Das spricht für eine noch immer hohe Giftkonzentration im Wasser. Die Untere Naturschutzbehörde untersagt bei diesen Werten das Ablassen des Wassers in die Wirft.

Giftanschlag auf Zuchteich in Großseelheim - 22.Oktober 2012 - Jannik Pelzl

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Verein verliert 10 000 Fische in gut zwei Monaten

Den ehrenamtlichen Helfern, die sich zum Teil einen Tag Urlaub genommen haben, bleibt nur noch eins: die Watehosen anziehen, in die mit Netzen verhangenen Becken steigen und die Fischkadaver aus dem Wasser holen.

Das ist eine freudlose Veranstaltung. Der zweite Gewässerwart Klaus Hartmann blickt starr in ein Becken und murmelt etwas von „Genickbruch für die Zucht“. 10000 Fische habe der Verein durch die Giftanschläge vom 5. August und vom Sonntag verloren. Geblieben seien jetzt nur 4000 Rotfedern, 100 Karauschen und die 1500 Bachforellen-Jungtiere. „Es ist so traurig, die wehrlos vergifteten Tiere so elendig sterben zu sehen“, sagt er und bedauert, dass der Täter nicht auf frischer Tat ertappt wurde.

Und das wohl nur sehr knapp. Von den versteckten Wildkameras, die der Verein nach dem Anschlag vom 5. August auf dem Gelände installierte, wurden um 6.17 Uhr Fotos von dem Täter gemacht, wie dieser sich im Schein einer Stirnlampe an sein Werk machte. Nur eine Viertelstunde später passierten Jäger das Gelände.

Wer macht so etwas? Die Fischer haben einen konkreten Verdacht, den Erik Simon so umschreibt: „Es ist jemand, der einen Grund sieht, den Fischereiverein wirksam zu schädigen.“

von Matthias Mayer

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