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Ostkreis Ein gutes Zeugnis für den Standort
Landkreis Ostkreis Ein gutes Zeugnis für den Standort
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00:18 03.02.2019
General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, äußerte sich im OP-Gespräch optimistisch zur weiteren Entwicklung des Standortes Stadtallendorf. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Der Bundeswehrstandort gilt seit der Stationierung des Stabes der Division Schnelle Kräfte (DSK) als langfristig gesichert. Seit vergangenem Sommer gibt es sogar wieder eine Perspektive für die weitgehend leerstehende Hessen-Kaserne. Die OP sprach am Rande des Neujahrsempfangs der Division mit Eberhard Zorn, als Generalinspekteur höchster Soldat der Bundeswehr, über den Standort Stadtallendorf. In den Jahren 2014 und 2015 war Zorn Kommandeur der DSK.

OP: Welche Perspektiven sehen Sie für den Standort Stadtallendorf, den Sie ja gut kennen, innerhalb der Bundeswehr?
Eberhard Zorn: Der Standort ist sehr gut eingebettet in die Region mit einer ganz hohen Akzeptanz in der Bevölkerung. Er hat in Summe eine gute Verkehrsanbindung. Es gibt einen Standortübungsplatz, Sportmöglichkeiten, ein Schwimmbad, eine Standortschießanlage und weiträumige Liegenschaften. Wir haben also hier eine sehr gute Ausgangsposition.

OP: Welche Entwicklungsmöglichkeiten ergeben sich aus dieser positiven Situation denn noch, insbesondere für die Hessen-Kaserne?
Zorn: Bei uns läuft die Analyse der Kasernen, die wir eigentlich abgeben wollten, auf die Frage hin, welche wir noch brauchen. Wir schauen jetzt bundesweit, welche Truppenteile und Dienststellen wir wo zusätzlich unterbringen könnten. Bis zum Jahr 2031 baut die Bundeswehr ihre Fähigkeiten weiter auf. Man muss also zurückrechnen, wann welche Liegenschaften nötig sind und bis wann sie hergerichtet sein sollten. Deshalb müssen die grundlegenden Entscheidungen auch schnell fallen.

Sanieren und neu bauen?
OP: Was spricht für, was spricht gegen die Hessen-Kaserne?
Zorn: Momentan ist sie in einem Zustand, in dem wir dort keine Truppen stationieren könnten. Wenn wir uns dafür entscheiden, sie zu behalten, dann muss genau bewertet werden, ob wir sanieren, teilweise neu bauen oder sie sogar erweitern. In der Summe ist das eine Kaserne, die man sicherlich noch gut nutzen könnte. Eine Entscheidung gibt es aber definitiv noch nicht.

OP: Wie steht es um die zukünftige Perspektive des keinesfalls immer unumstrittenen Standortübungsplatzes Kirtorf?
Zorn: Gut. Wenn ich in die Zukunft der Bundeswehr schaue, brauche ich Ausbildungseinrichtungen wie diesen Standortübungsplatz, ebenso eine Schießbahn oder Betreuungseinrichtungen. Letzteres ist dabei auch in Stadtallendorf genauso wichtig wie die anderen Einrichtungen.

OP: Die Bundeswehr will auf die Stärke von 203.000 Soldaten bis zum Jahr 2028 wachsen. Woher nehmen Sie die Soldaten?
Zorn: Wir haben in den letzten Jahren unser Profil als ­attraktiver Arbeitgeber verbessert. Die Aufgaben, die wir anbieten, sind interessant, was zum Beispiel besonders für die Division Schnelle Kräfte gilt. Auch die materielle Ausrüstung wird zusehends besser. Also: Der Rahmen stimmt und wird ständig weiterentwickelt. So gelingt es uns schon jetzt, aufzuwachsen – und das trotz allen Konkurrenzdrucks auf dem Arbeitsmarkt.

OP: Die Division Schnelle Kräfte wirbt inzwischen stärker denn je regional um Nachwuchs.
Zorn: Natürlich wollen wir in Regionen, in denen wir ver­wurzelt sind, auch Nachwuchs gewinnen. Die Bundeswehr ist nach wie vor flächendeckend aufgestellt. Bei manchen Werdegängen müssen wir deswegen auch überregional werben. ­Gerade hier in Nordhessen ­finden Bewerber zahlreiche ­Angebote bei der Bundeswehr – als zivile Mitarbeiter­ oder als Soldaten. Die Zusammenarbeit aller nordhessischen Dienst­stellen mit dem Karrierecenter in Kassel bewerte ich persönlich als vorbildlich und zukunftsfest.

Hintergrund

Im Sommer vergangenen Jahres beschloss das Bundesverteidigungsministerium, zahlreichen Kasernen, die aufgegeben werden sollten, erneut zu überprüfen. Darunter war auch die Stadtallendorfer Hessen-Kaserne, die eigentlich zum 1. Juli 2018 endgültig aufgegeben werden sollte. Eine Entscheidung über die Zukunft der Kasernen, so der bisherige Zeitplan, soll bis Ende des Jahres fallen. Der Standortübungsplatz (Kirtorfer Acker genannt) ist Teil des Altlastensanierungskonzeptes des Bundes. Die Kosten dafür liegen bei mehreren Millionen Euro. Einen genauen Termin für den Beginn der Sanierung gibt es noch nicht.
Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) ist zuversichtlich, dass die Hessen-Kaserne eine langfristige Zukunft haben könnte.  
Im Gespräch mit der OP verweist er darauf, dass Stadt und Bundeswehr in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe die Notwendigkeiten prüfen, die sich aus einem Weiterbetrieb der Kaserne ergäben. „Wir haben eine Chance bekommen, wir wollen die Chance nutzen“, betont er. Klar ist, dass es für die Flächen der Hessen-Kaserne nur schwerlich eine sinnvolle zivile Nutzung gäbe. Selbst für eine gewerbliche Nutzung müssten zahlreiche Voraussetzungen erfüllt werden.

von Michael Rinde