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Ostkreis "Druff wie'n Tretroller"
Landkreis Ostkreis "Druff wie'n Tretroller"
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00:18 09.11.2018
(Symbolfoto) Vor Gericht räumte der 19-Jährige ein, Drogen konsumiert und zugeschlagen zu haben. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der junge Mann, der sich seit Montag vor dem Marburger Amtsgericht verantworten muss, soll im Juni etwa 70 Euro Bargeld aus der in Stadtallendorf gelegenen Wohnung seines ehemaligen Freundes gestohlen und diesen in der Folge körperlich misshandelt haben.

Das Geld habe auf dem Wohnzimmertisch gelegen, heißt es in der Anklage. Als der Geschädigte ihn an der Flucht aus der Wohnung hindern wollte, habe der 19-Jährige ihn ins Gesicht, auf den Rücken und den Brustkorb geschlagen, bis sie schließlich gemeinsam die Treppe hinuntergefallen seien.

Der 20 Jahre alte Geschädigte erlitt in der Folge Prellungen, eine Gehirnerschütterung und verlor ein Stück eines Zahnes.

Der Angeklagte stellt die Situation in seiner Einlassung anders dar: In der betreffenden Nacht habe er bei einem Fest in Stadtallendorf Ecstasy konsumiert und sei zu dem späteren Geschädigten gefahren, um von diesem Cannabis im Wert von 50 Euro zu kaufen. Statt den auf dem Markt üblichen fünf Gramm habe er allerdings eine augenscheinlich kleinere Menge bekommen. Anstatt den ehemaligen Kumpel jedoch zur Rede zu stellen, habe er die Drogen mitsamt der zuvor auf den Tisch gelegten 50 Euro an sich genommen.

Als sein Gegenüber ihn am Verlassen der Wohnung hindern wollte, sei es zu einer Rangelei gekommen, bei der sie gemeinsam die Treppe hinuntergefallen seien. Als der 20-Jährige um Hilfe gerufen habe – unter anderem nach Waffen, so der Angeklagte – habe er „versucht wegzulaufen“. Da das „nicht geklappt“ habe sei es zu Schlägen gekommen. In Übereinstimmung mit den erlittenen Verletzungen seines Kontrahenten gibt der Angeklagte an, er habe „überall hingeschlagen“ – mit Ellbogen, Faust und flacher Hand.

All dies sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, weil ein Freund des Geschädigten, der zuvor im Nebenzimmer geschlafen haben soll, auf dem Treppenabsatz erschienen sei. Diesem soll der Geschädigte zugerufen haben, er solle „ein Messer, einen Baseballschläger, oder so etwas, auf jeden Fall eine Waffe“ holen, gab der Angeklagte zu Protokoll.

Sein ehemaliger Freund und jetziger Nebenkläger schilderte die Situation wie in der Anklageschrift beschrieben. Nur bei der Summe des gestohlenen Geldes war er sich nicht mehr sicher. „Irgendwas zwischen 60 und 80 Euro“ seien es gewesen, die er von seiner Mutter erhalten habe, um „was zum Leben für die Woche“ zu haben. Der Angeklagte sei bei ihm aufgetaucht, um sich für einen früheren Diebstahl zu entschuldigen und ihm sein Leid zu klagen. Dabei sei er, so die Worte des Geschädigten, „druff wie‘n Tretroller“ gewesen – Alkohol- und Drogenkonsum waren deutlich wahrnehmbar.

Allerdings bestreitet der Nebenkläger, dass es bei ihrem Gespräch um Drogen gegangen sei. Ein anderer Freund, der in der Tatnacht bei ihm geschlafen habe, soll die Schlägerei mitbekommen haben. Als Zeuge war dieser noch nicht geladen – der Angeklagte habe ihn „belabert“, sodass er nicht aussagen wolle.

Das Gericht entschied, dass der gemeinsame Bekannte der beiden Prozessbeteiligten nun doch als Zeuge gehört werden soll. Aufgrund dessen wird die Verhandlung am 19. November um 11 Uhr in Raum 159 des Amtsgerichts Marburg fortgesetzt.

von Melchior Bonacker