Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Engel lässt sich nicht unterkriegen
Landkreis Ostkreis Engel lässt sich nicht unterkriegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:01 27.04.2018
Klaus-Dieter Engel. Quelle: Archivfoto
Wohratal

„Kritik stelle ich mich gerne – die kann auch massiver ausfallen, denn ich bin nicht zart besaitet, sagt Klaus-Dieter Engel, Beigeordneter der SPD in Wohratal.

Doch was er nun wieder erleben musste, das überschreite eindeutig die Schmerzgrenze: Er hat einen anonymen Brief erhalten, dessen Verfasser ihn als Kommunist und Arschloch bezeichnet, ihn auffordert, aus der Kommunalpolitik wegzubleiben und droht: „Wir werden Dich beobachten.“

Und das ist nicht das erste Mal, dass er anonym aufs übelste beleidigt wurde: Im vergangenen Jahr gab es im Vorfeld der Abstimmung über einen möglichen Gemeindeverwaltungsverband mit Rauschenberg herabwürdigende Parolen an einem Abfallcontainer gegen Engel und Bürgermeister Peter Hartmann – der später noch in einem Flugblatt ehrverletzend beleidigt wurde.

„Vor etwa 15 Jahren bekam ich schon mal einen Brief mit der Botschaft, ich solle mich im Krematorium melden“, erinnert sich der Sozialdemokrat. Und bei Facebook gebe es auch immer wieder hasserfüllte Posts aus der rechten Ecke, wenn er sich politisch auf der Seite der SPD Wohratal äußere: „Das ist kaum zu ertragen.

Ich lösche diese Nachrichten dann stets sofort und sperre die Nutzer – aber sie kommen immer wieder. Diese Facebook-Aggression schwappt nun über ins reale Leben. Diese Verrohung ist traurig – und vor allem auch nicht zielführend.“

Lange politische Karriere

Seit 1983 ist Engel Mitglied der SPD, kurze Zeit später kam er erstmals in den Gemeindevorstand. Die politische Karriere ist also lang, doch so etwas wie in den vergangenen zwölf Monaten hat Engel bis dato noch nicht erlebt: „Ich lasse mich davon nicht unterkriegen – aber eine gewisse Verunsicherung verspüre ich natürlich.

Diese Art der Bedrohung lässt mich nicht kalt.“ Vor dem Losfahren prüfe er zum Beispiel, ob mit den Reifen alles in Ordnung sei. Der engagierte Kommunalpolitiker fürchtet, dass dieses Negativbeispiel junge Menschen davon abhält, sich politisch in ihrer Heimat einzubringen.

„Ich habe einen Anwalt und dieser Fall wird zur Anzeige kommen. Das ist schließlich eine echte Drohung“, kündigt er an. Der Gemeindevorstand unterstützt die eingeleiteten juristischen Schritte und äußert sich in einer entsprechenden Erklärung auch zur Beleidigung in Richtung SPD: „Wir wissen aus unserer Geschichte, wohin Beleidigungen und Bedrohungen von politisch Andersdenkenden führen können.

"Feige und hinterhältige Bedrohung"

Der Gemeindevorstand verurteilt diese feige und hinterhältige Bedrohung eines ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitikers aufs Schärfste und ruft alle Bürgerinnen und Bürger zu einem gedeihlichen und fairen Miteinander zum Wohle unserer Gemeinde auf.“

„Ich bin schockiert, in welcher Art und Weise man miteinander umgeht“, kommentiert Bürgermeister Hartmann die Vorfälle und beklagt einen „vermehrten Werteverfall und immer größer werdende Rücksichtslosigkeit“ in der Gesellschaft: „Das ist eine gefährliche Entwicklung für das friedliche Zusammenleben in einer kleinen Gemeinde wie Wohratal.“

Vor einigen Jahren musste er Graffiti mit der Botschaft „Hartmann raus!“ ertragen. „Der anonyme Brief an Klaus-Dieter Engel hat aber natürlich eine ganz andere Qualität, aber auch eine Aussage wie ,Hartmann raus‘ tut weh – auch wenn man so tut, als würde es einem nichts ausmachen.“

Harald Homberg – mit der OLW beim Thema „Gemeindeverwaltungsverband“ einst erbitterter Gegner von SPD und CDU – verurteilte den Drohbrief an Engel ebenfalls. Er wünsche sich mehr Respekt und ein „gedeihliches und konstruktives Miteinander aller, die sich politisch engagieren“.

von Florian Lerchbacher