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Dorf droht ein weiterer bitterer Verlust

Wandel Dorf droht ein weiterer bitterer Verlust

Grundschule und Lebensmittelladen sind bereits geschlossen. Das gleiche Schicksal erleidet wohl auch der Kindergarten - ausschlaggebend sind die Geburtenzahlen und die Finanznöte der Stadt.

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Die blühenden Zeiten des Kindergarten Speckswinkel scheinen vorbei. Der Magistrat plant die Schließung – es sei denn, Bürger oder Stadtverordnete warten mit einem Alternativvorschlag auf, um 60 000 Euro im Jahr zu sparen.Archivfoto: Florian Lerchbacher

Speckswinkel. Eigentlich ist Karl Stehl für sein moderates Auftreten bekannt, doch nach Bekanntwerden eines weiteren möglichen Rückschlages für sein Heimatdorf geht ihm der Hut hoch: „Das ist der falsche Weg. Wir bewerben uns für die Teilnahme am Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft‘ und die Aufnahme in das Hessische Dorfentwicklungsprogramm - und gleichzeitig wird uns der letzte Magnet weggenommen, mit dem wir junge Familien nach Speckswinkel lotsen können.“ Als Stadtverordneter könne er zwar verstehen, dass die Stadt sparen und auch unpopuläre Entscheidungen treffen müsse. Als Ortsvorsteher müsse er sich jedoch gegen die vom Magistrat vorgeschlagene Schließung des Kindergartens zum 31. Juli des kommenden Jahres wehren. „Das ist eine traurige Angelegenheit. Was haben wir denn dann noch, das uns attraktiv für junge Familien macht?“, fragt er und verweist auf die zurückliegenden Schließungen der Grundschule und des Lebensmittelgeschäftes.

„Der Magistrat hat es sich nicht leicht gemacht“, kommentiert Bürgermeister Thomas Groll und betont, die Stadt sei an einem Punkt angelangt, an dem das Sparen Menschen direkt betreffe „und es wehtut“. Auch er bedauere, dass es erneut Speckswinkel treffe, aber er sehe keine andere Möglichkeit, 60000 Euro jährlich zu sparen - dies sei die Summe, um die der Haushalt durch die Streichung von zwei Erzieherstellen und Einsparungen bei den Sachkosten entlastet werde. Er könne sich vorstellen, den Kindergarten offen zu lassen - allerdings nur, wenn die Kritiker konkrete und vor allem realisierbare Vorschläge machten, um die 60000 Euro an anderen Stellen zu sparen.

Der Ortsbeirat will sich jedenfalls nach Auskunft von Stehl mit dem der Stadt vorliegenden Zahlenwerk auseinandersetzen: Einfließen sollen in diesen Prozess zum Beispiel Familien, die nach Speckswinkel ziehen wollen, oder aber Schwangerschaften, „von denen die Stadt aber nichts weiß“.

Zurzeit gehen laut Groll neun Kinder in die Speckswinkler Einrichtung - drei davon kommen allerdings nicht aus dem Ort. Im Gegenzug nehmen die Eltern von fünf Jungen und Mädchen bereits jetzt den Weg nach Neustadt auf sich, um ihre Kinder in dortige Kindertagesstätten zu bringen, „weil es dort längere Betreuungszeiten, Mittagessen und eine U-3-Betreuung gibt“, erläutert der Bürgermeister.

Die Stadt rechnet damit, dass im Kindergartenjahr 2014/2015 neun und ein Jahr später acht Kinder in die Einrichtung in Speckswinkel gehen würden. 2016/2017 wären es dann 13, 2017/2018 wiederum 12. „Aber nur unter der Maßgabe, dass tatsächlich alle im Ort geborenen Kinder auch dort angemeldet werden“, betont Groll.

Die Belegungszahlen stünden in keinem Verhältnis zu den Kosten, vor allem vor dem Hintergrund, dass aufgrund des Kinderförderungsgesetzes weitere Einschnitte bei der Förderung zu erwarten seien - ganz im Gegensatz zu den anderen kommunalen Kindergärten.

Der Magistrat schlägt vor, dass Speckswinkels Bürger ihren Nachwuchs in Kindergärten ihrer Wahl anmelden können und aufgrund der entstehenden Fahrtkosten Vergünstigungen bei den Kindergartengebühren erhalten. Ein „Kindergartenbus“ biete sich aufgrund der Kosten und der unterschiedlichen Bedürfnisse der Eltern nicht an.

Auf Anregung von Eltern will sich der Bürgermeister noch einmal beim Landkreis nach einer U-3-Betreuung und dem damit einhergehenden Rettungsanker erkundigen. Die Hoffnung sei aber gering.

Für Stehl stirbt die Hoffnung indes zuletzt: „So kann man die Zukunft eines Dorfes nicht attraktiv gestalten“, sagt er zu den Magistratsplänen und holt zum Rundumschlag aus: Eine Vorgabe des Dorfentwicklungsprogramms sei, dass keine neuen Baugebiete außerhalb der Dorfmitte ausgewiesen werden dürfen.

Im Ortskern gebe es zwar acht potenzielle Bauplätze - entweder wollten die Eigentümer diese Flächen nicht verkaufen oder bürokratische Hindernisse stünden im Weg.

Entsprechend scheint auch die „neue Mitte“, die seit Jahren ein Thema in Speckswinkel ist und eine Initiative wider die Folgen des demografischen Wandels wäre, weiterhin nur Zukunftsmusik.

„Das einzig Attraktive an Speckswinkel nach einer Schließung des Kindergartens wären die Grundstückspreis - allerdings haben wir keine Baugrundstücke“, fasst Stehl zusammen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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