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Ostkreis Division übt die Hilfe für Bürger in Not
Landkreis Ostkreis Division übt die Hilfe für Bürger in Not
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00:21 07.09.2018
Oberst Markus Schneider hat die Übung „Schneller Adler“ mitkonzipiert. Quelle: Nico Engler
Stadtallendorf

Er hat den „Schnellen Adler“ mitgeplant. Schneider ist Abteilungsleiter im Stab der Division und dort für die Logistik und Beschaffung zuständig. Während der Übung ist er Bindeglied zwischen dem vorgesetzten Einsatzführungskommando der Bundeswehr und den Truppen, die im Einsatzgebiet agieren.

OP: Herr Oberst Schneider, worum geht es bei der Übung „Schneller Adler“?
Markus Schneider: Unser Auftrag bei dieser Übung ist die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus einem Krisengebiet. Dabei handelt es sich um eine der am höchsten priorisierten Aufträge für die Deutschen Streitkräfte. Anders als bei den anderen aktuellen Missionen erfolgt dieser Auftrag grundsätzlich rein national. Dennoch hat die Realität gezeigt, dass oft nicht nur die eigenen Bürger, sondern auch Bürger anderer Nationen sowie Mitglieder von Hilfsorganisationen evakuiert werden müssen. Sind deutsche Staatsbürger im Ausland durch eine instabile politische Lage bedroht und können das Land selbst nicht mehr verlassen, so kann das Erfordernis entstehen, diese Bürger schnellstmöglich zu evakuieren. Beim „Schnellen Adler“ werden Evakuierungen zu See, Land und Luft geübt. Das zeigt, was die Streitkräfte vorhalten müssen, für den Fall der Fälle. Im Notfall müssen diese Kräfte innerhalb von bis zu 72 Stunden weltweit einsatzbereit sein.

OP: Wie viele Soldaten welcher Einheiten üben?
Schneider: Insgesamt beteiligen sich über 1 500 Soldaten und zivile Mitarbeiter, teilstreitkraftübergreifend aus Heer, Luftwaffe, Marine sowie Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst oder anderen Organisationsbereichen. Kurz gesagt: alle Bereiche der Bundeswehr sind eingebunden. Im Rahmen der deutsch-niederländischen Integration, zu deren Wegbereitern die DSK gehört, sind diesmal auch Soldaten der niederländischen Marine mit dem Mehrzweckversorgungsschiff Karel Doorman beteiligt. Die Evakuierung der deutschen Staatsbürger erfolgt im Hafen durch das Seebataillon der Marine zusammen mit der niederländischen Marine. In einem anderen Szenario erfolgt die Evakuierung durch die Luftwaffe unterstützt durch Fallschirmjäger der DSK. In einer späteren Eskalationsstufe werden auch Hubschrauber des Heeres zum Einsatz kommen.

OP: Welche Rolle spielt die DSK bei dieser Übung?
Schneider: Die Division Schnelle Kräfte mit ihrem Stab in Stadtallendorf ist die Leitdivision für den Auftrag der militärischen Evakuierungsoperationen. In der DSK sind sämtliche Luftlandekräfte sowie die Kampf- und Transporthubschrauber des deutschen Heeres zusammengefasst. Dies ist auch unser Alleinstellungsmerkmal. Die DSK ist damit der einzige Verband des Heeres und in Teilbereichen der gesamten Bundeswehr, der in einem solchen Szenario – militärische Evakuierung zu Land – eingesetzt werden kann. Teile der DSK haben diese Übung angelegt, geplant und steuern sie als Leitung. Am Ende wertet die Division den „Schnellen Adler“ aus.

Üben für den weltweiten Einsatz
OP: Welche Einheiten der DSK sind an der Übung beteiligt?
Schneider: Im Schwerpunkt, wie schon erwähnt, agiert der Stab der DSK und die Stabsfernmeldekompanie, beide hier aus Stadtallendorf, sowie die Luftlandebrigade 1 mit ihren unterstellten Truppenteilen. Insgesamt nehmen allein etwa 1 000 Soldaten der DSK teil, die rund 400 Fahrzeuge einsetzen. So bringen die Fallschirmjäger des Fallschirmjägerregiments 31 ihre Landfahrzeuge wie Wiesel, Mungo und Co. mit. Zu See werden wir zudem das niederländische Mehrzweckversorgungsschiff Karel Doorman sowie Schlauchboote der deutschen Marine einsetzen. Hinzu kommen der Transporthubschrauber NH90 der DSK oder die Flugzeuge A400M und Transall der Luftwaffe. Es wird während der Übung für Technikfans so einiges zu sehen sein. Das spielt sich aber im Schwerpunkt in den Übungsräumen in Nord- und Ostdeutschland ab.

OP: Warum üben gerade diese Einheiten der DSK, worin liegt hier die Besonderheit?
Schneider: Die Alarmierung kann zu jeder Zeit, Tag und Nacht, oder am Wochenende erfolgen. Dies spiegelt sich auch im Leitspruch der DSK wider, der lautet „Einsatzbereit – jederzeit – weltweit!“ Im Rahmen der nationalen Krisenvorsorge müssen wir in der Lage sein, innerhalb von ein bis drei Tagen ab Alarmierung an jedem Ort weltweit deutsche Staatsbürger, und in Absprache mit anderen Nationen auch deren Bürger aus einer Krisenregion zu evakuieren. Teile der DSK sind auch in der Lage, im Falle einer Geiselnahme Menschen zu befreien. Das Zusammenspiel von Spezial- und spezialisierten Kräften in Verbindung mit den Kampf- und Transporthubschraubern des deutschen Heeres ist die Besonderheit dieser Division. Und damit dies auch wirklich weltweit funktioniert, müssen wir dies üben und insbesondere auch mit den übrigen Teilen aus allen Organisationsbereichen der Bundeswehr.

OP: Welche Rolle spielt dabei der Stab der Division in Stadtallendorf?
Schneider: Der Stab der DSK hat die Idee für diese Übung kreiert und die Übung komplett angelegt. Dieser „Einsatz“ wird aus der Herrenwaldkaserne gesteuert und auch Teile der Auswertung erfolgt durch Angehörige des Stabes. Insbesondere letzteres ist wichtig, damit wir uns hier auch verbessern können. Im Einsatzfalle ist der Stab ab der Alarmierung durch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam für das Sammeln und Bereitstellen der Kräfte verantwortlich. Diese Zusammenziehung kann jederzeit, ohne große Vorwarnung und vor allem unter Zeitdruck erfolgen. Zudem ist die DSK verantwortlich dafür, dass die notwendigen Soldaten ausgebildet, ausgerüstet und somit jederzeit einsatzbereit sind.

von Michael Rinde