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„Die haben sich regelrecht tot gestellt“

Mietnomaden in Langenstein „Die haben sich regelrecht tot gestellt“

Der Anfang des Mietverhältnisses war vielversprechend. Eine Familie mit fünf Kindern freute sich über das Platzangebot im Haus mit zehn Zimmern, die Vermieter freuten sich über die Kaufabsicht der neuen Bewohner.

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Heinrich von Haugwitz vor dem Elternhaus seiner Frau. Ein Kinderfahrrad, Spielzeug und Winterreifen vor dem Haus künden vom überstürzten Aufbruch der Familie, die das Haus zuletzt bewohnt hat.

Quelle: Matthias Mayer

Langenstein. Was für Ursula und Heinrich von Haugwitz in Langenstein Anfang 2009 mit dem Besuch der großen Familie so erfreulich begann, ist heute für das Ehepaar ein einziges Ärgernis. Ihr Problem: Sie sind offenbar Mietnomaden aufgesessen. Vor zehn Tagen ist die Familie mit den drei kleinen Kindern mit unbekanntem Ziel verzogen – möglicherweise in Richtung Norddeutschland. Ihre beiden größeren Töchter blieben bei ihrer Großmutter in der Region. Die Mädchen gaben gegenüber den Vermietern an, den Aufenthaltsort ihrer Eltern nicht zu kennen.

Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer letztlich sehr traurigen Geschichte. Denn obwohl die Mieter das Haus verlassen haben, sind sie weiter Besitzer der Mietsache. Über die am Amtsgericht Kirchhain eingereichte Räumungsklage ist noch nicht entschieden worden. Da zudem in dem Haus noch der Großteil des Hausrats der Familie lagert, darf Heinrich von Haugwitz das Elternhaus seiner Frau, das er im Auftrag einer Erbengemeinschaft verwaltet, nur zur Abwehr drohender Gefahren betreten.

Weil die Küche und ein Kellerraum unter Wasser standen, hat er das getan – nachdem er sich rechtlichen Rat eingeholt hatte –, aber nur in Begleitung von Zeugen, da man ihm sonst möglicherweise Sachbeschädigung hätte vorwerfen können.

Was er im Haus sah, verschlug ihm, seiner Frau und seinem Nachbarn den Atem. Sämtliche Räume waren zugemüllt, der Boden übersät mit schmutzigem Geschirr. Essensreste und Hundefutter schimmelten vor sich hin.

Als die Familie im März 2009 in das ruhig gelegene Siedlungshaus mit dem großen Garten einzog, war diese Entwicklung nicht absehbar. „Die Familie machte einen sehr freundlichen Eindruck, und wir haben gern an sie vermietet, weil wir wissen, wie schwer es Familien mit Kindern mitunter haben, eine Wohnung zu bekommen“, erinnert sich Ursula von Haugwitz an die Anfänge. Die Familie hatte nicht die geringsten Zweifel an der Zahlungskraft der neuen Mieter. Nach drei Monaten „tröpfelten“ die Zahlungen aber nur noch.

von Matthias Mayer

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