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Die einen planten, ein anderer machte die Arbeit

Stadtleben Die einen planten, ein anderer machte die Arbeit

Der Anna-Park ist ein Kleinod inmitten von Kirchhains Innenstadt. Dass er früher ein Friedhof gewesen ist, wissen allerdings nur die wenigstens, die sich in der "grünen Lunge" erholen.

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Schüler der Alfred-Wegener-Schule musizierten während des „kleinen Sommerfestes“ im Anna-Park.Foto: Sophie Kaufmann

Kirchhain. Die Stadt Kirchhain und der Förderverein Kulturdenkmäler präsentierten Ende der vergangenen Woche ein Faltblatt und eine Infotafel. Deren Thema ist der Anna-Park - und so war klar, dass dort auch die Vorstellung stattfinden müsse. „Es ist wie ein kleines Sommerfest“, freute sich Bürgermeister Jochen Kirchner über das schöne Ambiente. Die Gäste saßen inmitten des Parks, ließen sich informieren und lauschten schöner Musik.

Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis warf einen Blick auf die Geschichte des Parks zurück, die weit zurückreicht: In den Jahren 1828 bis 1899 war der heutige Park als Friedhof genutzt wurden. Mangels Platz wurde der Friedhof verlegt - sein ehemaliger Standort verwilderte. Die Idee kam auf, den früheren Friedhof in einen Volkspark umzugestalten und die vorhandenen Bäume dabei möglichst zu schonen.

1914 nahm sich Bierbrauer Heinrich Bopp der Fläche an. Er hatte ein „Kirchhainer Mädchen“, Anna Römer, geheiratet. Im Laufe ihrer Ehe brachte es Bopp durch das Bierbrauen zu einem bedeutenden Vermögen. Nachdem seine Frau im Jahr 1913 im Alter von 63 Jahren gestorben war, gründete Heinrich Bopp ihr zu Ehren mit 15000 Mark eine Stiftung. Das Geld war für die Einrichtung und die Unterhaltung eines Parks gedacht.

So kam es zu einer Ausschreibung mit dem Ziel, den ehemaligen Friedhof in den Anna-Park umzugestalten. Die Siesmeyers aus Frankfurt machten das Rennen - Brüder, die sich damals einen Namen machten. „Ein weiteres bekanntes botanisches Gesamtkunstwerk ist der heutige Palmengarten in Frankfurt“, nannte Preis als Beispiel für einen Park der Siesmeyers.

Der Baubeginn musste aufgrund des Ersten Weltkrieges mehrmals verschoben werden. Im Jahr 1919 fanden die Kirchhainer in Carl Müller aus Marburg sogar noch einen günstigeren Gartenbautechniker. Dieser bekam ein Jahr später den Auftrag - und er setzte die Pläne der Siesmeyers in die Realität um.

Ein Jahr vor seinem Tod (1922) stockte Bopp die Stiftung erneut mit 15000 Mark auf. In seinem Todesjahr wurden die Arbeiten am Anna-Park dann abgeschlossen.

Das Aussehen des Parkes veränderte sich: Es kamen weitere Grabstätten und Ehrenmäler hinzu, beispielsweise für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Außerdem wurde die Statue „Die Wartende“ von Hermann Pohl aufgestellt, an der jährlich am 26. Juli der „Annakranz“ zum Gedenken an die heilige Anna niedergelegt wird.

Als wichtigen Schritt in der Geschichte des Anna-Parks bezeichnete Preis auch die Erstellung eines Baumkatasters. „Heute wissen wir ziemlich genau, wie sich die Bäume im Anna-Park in den letzten zwanzig Jahren veränderten“, erklärte er. In dieser Zeit hat sich der Park indes geändert: Es kamen ein Spielplatz, dessen Verlegung vom südlichen in den oberen Teil, und auch Boulebahnen hinzu.

Auch in Zukunft soll sich der Park verändern. Geplant ist die Errichtung einer von Ulrich Eitel gestifteten Skulptur. Die Stadt Kirchhain bemüht sich, eine Pergola im unteren Teil aufzustellen - selbige ist bereits in den Plänen der Siesmeyers vorgesehen ist. „Und am Tag des offenen Denkmals, zum Thema Holz, pflanzen wir eine europäische Lärche“, verspricht der Bürgermeister.

Seit 2005 kümmert sich der Förderverein Kirchhainer Kulturdenkmäler um den Anna-Park und die Pflege und Sanierung der Ehrenmäler. Gemeinsam mit Vorstandsmitglied Wilfried Römer enthüllte Kirchner dann auch die Hinweistafel.

Anschließend präsentierte Preis das neue Faltblatt, das Informationen zu den Anna-Park-Plänen, der Entstehung und der Entwicklung sowie den Baumbeständen enthält. Zum Ende des „kleinen Sommerfestes“ spielte Thorsten Mihr mit einigen Schülern der Alfred-Wegener Schule Jazzstücke.

von Sophie Kaufmann

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